Sendedatum: 24.09.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Wie Hodenkrebs behandelt wird

Hodenkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei jungen Männern zwischen 20 und 40 Jahren. In Deutschland gibt es jedes Jahr etwa 4.000 Neuerkrankungen. In den meisten Fällen wird sie von den Betroffenen selbst erkannt: schmerzhafte aber auch schmerzlose Schwellungen oder Knoten des Hodens sind typische Anzeichen.

Die Ursachen für die Entstehung von Hodenkrebs sind unklar. Männer mit einem Leisten- oder Pendelhoden haben ein höheres Risiko zu erkranken. Zudem gibt es eine familiäre Häufung von Erkrankungsfällen, sodass man davon ausgehen muss, dass die Entstehung der Erkrankung durch erbliche Faktoren begünstigt wird.

Hohe Heilungsraten

Meist tritt der Hodenkrebs nur an einem Hoden auf. Insgesamt sind die Heilungsraten hoch: Ein im Frühstadium erkanntes Karzinom kann fast immer geheilt werden. Und auch bei einem fortgeschrittenen Tumorleiden bestehen gute Heilungschancen (85 Prozent). Dennoch zeigt eine aktuelle Studie, dass in Deutschland nur etwa jeder zweite Patient mit der Diagnose Hodenkrebs leitliniengerecht behandelt wird.

Wie wird der Hodenkrebs diagnostiziert?

1997 wurden die Diagnose- und Therapieleitlinien erstmals veröffentlicht und seither ständig aktualisiert. Die von den Fachgesellschaften festgelegten Diagnose- und Behandlungsrichtlinien legen ein standardisiertes Vorgehen fest. Die Diagnostik des Hodenkrebses stützt sich neben dem Tastbefund im Rahmen der körperlichen Untersuchung vor allem auf eine Ultraschalluntersuchung des Hodens sowie die Bestimmung spezifischer Tumormarker im Blut.

Bestätigt sich der Verdacht auf das Vorliegen eines bösartigen Tumors, muss der betroffene Hoden sowie der dazugehörige Samenleiter operativ entfernt werden. Da der verbliebene gesunde Hoden die Funktion des anderen vollständig übernimmt, sind keine Einschränkungen hinsichtlich der Sexualität, Zeugungsfähigkeit und der Hormonproduktion (Testosteron) zu befürchten.

Gewebeuntersuchung entscheidet über weitere Therapie

Die feingewebliche Untersuchung des entfernten Hodens liefert Informationen über die Art des Tumors und damit über die weitere Behandlung. Häufig wird zur Sicherheit eine Chemotherapie empfohlen. Danach schließen sich regelmäßige Kontrolluntersuchungen an. Mithilfe einer Computertomografie werden dabei besonders die Lymphknoten im hinteren Bauchraum beobachtet, denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Hodentumor Metastasen gestreut hat. Ist das der Fall, wird die Behandlung mit einer Chemotherapie fortgesetzt.

Zweitmeinungszentren unterstützen Arzt und Patient

Da die Auswahl der Behandlungsmethoden entscheidend für den Heilungserfolg ist, sollte sie von Spezialisten durchgeführt werden. Kommt es zu Komplikationen bei der Behandlung, sollte zur Sicherheit eines der etwa 30 Zweitmeinungszentren in Deutschland eingeschaltet werden. Die kostenlose Zweitmeinung erfolgt über das Internet und muss vom behandelnden Arzt veranlasst werden. Eine persönliche Vorstellung des Patienten ist dafür nicht erforderlich.

Das von der Deutschen Krebshilfe geförderte Projekt "Zweitmeinung Hodentumor" begleitet die Therapiewahl anhand der erhobenen Befunde. Die bisher vorliegenden Ergebnisse des Projektes zeigen, dass die gemeinsame Therapieplanung zu einer erheblichen  Verbesserung der Versorgungsqualität der Betroffenen führt.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Martin Hartmann, Facharzt für Urologie
II. Medizinischen Klinik und Poliklinik und Klinik und Poliklinik für Urologie
Interdisziplinäre Hodentumorsprechstunde
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Jeden Donnerstag von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr in der urologischen Poliklinik des UKE.
E-Mail: urologe.hartmann(at)web.de

Prof. Dr. Axel Merseburger
Stellvertretender Direktor der Klinik für Urologie und urologische Onkologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Zweitmeinungszentrum Hodentumore (Do 13.00-15:30, Termine nach Vereinbarung)
Terminvereinbarung: (0511) 532 36 47

Dieses Thema im Programm:

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