Sendedatum: 06.09.2011 20:15 Uhr  | Archiv

Zusatzleistungen beim Urologen

Seit der Einführung der sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) bieten Ärzte immer öfter Untersuchungen oder Behandlungen an, die nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen gehören. So bieten auch urologische Praxen zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen für Männer ab dem 45. Lebensjahr, die zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zählen, kostenpflichtige Zusatzuntersuchung an.

Laboruntersuchung für einen PSA-Test © NDR

Zusatzleistungen beim Urologen

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Immer häufiger bieten Ärzte Leistungen an, die nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. Welche Individuellen Gesundheitsleistungen sind beim Urologen sinnvoll?

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Im Mittelpunkt stehen dabei Untersuchungen zur Früherkennung urologischer Krebserkrankungen. Das Prostatakarzinom zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 100.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Da Symptome und Beschwerden wie andauernder Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen erst im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auftreten, raten Experten Männern ab 45 Jahren zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Wenn der Krebs rechtzeitig erkannt wird, kann er operativ entfernt werden.

PSA-Test: Erhöhter Wert nicht immer Zeichen für Tumor

In der Früherkennung hat der sogenannte PSA-Test einen hohen Stellenwert, obwohl er unter Experten stark umstritten ist. Der Bluttest, der 20 bis 60 Euro kostet, weist das prostataspezifische Antigen (PSA) nach, ein Eiweiß, das ausschließlich im Gewebe der Prostata produziert wird. Ein erhöhter Wert ist jedoch nicht zwingend mit dem Vorliegen eines bösartigen Tumors verbunden. Vielmehr kann es auch auf eine Entzündung oder eine gutartige Vergrößerung der Prostata hinweisen. Ohne zusätzliche Diagnostik liefert ein einzelner PSA-Wert also keine verlässliche Aussage über das Fehlen oder Vorliegen eines Prostatakarzinoms. Experten schätzen, dass in bis zu 80 Prozent der Fälle eines erhöhten PSA-Wertes kein Tumor vorliegt.

Sinnvoller als die Beurteilung eines einzelnen Messwertes erscheint daher die Betrachtung des Verlaufes der Werte über einen längeren Zeitraum. Kommt es zu einem plötzlichen Anstieg der Werte, sollte der Verdacht auf das Vorliegen eines Karzinoms durch die Entnahme einer Gewebeprobe erfolgen. Bei aller Kritik - nach Meinung vieler Experten überwiegen die Vorteile des PSA-Wertes.

Nierenuntersuchung: Sinnvoll bei familiärer Vorbelastung

Im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung der Nieren mittels Ultraschall (60 bis 160 Euro) lassen sich seltene Nierentumoren frühzeitig darstellen. Diese Untersuchung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn eine familiäre Belastung vorliegt. Die Bestimmung labormedizinischer Nierenfunktionsparameter zeigt erst dann Auffälligkeiten, wenn die Nierenfunktion bereits zu 50 Prozent eingeschränkt ist.

Blasenkarzinom: Kiene sicheren Vorsorgeuntersuchungen

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Bei einer Ultraschalluntersuchung werden Blasentumore meist erst spät entdeckt.

Auch das Blasenkarzinom zählt zu den häufigeren urologischen Tumoren. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 26.000 Menschen daran. Männer sind mehr als doppelt so oft betroffen wie Frauen. Besonders gefährdet sind Raucher und Menschen, die in der Chemie-, Farb- und Lederindustrie arbeiten sowie Friseure. Wird ein bösartiger Tumor rechtzeitig erkannt, kann er in der Regel gut behandelt werden. Sichere Vorsorgeuntersuchungen existieren nicht. 

Ein Urintest zur Bestimmung des Eiweißstoffes NMP22, der bei Blasenkrebs vermehrt gebildet wird, eignet sich zwar zur Verlaufskontrolle von behandelten Blasentumoren, nicht jedoch als generelle Früherkenungsmethode. Und auch Ultraschalluntersuchungen durch die Bauchdecke entdecken die Tumoren erst spät. Die Kosten für diese Untersuchungen betragen 40 bis 100 Euro. Wichtig ist, auf Warnsignale wie blutigen Urin, immer wiederkehrende Blasenentzündungen, Schmerzen beim Wasserlassen oder gesteigerten Harndrang zu achten.

Testosteronspiegel: Nur bei konkretem Verdacht sinnvoll

Auch von der Bestimmung des Testosteronspiegels  (20 bis 110 Euro) ohne konkreten Verdacht raten Experten ab. Zwar können diese in Ausnahmefällen eine zuverlässige Aussage über den Hormonstatus liefern. In diesen Fällen werden die Kosten dann aber auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Dieter Jocham
Chefarzt der  Klinik und Poliklinik für Urologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23528 Lübeck

Dr. Christian Höppner
Gemeinschaftspraxis mit Frau Dr. Martina Horn
Fachärzte für Urologie, medikamentöse Tumortherapie, Andrologie
Schüsselbuden 10-12
23552 Lübeck
Tel. (0451) 777 92

Autor des Fernsehbeitrags:
Dr. Tilman Hassenstein

Dieses Thema im Programm:

Visite | 06.09.2011 | 20:15 Uhr

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