Sendedatum: 21.05.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Blitzschlag - gefährliches Naturphänomen

Ein faszinierendes Naturphänomen, ein gewaltiges Schauspiel: Blitze am Himmel. Doch schon ein einzelner Blitzeinschlag bedeutet 30.000 Grad Hitze, 200.000 Ampere Stromstärke in nur 0,02 Sekunden - kaum so lange wie ein Augenzwinkern. Für Menschen bedeutet das allerhöchste Lebensgefahr. Schlägt ein Blitz direkt in einen Menschen ein, endet das fast immer tödlich. Die gewaltige Hitze und die ungeheure Energieübertragung kann kein Körper überleben.

Wird nur ein Teil des Körpers getroffen, steigen die Überlebenschancen. Die möglichen Verletzungen reichen von Verbrennungen über Atemlähmungen und Ganzkörperkrämpfe bis zu Herzrhythmusstörungen. Bleibt nach einem Blitzschlag das Herz stehen, bestehen überdurchschnittlich gute Chancen für eine Reanimation. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen lassen sich in den ersten fünf Minuten erfolgreich wiederbeleben. Deshalb sollte man bei einem leblosen Blitzschlagopfer sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen. Angst vor "Reststrom" ist unbegründet, den gibt es nicht.

Wer einen Blitzeinschlag überlebt, muss ins Krankenhaus und mindestens 24 Stunden lang auf der Intensivstation überwacht werden, da Herzrhythmusstörungen, innere Verbrennungen und schwere neurologische Ausfälle auch noch Tage später auftreten können. EKG, Blutdruck und die Laborwerte werden in dieser Zeit immer wieder überprüft.

Blutgefäße und Nervenbahnen leiten Strom weiter

Das Gefährliche für den Menschen: Beim Blitzeinschlag sucht sich der Strom den einfachsten Weg. Augen und Ohren dienen oft als Eintrittsstellen, Blutgefäße und Nervenbahnen fungieren quasi als elektrische Kabel und leiten den Strom weiter. Durch die extrem kurzen und hohen Ladungen werden oft die Nervenbahnen im Gehirn geschädigt. Nervenfasern können auch langfristig verletzt werden. Die Folgen sind ein beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis, Reizbarkeit und Konzentrationsschwächen. Doch über die Langzeitfolgen für Gehirn, Herz und Nervensystem wissen die Mediziner noch wenig. Nicht selten hinterlässt ein Blitz auch deutlich sichtbare Verbrennungsspuren auf der Haut. Experten warnen, dass die von Blitzen ausgehenden Gefahren nach wie vor unterschätzt werden. So werden noch immer Fußballspiele bei Gewitter nicht abgepfiffen, Trainingseinheiten nicht unterbrochen - obwohl Blitzeinschläge schon zu Todesfällen auf dem Fußballplatz geführt haben.

30-30-Regel beachten

Notfallmediziner verschiedener Länder haben nun eine neue Grundregel erarbeitet, an die sich jeder halten sollte: die 30-30-Regel. Die erste 30: Vergehen zwischen Blitz und Donner nicht mindestens 30 Sekunden, ist das Gewitter weniger als zehn Kilometer entfernt und damit schon gefährlich, da Blitze auch 10 bis 15 Kilometer von der Gewitterfront entfernt einschlagen können. Die zweite 30: Nach dem Gewitter sollte man mindestens 30 Minuten warten, bis man wieder ins Freie geht. Wer keine Chance hat, sich in ein Auto oder Haus zu flüchten, sollte sich hinhocken, um dem Blitz möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, beide Beine zusammen halten und keinesfalls das Handy oder andere elektronische Geräte benutzen. Auch Regenschirme, Bäume (egal welcher Art) und Fahrräder bieten dem Blitz eine gute Angriffsfläche und sollten daher unbedingt gemieden werden.

Interviewpartner:

Prof. Dr. Alexander Staudt
Chefarzt Kardiologie und Angiologie
HELIOS Kliniken Schwerin
Wismarsche Straße 393-397
19049 Schwerin

Dr. Jörg Allrich
Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes
Landeshauptstadt Schwerin Dezernat II - Finanzen
Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst
Graf Yorck Straße 21
19061 Schwerin

Dieses Thema im Programm:

Visite | 21.05.2013 | 20:15 Uhr

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