Sendedatum: 02.04.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Welche Rolle spielt Salz bei Bluthochdruck?

Salz ist lebenswichtig für jeden Organismus und macht Lebensmittel schmackhaft - aber es hat auch Nebenwirkungen: Zu viel Salz treibt den Blutdruck in die Höhe und steigert damit genau wie zu hohes Cholesterin, Rauchen, Diabetes und Übergewicht das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.

Im Schnitt nimmt jeder Deutsche zwölf Gramm Salz pro Tag zu sich. Es sollte aber nur halb so viel sein. Denn überschüssiges Salz wird nicht einfach ausgeschieden, sondern in der Haut und in der Muskulatur gespeichert: Zudem schädigt ein erhöhter Salzgehalt des Blutes die sogenannten Endothel-Zellen, die die Blutgefäße von innen auskleiden.

Elastizität der Zellen nimmt ab

Je höher die Salzkonzentration ist, desto mehr Elastizität verlieren diese Zellen, die Gefäße verengen sich, der Blutdruck steigt. Allerdings reagiert nicht jeder Mensch gleichermaßen empfindlich auf eine hohe Salzzufuhr. Dennoch raten Experten grundsätzlich dazu, den Salzkonsum zu reduzieren - auch weil viele Medikamente dann besser wirken.

Schon bei drei Gramm Salz weniger pro Tag sinkt der Blutdruck innerhalb eines Monats um fünf bis sieben Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), bei manchen Patienten sogar noch stärker. Der einfachste Weg, den Salzkonsum zu reduzieren, ist der weitgehende Verzicht auf Fertignahrungsmittel, denn darin versteckt sich das meiste Salz. Wer selbst kocht, verwendet meist deutlich weniger Salz.

Lebenswichtig: Salz im Körper

Salz spielt eine lebenswichtige Rolle im Wasserhaushalt des menschlichen Körpers. Auch das Nervensystem, die Verdauung und die Muskelaktivität sind abhängig vom Salzgehalt des Blutes. Zellen funktionieren nur, wenn in und um sie herum eine ganz bestimmte Salzkonzentration herrscht. Etwa 200 Gramm Salz enthält der Körper eines Erwachsenen. Das meiste Salz nehmen wir als Kochsalz im Essen zu uns. Daneben gibt es noch andere Salzverbindungen wie zum Beispiel Kaliumsalze, die vor allem in Gemüse und Obst enthalten sind.
Der durchschnittliche Salzbedarf beträgt etwa sechs Gramm pro Tag.

Nur 10 bis 15 Prozent unseres Salzkonsums kommen aus dem Salzstreuer. Käse und auch Brot sind oft unterschätzte Salzquellen. Vor allem dunkle Brotsorten enthalten sehr viel Salz. Es hält das Brot feucht und macht es schwer. Wer beim Kochen mit Kräutern statt Kochsalz würzt und überwiegend natriumarme Lebensmittel verwendet, kann viel tun, einem hohen Blutdruck vorzubeugen.

Neben der Salzreduktion können auch eine Gewichtsreduktion und regelmäßiges Ausdauertraining eine Senkung des Blutdrucks bewirken. Fünf Kilo weniger Körpergewicht senkt den Blutdruck um acht bis zwölf mmHg und körperliche Bewegung (fünf Mal 30 Minuten Ausdauertraining pro Woche) bringen mindestens weitere fünf mmHg. Zudem wirken bei salzreduzierter Kost blutdrucksenkende Medikamente besser und zuverlässiger, sodass sich diese Lebensstiländerung gleich doppelt bemerkbar macht.

In der Familie vorbeugen

Und sie hilft auch noch gesunden Familienangehörigen, späteren Krankheiten vorzubeugen: Studien zeigen, dass kleine Kinder, die mit zu viel Salz ernährt werden, später häufiger Bluthochdruck und Folgeerkrankungen entwickeln. Hier lässt sich mit einer bewussten Ernährung viel für die eigene Gesundheit und die der Familie bewegen.

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Joachim Hoyer
Direktor Klinik für Innere Medizin/Nephrologie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg
Baldinerstraße, 35033 Marburg
Tel. (06241) 586 64 81
Fax (06241) 586 63 65
E-Mail: nephro(at)med.uni-marburg.de

Im Beitrag:
Prof. Dr. Hans Oberleithner
Institut für Physiologie II
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Robert-Koch-Straße 27b
48149 Münster

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.04.2013 | 20:15 Uhr

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