Falsche Krebsdiagnose
Über die Behandlung eines Krebspatienten entscheidet der Pathologe nach der Untersuchung von Gewebeproben. Doch auch Pathologen können irren. Ist eine Zweitmeinung sinnvoll?mehr
Not und Verzweiflung sind oft groß, wenn ein Demenzkranker mit im Haus wohnt und versorgt werden muss.
Betroffene Familien sind in der frühen Phase einer Demenzerkrankung oft ganz besonders unsicher. Die Probleme werden vielfach aus Scham verschwiegen. Außerdem wissen die Angehörigen oft nicht, welche Rechte sie haben, welche Entlastungsangebote es gibt und an wen sie sich wenden sollen.
Hier setzt ein Modellprojekt an, das das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) im Kreis Minden-Lübbecke durchgeführt hat, in Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband (PariSozial).
Im Rahmen des Modellprojektes kamen regelmäßig speziell geschulte Gesundheitsberaterinnen ins Haus der betroffenen Familien. "Das Besondere an unserem Projekt ist: Wir suchen den Kontakt zu den Familien zu einem sehr frühen Zeitpunkt, also dann, wenn die Diagnose Demenz gerade erst gestellt wurde und die Betroffenen noch der Pflegestufe Null angehören", sagt Hartmut Emme von der Ahe vom PariSozial Minden-Lübbecke.
Im Modellprojekt besuchten Gesundheitsberaterinnen die betroffenen Familien alle drei bis vier Wochen bis zu anderthalb Stunden lang. Zum Vergleich: Bisher sieht die Pflegestufe Null einen halbstündigen Beratungsbesuch durch einen Pflegedienst pro Halbjahr vor.
Not und Verzweiflung sind oft groß, wenn ein Demenzkranker mit im Haus wohnt und versorgt werden muss. Die Wesensveränderungen, die mit der Krankheit einhergehen, sind für Außenstehende oft nur schwer zu verstehen und zu akzeptieren. Demenzkranke fragen immer wieder dasselbe, vergessen Wege, verlegen oder verstecken Dinge. Manche neigen auch zu aggressivem Verhalten. Viele pflegende Angehörige fühlen sich vom Demenzkranken provoziert und müssen erst lernen, die Krankheit zu verstehen.
Aus Unsicherheit isolieren sich viele und meinen, sie müssten alles allein bewältigen. "Wir sagen ihnen dann, welche Entlastungsmöglichkeiten es gibt, welche Gelder sie in Anspruch nehmen können. Wir füllen Antragsformulare mit ihnen zusammen aus. Und wir ermuntern sie, auch für sich selbst Auszeiten zu schaffen", sagt Gesundheitsberaterin Susanne Zander. "Jeder pflegende Angehörige muss auch sich selber pflegen."
Der Abschlussbericht des Projekts "Entlastungsprogramm bei Demenz" zeigt, dass frühe Hilfe im Haushalt der Betroffenen ausgesprochen hilfreich ist. "Wir brauchen auch eine Stelle, die alle Informationen bündelt", so Ursula Laag vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP). Derzeit gebe es zwar eine Vielzahl von Geldern und Beratungsangeboten, diese seien aber regional sehr unterschiedlich und für die Hilfesuchenden oft nur schwer zu durchschauen.
Auch wenn frühe Hilfe im Falle einer Demenz derzeit nicht Standard ist, können betroffene Familien aus den Ergebnissen des Modellprojektes eine wichtige Erkenntnis ziehen: Es lohnt sich, früh aktiv zu werden und nach Hilfsangeboten zu suchen - im Zweifelsfall auf eigene Faust.
Erste Anlaufstelle sollte dabei immer die Pflegekasse sein. Die Pflegekassen sind in Deutschland die Träger der sozialen Pflegeversicherung. Sie sind bei den Krankenkassen und bei der Bundesknappschaft ansässig. Hier bekommt man telefonische Auskünfte über Ansprüche und gegebenenfalls auch Adressen von Hilfseinrichtungen.
In einigen Städten und Regionen gibt es spezielle Pflegestützpunkte oder Demenz-Servicezentren. Auch regionale oder lokale Fachpflegedienste bieten Beratung und Unterstützung an. In vielen Kommunen gibt es darüber hinaus spezielle Demenz-Cafés, Sportgruppen oder Schulungen für pflegende Angehörige. Über sie informiert die kommunale Pflegeberatung.