Falsche Krebsdiagnose
Über die Behandlung eines Krebspatienten entscheidet der Pathologe nach der Untersuchung von Gewebeproben. Doch auch Pathologen können irren. Ist eine Zweitmeinung sinnvoll?mehr
Ärzte haben kaum noch Zeit zuzuhören oder die Diagnose ausreichend zu erklären, klagen viele Patienten. Weil sie in der Eile ihren Arzt nicht richtig verstehen, hält sich jeder vierte Patient nicht an die Verordnung seines Arztes. Experten sehen die Ursache auch in allzu vielen Fachbegriffen: Für Ärzte ist Fachchinesisch ganz normal, geht schnell und erklärt eindeutig, was der Patient hat - vorausgesetzt der Patient ist auch Arzt. Alle anderen schalten ab, wenn Begriffe fallen, mit denen sie nichts anfangen können.
Als Patient hat man manchmal das Gefühl, der Arzt hört überhaupt nicht richtig zu. Eckart von Hirschhausen und andere Mediziner geben Tipps, wie man das ändern kann.
Drei Schlüsselfragen sind wichtig für ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch:
1. Was ist das Problem?
2. Welche Therapien gibt es?
3. Welche Vor- und Nachteile hat welche Therapie?
Im Idealfall kann zunächst der Arzt und nach dem Gespräch auch der Patient diese Fragen beantworten. Dann sollten sie gemeinsam entscheiden, was die geeignete Behandlungsmöglichkeit ist. Dafür braucht es Zeit, doch die haben die wenigsten Ärzte. Sie stehen heutzutage am Medizin-Fließband, sagt Eckart von Hirschhausen. Damit es sich rechnet, muss ein niedergelassener Arzt 45 Patienten am Tag sehen. Das sind acht Minuten pro Patient: für Vorgeschichte, aktuelle Beschwerden, Diagnose, Therapieplan und Erklärungen.
45 Patienten muss ein Arzt am Tag sehen, damit es sich finanziell rechnet.
Doch es gibt auch Ärzte, die Patienten Zeit und Vertrauen schenken: Vor allem ältere Menschen brauchen das, denn sie spielen ihre Beschwerden oft herunter, weil sie nicht gebrechlich wirken wollen. Andere vergessen vor Aufregung, was ihnen weh tut. Und mehr als 50 Prozent aller Patienten trauen sich nicht, dem Arzt zu widersprechen, weil sie Angst haben, dann nicht mehr richtig versorgt zu werden. Diese Sorge können Ärzte nur ausräumen, indem sie ihre Patienten einfühlsam und geduldig beraten.
Patienten sollten sich nie von einem gestressten Arzt unter Zeitdruck setzen lassen. Schließlich kann viel von der richtigen Therapieentscheidung abhängen. Patienten sollten sagen, was ihnen besondere Sorgen bereitet und so lange nachfragen, bis sie tatsächlich alles verstanden haben. Hilfreich ist es auch, einen Vertrauten mitzubringen, sich Notizen zu machen und bei einem zweiten Termin die noch offenen Fragen anzusprechen. Das Motto sollte heutzutage sein: Gemeinsam mit dem Arzt über die Therapie zu entscheiden. Im Zweifel kann eine Zweitmeinung sinnvoll sein, auch ein Anruf bei der Unabhängigen Patientenberatung hilft in vielen Fällen weiter.
Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Härter
Leiter Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie
Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246Hamburg
Joachim Kurzbach
Internist und Hausarzt
Rahlstedter Bahnhofstraße 25
22143 Hamburg
Tel. (040) 677 32 29
Fax (040) 677 27 26
Dr. Georgia Schilling
Onkologin
Oberärztin Universitäres Cancer Center Hamburg (UCCH)
II. Medizinische Klinik
Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg