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Ein Hüftgelenk

Nach Gelenkersatz schnell wieder fit

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22.04.2014 | 20:15 Uhr

Wenn eine Arthrose weit fortgeschritten ist, kann ein künstliches Gelenk neue Beweglichkeit ohne Schmerzen ermöglichen. Außerdem: Vorsicht bei Wasser in den Beinen.mehr

 

Woher kommen Gliederschmerzen?

von Mareike Ilsemann

Eine Frau mit schmerzverzerrtem Gesicht löst eine Schmerztablette in einem Glas Wasser auf. © dpa Fotograf: Heiko Wolfraum Detailansicht des Bildes Botenstoffe im Körper verursachen Kopf- und Gliederschmerzen bei einer Erkältung. Die Nase läuft, der Hals kratzt, das Husten strengt an. Aber als noch lästiger als die typischen Erkältungssymptome empfinden viele Menschen die mit dem Infekt einhergehenden Kopf- und Gliederschmerzen.

Sie werden durch Botenstoffe verursacht, ohne die das Immunsystem nicht funktionieren würde. Denn die Botenstoffe dienen den unterschiedlichen Immunzellen zur Kommunikation und aktivieren die wirkungsvollsten Abwehrzellen, über die das Immunsystem verfügt. Gleichzeitig setzen diese Botenstoffe auch die Schmerzempfindlichkeit des Körpers hinab. Wird die Immunabwehr des Körpers aufgrund der Botenstoffe aktiviert, melden die Nervenzellen gleichzeitig Schmerz.

Erkältung ist eine virale Infektion

Erkältungen, sogenannte grippale Infekte, aber auch die echte Influenza, werden durch Viren hervorgerufen, die in winzigen Tröpfchen beim Niesen, Husten oder Sprechen den Körper eines infizierten Menschen verlassen. Atmen wir diese Tröpfchen ein, landen die Viren auf der Schleimhaut unserer Atemwege.

Um zu überleben sind Viren auf eine Wirtszelle angewiesen. Deshalb dringen sie in gesunde Körperzellen ein, manipulieren die Wirtszellen und bringen diese dazu, Tochterviren zu produzieren, die ihrerseits weitere Körperzellen befallen.

Abwehrreaktion auf mehreren Ebenen

Wie auf einem Tablett trägt die kranke Körperzelle ein Eiweißstück des Virus, das Antigen, nach außen. Auf diese Weise signalisiert sie: "Achtung! Hier stimmt was nicht! Gefahr!" Sofort beginnt auf verschiedenen Ebenen die Abwehrreaktion des Körpers. Die überfallenen Körperzellen schütten selbst Botenstoffe aus, die weitere Abwehrzellen anlocken - unter ihnen auch T-Zellen, oder T-Lymphozyten. Sie gehören zu den Immunzellen, die bestimmte Erreger erkennen und spezifisch auf sie reagieren können.

Unter den T-Zellen des Körpers gibt es allerdings immer nur einige wenige, die über den passenden Schlüssel des beim Infekt beteiligten Virus verfügen. Sie können die befallene Zelle binden und sie zerstören.

Gleich vor Ort sind die sogenannten Fresszellen. Sie schreiten gegen jeden Erreger ein - egal ob Virus oder Bakterium. Die Fresszellen verleiben sich die befallenen Zellen ein und signalisieren dann, dass weitere T-Zellen vor Ort gebraucht werden, denn der Körper verfügt nicht über genug Fresszellen, um Infektionen durch sie allein zu beherrschen.

Botenstoffe im ganzen Körper aktiv

Zusätzlich schütten auch die Fresszellen Botenstoffe aus, die weitere passende T-Zellen anlocken und sie dann anregen, sich zu vermehren, sodass im Körper weitere genau auf das jeweilige Virus ausgerichtete T-Zellen entstehen. So vergrößert sich dank der Botenstoffe das Heer der effektiven Abwehrzellen.

Je nach Virusmenge und Ort der Infektion zirkulieren nun im ganzen Körper Botenstoffe, um die Immunreaktion zu verstärken.

Die Botenstoffe gehören verschiedenen Stoffklassen an. Es handelt sich zum Beispiel um Eiweißstoffe, freie Radikale, Atome oder Moleküle, die besonders reaktionsfreudig sind.

Kopfschmerzen durch Stickstoffmonoxid

Beim Botenstoff Stickstoffmonoxid handelt es sich um ein freies Radikal. Es sorgt dafür, dass die Gefäße weit gestellt werden. So können mehr Abwehrzellen ins Gewebe und an den Ort gelangen, wo sie gebraucht werden. Allerdings sinkt durch die Erweiterung der Gefäße auch der Blutdruck, was die dröhnenden Kopfschmerzen verursacht.

Größere Schmerzempfindlichkeit

Die einen beschreiben es als Gliederschmerzen, die anderen als Muskelschmerzen, bei manchen Menschen wird die Haut besonders schmerzempfindlich. Die an der Abwehrreaktion des Immunsystems beteiligten Botenstoffe reagieren auch mit den Rezeptoren der Nervenzellen und setzen so die Schmerzempfindlichkeit des Körpers herab. Das Nervensystem meldet "Schmerz".

Eine unangenehme Begleiterscheinung einer Infektion, die aber vor allem etwas Positives besagt: Der Körper ist dabei, sich aktiv gegen den Infekt zu wehren.

Schmerzmittel nur in geringen Dosen einnehmen

Die gängigen Schmerzmittel hemmen die Produktion von Botenstoffen und dämpfen damit die Immunreaktion, verhindern sie aber nicht völlig. Dennoch sollten Schmerzmittel in nur in geringen Dosen und wenn es wirklich sein muss, eingesetzt werden. Allerdings schüttet der Körper auch selbst Dämpfungsmittel aus, denn eine länger andauernde Entzündungsreaktion wäre ebenso schädlich wie die Infektion selbst.

Nach zwei bis drei Tagen sollten sich die Beschwerden gebessert haben. Sonst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 16.01.2013 | 09:20 Uhr

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