Sendedatum: 12.02.2014 09:20 Uhr  | Archiv

Zungenschrittmacher gegen Atemaussetzer

Er funktioniert ähnlich wie ein Herzschrittmacher, ist nicht größer als eine Streichholzschachtel und soll gefährliche Atemaussetzer in der Nacht verhindern: der Zungenschrittmacher.

Wer schnarcht und dabei vorübergehend keine Luft bekommt, leidet an einer gefährlichen Schlafapnoe. Sie steigert nicht nur das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall immens, sondern verhindert auch einen erholsamen Schlaf. Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwächen sind die Folgen, nicht selten kommt es auch zu dem für Autofahrer lebensgefährlichen Sekundenschlaf. Bei den nächtlichen Atemaussetzern steigen zudem Puls und Blutdruck, eine Notreaktion des Körpers, die das Herzkreislaufsystem stark belastet.

Atemmaske für viele Patienten unbequem

Um den nächtlichen Sauerstoffmangel zu verhindern, gab es bisher nur die Therapie mit einer Atemmaske, die die Atemwege offenhält und permanent mit Druck Luft zuführt. Doch jedem dritten Patienten gelingt es nicht, damit gut zu schlafen, viele brechen diese Therapie schließlich trotz aller Gefahren ab.

Bild vergrößern
Bislang mussten Patienten nachts eine Atemmaske tragen. Doch viele kommen damit nicht zurecht.

Hier könnte der Zungenschrittmacher helfen. Er wird unterhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt, erkennt über einen Sensor am Zwerchfell gefährliche Atempausen und stimuliert dann über eine Elektrode den Zungennerv Hypoglossus. Der aktiviert wiederum die Zungenmuskulatur, die die Zunge nach vorn bewegt und so die Atemwege frei macht.

Mit Schrittmacher Atemaussetzer behandeln

Mit dieser Methode lassen sich die kompletten Atemaussetzer sehr gut behandeln. Der Patient spürt nur ein leichtes Vibrieren in der Zunge, an das er sich schnell gewöhnt und dann steht einem erholsamen Schlaf nichts mehr im Wege. Und das gilt ebenso für die Partner, da der Schrittmacher auch das Schnarchen nahezu verschwinden lässt.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Alexander Blau
Assistenzarzt, Somnologe
und Prof. Dr. rer. physiol. Thomas Penzel
Wissenschaftlicher Leiter
Interdisziplinäres Schlafmedizinisches Zentrum
Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Charité Mitte
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Tel. (030) 450 513 120

Dr. Steffen Dommerich
Leitender Oberarzt
Audiologie / Phoniatrie, Augen- und HNO-Heilkunde
Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Adresse s.o.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 12.02.2014 | 09:20 Uhr