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Ein Hüftgelenk

Nach Gelenkersatz schnell wieder fit

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22.04.2014 | 20:15 Uhr

Wenn eine Arthrose weit fortgeschritten ist, kann ein künstliches Gelenk neue Beweglichkeit ohne Schmerzen ermöglichen. Außerdem: Vorsicht bei Wasser in den Beinen.mehr

 

Das lange Warten auf Hilfe hat kein Ende

von Birgit Reichardt, NDR.de

Symbolfoto - gestresste Frau am Arbeitsplatz © dpa - Fotoreport Fotograf: Oliver Berg Detailansicht des Bildes Menschen mit psychischen Erkrankungen warten monatelang auf einen Therapieplatz. (Archivbild) Monatelanges Warten auf eine Behandlung - für Menschen mit Depressionen, Panikattacken oder anderen psychischen Erkrankungen ist diese Situation nur schwer erträglich. Doch Psychotherapeuten müssen Betroffene, die sich in schwierigen Lebenskrisen befinden, immer wieder abweisen, sie können keine Patienten mehr aufnehmen. Nach 13 Jahren ist der Bedarf an Psychotherapeuten nun neu berechnet worden. Dem Beschluss des zuständigen Gemeinsamen Bundesausschusses vom Donnerstag zufolge sollen auf dem Land bundesweit 1.355 Therapeuten dazukommen. "Das ist zwar ein positives Signal", wie der Vizepräsident der niedersächsischen Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, Josef Könning, NDR.de sagte. Aber die Versorgung werde sich dadurch nicht maßgeblich bessern. In den Städten drohen die Wartezeiten sogar noch länger zu werden.

"Leider nur eine kleine Veränderung"

Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern können in den extrem unterversorgten ländlichen Regionen mit etwa 130 neuen Praxen rechnen, Schleswig-Holstein mit etwa 45 neuen Sitzen. Dadurch warte man statt 15 Wochen auf einen Therapieplatz dann 14 oder 13 Wochen - "leider nur eine kleine positive Veränderung", so Könning. In den Kernstädten könnten künftig Praxen abgebaut werden, in Hannover sind nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) 45 Praxen von der Stilllegung bedroht. In Kiel könnten 26 Praxen abgebaut werden, Hamburg wäre in Norddeutschland am stärksten betroffen mit 341 bedrohten Sitzen. Grund ist nach Angaben der Kammer ein historischer Berechnungfehler, der seit 1999 fortgeschrieben wird. Die bedrohten Sitze gelten demnach als "überzählig". Immer dann, wenn ein Behandler seine Praxis zum Beispiel altersbedingt abgibt, wird künftig ein Zulassungsausschuss vor Ort entscheiden, ob die Praxis überhaupt weitergeführt wird.

Planungsfehler 1999

1999 hat der Gemeinsame Bundesausschuss den Bedarf an Psychotherapeuten berechnet. An einem Stichtag wurden alle arbeitenden Psychotherapeuten gezählt. Anders als bei Ärzten gab es aber keine gewachsenen Versorgungsstrukturen. Der Beruf des Psychologischen Psychotherapeuten bestand erst wenige Monate, in den ostdeutschen Bundesländern so gut wie gar nicht. Dennoch wurde die Anzahl mit einer hundertprozentigen Versorgung gleichgesetzt. Hinzugekommene Praxen gelten deshalb heute als "überzählig". So gibt es formal zu viele Psychotherapeuten, gleichzeitig bestehen lange Wartezeiten.

Hoher volkswirtschaftlicher Schaden

Der Schaden, der durch fehlenden psychotherapeutische Behandlungen entsteht, ist groß, so Könning im Gespräch mit NDR.de. Statistiken zufolge stünden Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen an zweiter Stelle. Bei der Berentung stünden psychische Ursachen sogar an erster Stelle, bei einem einem Durchschnittsalter von 48 Jahren. "Für jeden investierten Euro in Psychotherapie könnten volkswirtschaftlich zwei bis drei Euro eingespart werden", so Könning.

"Psychotherapie heilt"

"Psychotherapie heilt Krankheiten, das muss man ganz klar sagen", macht Könning deutlich. Immer mehr Menschen suchten die Hilfe eines Psychotherapeuten. Studien zeigen dem Vizepräsidenten der Kammer zufolge, dass psychisch kranken Menschen, die sofort behandelt werden, arbeitsfähig bleiben. Betroffene ohne psychotherapeutische Versorgung lassen sich häufig stationär aufnehmen und scheiden zumindest vorübergehend aus dem Arbeitsleben aus, wie NDR.de berichtete. Aber es sei wie in vielen anderen Bereichen der Politik eine finanzielle Frage, ob die Versorgung psychisch kranker Menschen gewährleistet wird. "Da ist die Politik gefragt", so Könning.

Aktuelle Wartezeiten
in Wochen/Durchschnitt
Anzahl Psycho-
therapeuten
voraussichtliche bedrohte SitzeAuf/Abbau in Prozent
Niedersachsen12,71.726433-17,7
Hannover8,723245-19,3
Mecklenburg-Vorpommern18188,53+70,6
Rostock1667,80+7,4
Schleswig-Holstein14587,6139-16
Kiel7,6112,226-23,2
Hamburg8,4977341-34,9
Quelle: BPtK
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FAQ
Ein Psychotherapeut in seinem Therapiezimmer. © dapd Fotograf: Tim Schulz
 

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Links

Auf der Internetseite Psycho-Info kann man Therapeuten im Norden finden.

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