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Ein Hüftgelenk

Nach Gelenkersatz schnell wieder fit

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22.04.2014 | 20:15 Uhr

Wenn eine Arthrose weit fortgeschritten ist, kann ein künstliches Gelenk neue Beweglichkeit ohne Schmerzen ermöglichen. Außerdem: Vorsicht bei Wasser in den Beinen.mehr

 

Krank durch Pillen

Die meisten älteren Menschen sind auf Medikamente angewiesen - und nehmen täglich mehrere Arzneimittel gleichzeitig ein. Doch nicht selten werden zu viele oder gar die falschen Präparate verschrieben, warnen Experten. Studien zeigen, dass ältere Menschen oft wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen ins Krankenhaus kommen.

Ein Grund dafür ist, dass die Ausscheidung über die Nieren im Alter nicht mehr komplett funktioniert. Außerdem reagiert das Gehirn bei Älteren deutlich empfindlicher. Oft fällt erst bei einem Klinikaufenthalt auf, wie viele unterschiedliche Wirkstoffe ein älterer Mensch eigentlich einnimmt. Werden dann die Medikamente umgestellt, geht es vielen Senioren schlagartig besser.

Präparate können sich gegenseitig verstärken

Je mehr Präparate eingenommen werden, desto größer ist das Risiko - viele verstärken sich sogar gegenseitig. Ab vier bis fünf verschiedenen Sorten kommt es verstärkt zu Wechselwirkungen, zudem gelten mehr als 80 Wirkstoffe als ungeeignet für Senioren, manche sogar als gefährlich. Sie sind in der sogenannten Priscus-Liste aufgeführt, die im Auftrag der Bundesregierung zusammengestellt wurde. Sie nennt auch Risiken wie Blutungen, Nierenversagen, Leberschäden, Thrombosen, Schlaganfälle oder geistige Verwirrtheit. Solche Nebenwirkungen könnten als Krankheit fehlgedeutet werden, zum Beispiel als Alzheimer-Demenz.

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Liste zum Herunterladen. Hinweis: Patienten sollten Medikamente nicht ohne Rücksprache mit ihrem Arzt absetzen. Dies könnte lebensgefährlich sein. Nur der Arzt kann beurteilen, welche Medikamente in welcher Kombination genommen werden müssen und welche Alternativen es gibt!

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Ein Zeichen, dass etwas mit der Medikation nicht stimmt, ist vor allem plötzlich auftretender Schwindel nach der Einnahme. Als riskant für Ältere gelten vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel, einige Schmerzmedikamente, Blutdrucksenker und Psychopharmaka.

Hausarzt muss den Überblick behalten

Besonders gefährlich: Viele Ältere sind bei verschiedenen Ärzten in Behandlung und bekommen so unterschiedliche Medikamente, von denen der jeweils andere behandelnde Arzt nichts weiß. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Hausarzt zu: Er muss den Überblick über die verschriebenen Arzneimittel behalten, denn er kennt den Patienten und seine Erkrankungen am besten. Und er kann auch Tipps zur richtigen Einnahme geben.

Medikamente mit Leitungswasser einnehmen

Experten schätzen, dass rund die Hälfte aller Medikamente nicht richtig eingenommen wird. Tabletten sollten zum Beispiel nicht mit Tee, Kaffee, Milch oder Säften geschluckt werden. Grapefruitsaft kann beispielsweise die Wirkung von Arzneimitteln lebensgefährlich verstärken. Am besten ist es, Medikamente grundsätzlich nur mit Leitungswasser einzunehmen. Dabei müssen oft unbedingt Abstände eingehalten werden, zum Beispiel zwischen Antibiotika und Magensäurehemmern.

Freiverkäufliche Präparate nicht unterschätzen

Besonders vorsichtig sollten ältere Menschen bei frei verkäuflichen, rezeptfreien Medikamenten sein, denn die sind keineswegs harmlos. So kann zum Beispiel Aspirin Rheumapatienten gefährlich werden: Es drohen eine erhöhte Blutungsneigung oder Magenschleimhautschädigung.

Paracetamol darf nicht zusammen mit bestimmten Schlafmitteln und Antibiotika eingenommen werden. Johanniskraut beeinflusst viele Medikamente negativ - zum Beispiel Herzmittel, Antidepressiva oder Arzneimittel, die nach einer Organtransplantation die Abstoßung des neuen Organs verhindern.

Persönliche Apotheken-Kundenkarte sinnvoll

Entscheidend ist, dass Arzt und Patient die Zahl der verschiedenen Medikamente möglichst gering halten, um mögliche Nebenwirkungen im Blick zu behalten und gefährliche Folgen auszuschließen.

Mit einer persönlichen Apotheken-Kundenkarte kann der Apotheker Buch über die Medikamente und mögliche Nebenwirkungen führen.

Experten würden daher auch eine elektronische Karte begrüßen, die jeder Patient mit sich führt. Darauf könnte die aktuelle Medikamentierung abgespeichert und so für jeden behandelnden Arzt sofort zu überblicken sein.

Hinweis:

Patienten sollten Medikamente nicht ohne Rücksprache mit ihrem Arzt absetzen. Dies könnte lebensgefährlich sein. Nur der Arzt kann beurteilen, welche Medikamente in welcher Kombination genommen werden müssen und welche Alternativen es gibt!

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Bernd Drewelow
Direktor Institut für Klinische Pharmakologie
Zentrum für Pharmakologie und Toxikologie
Universitätsmedizin Rostock
Schillingallee 70
18055 Rostock
Tel. (0381) 494 57 81
Fax (0381) 494 57 82

Im Beitrag:
Dr. Ann-Kathrin Meyer, Chefärztin
Abteilung für Geriatrie
Asklepios Klinik Wandsbek
Alphonsstraße 14
22043 Hamburg
Tel. (040) 18 18 83 16 61
Fax (040) 18 18 83 16 66

Prof. Dr. Martin Scherer
Direktor Institut für Allgemeinmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 24 00
Fax (040) 741 04 02 25

Sabine Gnekow
Apothekerin
Privilegierte Adler-Apotheke
Wandsbeker Marktstraße 73
22041 Hamburg
Tel. (040) 689 42 00,
Fax (040) 689 42 01 19

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Visite | 29.01.2013 | 20:15 Uhr

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