Stand: 26.09.2017 21:54 Uhr

Chat-Protokoll zum Thema Prostatakrebs

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Prof. Robert Hermann hat im Chat Fragen zum Thema Prostatakrebs beantwortet.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Männern und die dritthäufigste Krebstodesursache in den westlichen Industrieländern. Wird Prostatakrebs rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen groß. Lange Zeit galt die Entfernung der Prostata (Prostatektomie) als Standardtherapie. Studien haben jedoch gezeigt, dass eine Strahlentherapie in bestimmten Fällen ähnlich effektiv ist wie eine Operation. Das Risiko für Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Erektionsstörungen erwiesen sich bei der Strahlentherapie als deutlich geringer.

Der Strahlentherapeut Prof. Robert Hermann vom Zentrum für Strahlentherapie und Radioonkologie in Westerstede hat Fragen zum Thema Prostatakrebs beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Unbekannt: Wie hoch ist die Treffgenauigkeit bei einem PSMA-PET/CT? Ab welchem PSA-Wert ist diese Untersuchung sinnvoll? (Hintergrund: OP vor zwei Jahren, jetzt wird Rezidiv vermutet.)

Prof. Robert Hermann: Eine sehr sinnvolle Untersuchung bei niedrigen PSA-Werten, die Trefferwahrscheinlichkeit liegt bei 0,2 ng/ml bei circa 20 Prozent, bei 0,5 schon bei 50 Prozent. Allerdings muss die Kostenübernahme mit den Krankenkassen vorher geklärt werden.

Wagner: Ich bin 60 Jahre alt und habe seit circa sechs Monaten einen ansteigenden PSA-Wert. Ich habe verschiedene Kuren (Antibiotika) gemacht. Der PSA-Wert ist weiter angestiegen. Äußerlich hat der Urologe nichts ertastet und ich habe keine keinerlei Schmerzen oder Beeinträchtigungen. Der Urologe rät mir jetzt zu einer Biopsie, um eine 100-prozentige Diagnose zu stellen. Als Alternative schlägt er mir eine Kernspintomographie vor. Diese sei aber nicht 100-prozentig. Welchen Rat könnten Sie mir geben? Zuerst die Kernspin oder sofort die Biopsie?

Hermann: Standard ist bislang zunächst, die Biopsie durchzuführen. Wenn man auf eigene Kosten ein MRT durchführen lässt, kann dies in einigen Zentren auch gezielt als Fusions-Biopsie genutzt werden. Dabei werden die auffälligen Bezirke direkt biopsiert.

HR: Warum wird nicht auch alternativ über die Brachytherapie informiert, ich bin sehr zufrieden damit und die OP ist neun Jahre her. Keine Potenzprobleme und auch keine Inkontinenz.

Hermann: Sie haben recht, für Prostatakrebs mit niedrigen Risikofaktoren kann auch eine Brachytherapie mit guten Erfolgsaussichten durchgeführt werden.

Eckardt: Mein Name ist Frank E. und ich bin 56 Jahre alt. Nach einer radikalen Prostatektomie im November 2016 stieg der PSA-Wert von fast null nach der OP bis September 2017 auf 0,3. Nach Aussage meines Urologen kann man aber erst ab einem Wert von 1,0 bis 1,5 weiter therapieren. Kann man bis dahin wirklich nichts unternehmen?

Hermann: Ich sehe das anders: Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn ist wichtig, damit eine Bestrahlung noch eine gute Wirkung entfalten kann. Aufgrund Ihres Lebensalters sollten Sie sich unbedingt bei einem Strahlentherapeuten in Ihrer Nähe zur Beratung vorstellen.

Unbekannt: Handelt es sich bei der Strahlentherapie um IMRT oder die sogenannte 3D-Bestrahlung? Bei mir wurde IMRT von meiner Privatversicherung (Landeskrankenhilfe VVaG.) nur zu circa einem Drittel bezahlt. So bleibt ein Privatversicherter auf bis zu 12.000 Euro hängen. Das hat bei mir zum Vertrauensbruch sowohl zum Strahlentherapeuten (Rechnung überhöht) als auch zur PKV (Nichtzahlung der Abrechnung in voller Höhe gemäß Empfehlung der BuÄK - GOÄ 5855- geführt). Keiner hat mich vorher darauf aufmerksam gemacht.

Hermann: Die Strahlentherapie wird heutzutage in IMRT-Technik durchgeführt. Dieses wird auch in der aktuellen S3-Leitlinie gefordert. Leider sieht die Landeskrankenhilfe als einzige Versicherung in ganz Deutschland dieses nicht ein. Für uns Strahlentherapeuten kommt das einer Körperverletzung nahe (wir sollen zur Verwendung schlechterer technischer Möglichkeiten gezwungen werden).

Unbekannt: Habe nach einer Bestrahlung eine massive Strahlenzystitis. Gibt es Fachärzte, die sich damit auskennen? Habe bisher keinen gefunden!

Hermann: Bitte unbedingt wieder bei dem Strahlentherapeuten vorstellen, der Sie behandelt hat. Zusätzlich urologischen Rat einholen.

Elefant: Wie sollte sich der PSA-Wert nach einer Strahlentherapie entwickeln?

Hermann: Er sollte langsam abfallen, dabei kann er sich bis zu drei Jahre nach Abschluss der Bestrahlung weiter verringern. Einen Zielwert, der erreicht werden soll, gibt es nicht. Erst wenn der Wert 2 ng/ml über dem niedrigsten nach der Bestrahlung erreichten Wert liegt, muss von einem Rückfall ausgegangen werden.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 26.09.2017 | 20:15 Uhr

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