Stand: 26.09.2017 21:54 Uhr

Chat-Protokoll zum Thema Prostatakrebs

Helmut Fuchs: Ist eine Bestrahlung mit Protonen (zum Beispiel im RPTC München) nicht nebenwirkungsärmer als die klassische Photonenbestrahlung, da die Lokalisierung der Protonen erheblich genauer erfolgen kann und anliegende Organe (vor allem Darm) weniger geschädigt werden? Gibt es negative Nebenwirkungen der Protonentherapie?

Hermann: Amerikanische Daten einer großen Klinik in Boston zeigen, dass nach Protonenbestrahlung häufiger mit Nebenwirkungen im Enddarmbereich zu rechnen ist als nach Photonenbestrahlung (IMRT). Die Kollegen führen dies auf größere Probleme bei unterschiedlicher Enddarmfüllung während der Bestrahlung zurück. Deshalb fehlt bislang der wissenschaftliche Beleg irgendeines Vorteils durch Protonenbestrahlung beim Prostatakrebs.

Arthur: Nach radikaler Ektomie 2004 (Gleason 6) liegt mein PSA-Wert jetzt bei 0,29. Ist jetzt etwas zu unternehmen oder lieber Wait and Watch?

Hermann: Das hängt von Ihrem Lebensalter und anderen Erkrankungen, unabhängig vom Prostatakrebs, ab. Wenn Ihre Lebenserwartung länger als zehn Jahre beträgt, sollte unbedingt jetzt die Prostataloge bestrahlt werden. Lassen Sie sich doch von einem Strahlentherapeuten in Ihrer Nähe beraten.

Volker: Bei mir tritt nach eineinhalb Jahren der Prostatabestrahlung wieder Darmbluten auf. Mit welcher Therapie kann dieses Problem gelöst werden?

Hermann: Bitte zunächst eine Darmspiegelung durchführen lassen, um die Strahlenveränderungen des Enddarms zu sichern. Wenn dies geschehen ist, würde ich zunächst eine sehr niedrig dosierte lokale Kortison-Schaumbehandlung empfehlen (zum Beispiel Colifoam).

Unbekannt: Mich würde interessieren, ob beziehungsweise wo Informationen zu Nebenwirkungen bei Operationen des Prostatakarzinoms verfügbar sind. Insbesondere interessiert mich die Rate an infizierten Lymphozythen nach OP, etwa bei Verwendung des Da-Vinci-Systems von Intuitive Surgical Inc. im Vergleich zur konventionellen OP. Hintergrund ist eine Erkrankung meines Vaters nach einer solchen OP und mir mittlerweile weiterer bekannter Komplikationen gleicher Art in einer anderen Klinik. Dies deutet auf eine Häufung bei OPs mit dem Da-Vinci-System hin.

Hermann: Eine sehr gute Frage, die ich aber als Strahlentherapeut nicht beantworten kann. Damit beschäftigen sich die operativ tätigen Urologen, die die konventionelle Operationstechnik mit der Roboter-Operation vergleichen. Höchstwahrscheinlich sind diese Daten auch über medizinische Datenbanken verfügbar, bei Interesse dürfen Sie mich gerne in den nächsten Tagen kontaktieren.

Unbekannt: Ich bin 56 Jahre alt und hatte PSA-Werte festgestellt von 15. Nach dreimaliger Behandlung mit einem vom Urologen empfohlenen Antibiotikum war der PSA-Wert auf 5 gesunken. Mein Urologe empfiehlt mir trotzdem eine Biopsie der Prostata. Ist das unbedingt notwendig, nachdem das Antibiotikum so gut angeschlagen hat? Kann man nicht nach der Reaktion auf das Antibiotikum ein Krebs ausschließen? Beschwerden habe ich etwas im Blasenbereich unter dem Bauchnabel.

Hermann: Sie sind mit 56 Jahren zu jung, um ein Risiko einzugehen. Auch ich empfehle Ihnen dringend die Biopsie.

Manni45: Nach einer Prostatabestrahlung wegen Krebs (38 Mal, beendet im Mai dieses Jahres) habe ich ständiges Brennen beim Wasserlassen. Muss ich damit leben oder gibt es Abhilfe?

Hermann: Bitte unbedingt beim Urologen vorstellen, damit die Ursache abgeklärt werden kann. Oft lässt sich die Problematik medikamentös verbessern.

Ralf: In der Sendung wurde empfohlen, sich gegebenenfalls an eine Selbsthilfegruppe zu wenden. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V. betreibt auch eine Beratungshotline unter der Rufnummer (0800) 708 01 23. Ist Ihnen die bekannt, und wenn ja, was halten Sie von ihr?

Hermann: Ich finde den Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. extrem wichtig und hilfreich.

Wope: Kann man dem PSA-Wert überhaupt trauen? Radfahren und Sex sollen ihn ja beeinflussen. Und jeder Mann hat wahrscheinlich unterschiedliche Absolutwerte.

Hermann: Ja, Sie haben recht, wenn aber Krebs nachgewiesen und behandelt wurde, dann ist der PSA der ideale Tumormarker.

Unbekannt: In dem soeben ausgestrahlten Beitrag wurde über die Therapiemöglichkeiten bei Arthrose des Daumensattelgelenks gesprochen. Ich habe in der Auseinandersetzung mit dem jahrelangen Leiden an meiner Rhizarthrose auch über die Möglichkeit einer Strahlentherapie gelesen. Was sagen sie als Strahlentherapeut dazu und kommt diese Therapie vielleicht auch für mich in Frage?

Hermann: Jawohl, nach einer sogenannten Reizbestrahlung können zwei Drittel der Patienten mit einer Linderung der Beschwerden rechnen. Dabei wird nur sechsmal eine sehr geringe Strahlendosis verwendet.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 26.09.2017 | 20:15 Uhr

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