Sendedatum: 08.09.2009 20:15 Uhr  | Archiv

Künstliche Befruchtung: Endlich ein Kind!

Im Juli 1978 wurde in England Louise Brown, das weltweit erste Retortenbaby, geboren. Weltweit wird die Zahl der im Reagenzglas gezeugten Menschen mittlerweile auf 3,5 Millionen geschätzt. Es stehen verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung zur Verfügung. In Deutschland wählen viele Paare die In-vitro-Fertilisation (IVF) als Möglichkeit, ein Kind zu bekommen. Bei dieser Methode, auch extrakorporale Befruchtung genannt, findet die Befruchtung der Eizelle mit dem Spermium außerhalb des weiblichen Körpers statt. Dazu wird zunächst die Reifung mehrerer Eizellen in den Eierstöcken der Frau mithilfe von Hormonen stimuliert.

Die reifen Eizellen werden unter Ultraschallkontrolle aus den Eierstöcken entnommen und im Reagenzglas mit aufbereiteten Spermien befruchtet. Nach 24 Stunden in einem 37 Grad warmen Brutschrank wird mit einem Mikroskop kontrolliert, ob Ei- und Samenzellen miteinander verschmolzen sind. Danach werden maximal drei der befruchteten Eizellen, von nun an Embryonen genannt, in die Gebärmutter eingebracht. Zwei Wochen später zeigt ein Bluttest, ob sich mindestens ein Embryo erfolgreich in der Gebärmutter eingenistet hat.

Damit es zur Befruchtung kommt, muss das Spermium die äußere Hülle der Eizelle durchdringen. Manchmal schafft eine Samenzelle dies nicht. Daher wird oft die sogenannte intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) zusätzlich zur IVF angewendet. Mithilfe einer feinen Glasnadel wird ein ausgewähltes Spermium außerhalb des Körpers direkt in eine Eizelle gespritzt. Danach wird die befruchtete Eizelle in den Körper der Frau eingesetzt.

29 Prozent Erfolgsquote

Obwohl die Erfolgsrate einer In-vitro-Fertilisation mittlerweile bei etwa 29 Prozent liegt, gibt es keine Erfolgsgarantie. Etwa zwei Drittel aller Paare beenden die Therapie nach drei Versuchen, ohne ein Kind zu bekommen. Außerdem gehen künstliche Befruchtungen mit einem erhöhten Risiko für Mehrlingsschwangerschaften, Frühgeburten und Fehlbildungen einher.

Seit 2004 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch die Hälfte der Kosten von maximal drei Behandlungen. Die restlichen etwa 1.500 Euro pro Behandlungszyklus tragen die Betroffenen selbst. Im Schnitt sind etwa fünf Versuche für eine erfolgreiche Schwangerschaft notwendig. Neben der finanziellen sind insbesondere die psychische Belastung der ungewollten Kinderlosigkeit sowie die physische Belastung während der Fruchtbarkeitsbehandlung groß. Hoffnungen, wiederkehrende Enttäuschungen bei Fehlversuchen und Ängste vor Fehlbildungen oder Fehlgeburten stellen für die betroffenen Paare nicht selten großen Stress dar. Dafür ist das gemeinsame Glück, wenn es doch funktioniert, überwältigend.

Autoren des Fernsehbeitrags:
Susanne Kluge-Paustian

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.09.2009 | 20:15 Uhr

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