Sendedatum: 29.01.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Prostatakrebs: Verbesserte Biopsie

Prostatakrebs ist in Deutschland die häufigste Krebsart beim Mann: Pro Jahr erkranken circa 58.000 Männer an einem bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse, etwa 11.600 sterben daran.

Die etwa kastaniengroße Prostata ist an der Spermaproduktion beteiligt und umschließt die Harnröhre zwischen Blase und Schließmuskel. Neben der klassischen Abtastung über den Enddarm gehört heute oft die Bestimmung des sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut zur jährlichen Früherkennungsuntersuchung, die Männern ab dem 45. Lebensjahr empfohlen wird. Übersteigt der PSA-Wert eine altersabhängige Grenze (z.B. 2 ng/ml bei 40-Jährigen, 4 ng/ml bei älteren Patienten), steigt er mehr als 0,75 ng/ml pro Jahr an oder ertastet der Arzt eine auffällige Verhärtung an der Prostata, gibt es nur einen Weg, die Diagnose zu sichern: die Biopsie.

Dazu werden mit einer Punktionsnadel vom Darm aus an zwölf Stellen der Prostata Gewebeproben entnommen und auf Tumorzellen untersucht. Bei PSA-Werten von 4-10 ng/ml finden die Ärzte in 25 Prozent der Fälle einen Krebs, bei deutlich höheren Werten sogar in jedem zweiten Fall. Werden in der ersten Biopsie keine Krebszellen gefunden, muss diese unangenehme und nicht risikolose Prozedur daher oft nach einigen Wochen wiederholt werden, um möglichst sicher zu gehen.

Nun sollen zwei neue Untersuchungsverfahren die Darstellung verbessern und die Trefferquote der Biopsie verdoppeln. Eine gängige Biopsie findet unter Ultraschall-Kontrolle statt. Mit dem Ultraschall kann der Urologe verhärtete, krebsverdächtige Areale in der Prostata finden. Um ein möglichst gutes Bild zu bekommen, schiebt er dazu den Schallkopf über den Darmausgang bis zur Prostata vor. Doch selbst spezialisierten Urologen ist es damit kaum möglich, die oft winzig kleinen Flecken ausfindig zu machen, die möglicherweise zum Tumorgewebe gehören.

Abgleich verschiedener Ultraschallbilder

Hier könnte ein neues computergestütztes Verfahren helfen, bei dem die Bilddaten an ein Rechenzentrum übermittelt und dort mit gespeicherten Ultraschallbildern anderer Patienten verglichen werden. Bei diesem Datenabgleich werden jene Stellen im Bild markiert, die bestätigten Krebsbefunden anderer Patienten gleichen.

Die Markierungen helfen anschließend den Urologen bei der gezielten Probenentnahme unter Ultraschallkontrolle. Erst die feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop zeigt dann, ob es sich tatsächlich um Krebs, eine harmlose Entzündung, eine Verkalkung oder ein verdichtetes Areal einer gutartigen Prostatavergrößerung handelt. Durch die gezielte Punktion verdächtiger Areale werden dafür nicht mehr zwölf Proben benötigt, sondern nur noch sechs.

Höhere Präzision durch MRT-gestützte Biopsie

Eine noch höhere Präzision bietet die MRT-gestützte Biopsie. Dabei werden 3D-Bilder aus der Magnetresonanztomografie zur exakten Planung der Probenentnahme verwendet und mit dem Ultraschallbild überlagert. So kann der Arzt bei der Punktion durch die verschiedenen Schichtaufnahmen der Prostata "gleiten" und seine Nadel exakt an die verdächtigen Stellen manövrieren, um die Gewebeproben gezielt zu entnehmen.

Beide neuen Verfahren müssen ihre Vorzüge gegenüber den Standardmethoden noch in großen wissenschaftlichen Studien über mehrere Jahre nachweisen - bis dahin werden sie nur als Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten werden. Die Kosten von rund 570 Euro für die computergestützte Ultraschallbiopsie (anna C-TRUS-Verfahren) oder 1.200 Euro für die MRT-gestützte Biopsie müssen Patienten selbst bezahlen.

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Markus A. Kuczyk
Ärztl. Direktor Klinik für Urologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 532 36 47
Fax (0511) 532 86 01

Im Beitrag:
Dr. Inga Peters
Urologin
Klinik für Urologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 532 36 47
Fax (0511) 532 86 01

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.01.2013 | 20:15 Uhr

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