Stand: 26.04.2016 11:45 Uhr

Zucker: Sind die Alternativen gesünder?

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Nicht nur in Süßigkeiten, auch in vielen herzhaften Lebensmitteln ist viel Zucker enthalten.

Unser Körper braucht Zucker, denn er ist ein wichtiger Energielieferant. Doch zu viel Zucker macht krank: Eine Folge kann Diabetes sein - in Deutschland sind fünf Millionen Menschen betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Höchstmenge von neun Kilogramm Zucker im Jahr. Tatsächlich aber konsumiert jeder Erwachsene in Deutschland im Schnitt pro Jahr mehr als 30 Kilogramm Zucker.

Ein Problem ist versteckter Zucker in vielen Fertigprodukten und im Fast Food. Zum Beispiel stecken sechs Stück Würfelzucker in einer Tiefkühl-Salami-Pizza, 39 Stück Würfelzucker in einem sogenannten Fitness-Müsli oder 9 Stück in einer Packung Kartoffelsalat aus dem Kühlregal. Nicht nur in Süßigkeiten, auch in vielen herzhaften Lebensmitteln ist viel Zucker enthalten: Wahre Zuckerbomben sind zum Beispiel Rotkohl aus dem Glas mit 25 Zuckerwürfeln pro 700 Gramm oder ein Früchtejoghurt mit 8 Zuckerwürfeln pro 200 Gramm - sowie 100 Gramm Cornflakes mit 12 Zuckerwürfeln.

Zucker ist ein Ersatz für chemische Bindemittel oder Konservierungsstoffe, oder als Kompensation bei fettarmen Light-Produkten. Denn wenn wenig Fett drin ist, schmeckt das Produkt nicht, deshalb fügen die Hersteller Zucker hinzu. Die Aufschrift "reduzierter Zuckergehalt" bedeutet nur, dass in einem Produkt 30 Prozent weniger Zucker als in vergleichbaren Produkten steckt. Darum sollte man lieber auf absolute Mengenangaben in der Zutatenliste achten. Die Hinweise "nur mit natürlicher Süße", "ohne Zuckerzusatz" oder "100 Prozent Frucht" täuschen nur darüber hinweg, dass die Produkte sehr viel Zucker enthalten.

Fruchtzucker ist nicht gesünder

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Lange glaubten Mediziner, dass Fruchtzucker gesünder ist als normaler Zucker - ein Irrtum.

Ein weiteres Problem: Auch wenn wir darauf achten und uns die Zutatenliste genau anschauen, taucht Zucker oft nicht als normaler Haushaltszucker in der Zutatenliste auf, sondern ist getarnt als Lactose, Maltose, Malzextrakt, Glucosesirup oder Fructose. Und diese süßenden Substanzen sind oft auch billiger, aber keinesfalls gesünder oder kalorienärmer. Dabei glaubten Mediziner lange, gerade Fruchtzucker (Fructose) sei viel gesünder als normaler Zucker. Doch inzwischen weiß man: Das Gegenteil ist der Fall. Die Experten gingen davon aus, dass bei Fructose der Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigt, mussten dann aber feststellen, dass das nicht stimmt und sogar die Gefahr einer Fettleber bei übermäßigem Verzehr von Fructose besteht.

Was passiert im Körper bei einem zu hohen Zuckerkonsum? Essen wir ständig Zucker, steigt auch der Blutzuckerspiegel ständig an. Und das wiederum führt irgendwann zu einer Insulinresistenz: Diabetes entsteht. Als Folgen können Herzinfarkt, Gefäß- Nieren- und Nervenschäden sowie Schlaganfall auftreten.

Forscher suchen deshalb dringend nach Zuckerersatzstoffen, um den Teufelskreis von zu hohem Blutzucker und ständigem Hunger nach Süßem zu durchbrechen. Sie erforschen den Blutzuckeranstieg im Körper von Probanden nach der Einnahme von verschiedenen Zuckern. Ein Studienergebnis wurde gerade veröffentlicht: Der natürliche Zweifachzucker Isomaltulose eignet sich für Diabetiker, denn er lässt ihren Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen.

Zucker-Ersatz: Höchstmengen beachten

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Bei Stevia wird eine leicht gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung vermutet.

Bis Zuckerarten erforscht sind, die nicht so krank machen, müssen wir unseren Zuckerkonsum einschränken oder mit Ersatzprodukten süßen. Statt Fertigprodukte zu kaufen, sollte man beispielsweise Müsli oder Fruchtjoghurt selber machen und zum Süßen alternative Süßungsmittel verwenden. Doch Vorsicht: Für manche Stoffe sind Höchstmengen festgesetzt. So wird für Stevia eine leicht gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung vermutet - darum sollte die Höchstmenge von vier Milligramm pro Kilo Körpergewicht nicht überschritten werden. Der Süßstoff Aspartam ist für Gesunde nicht so schädlich wie früher gedacht. Wer an Stoffwechselkrankheiten leidet, sollte den Arzt fragen. Für die Zuckeraustauschstoffe Xylit und Erythritol ist keine Höchstmenge festgelegt. Agaven-, Birnen- oder Apfeldicksaft sowie Honig enthalten sehr viel Fruchtzucker, darum sollten sie sparsam verwendet werden.

Noch relativ neu im Regal ist Kokosblütenzucker, der aus dem Saft der Kokosblüte gewonnen wird und einen sehr niedrigen Fructoseanteil hat. Er hat auch einen niedrigen glykämischen Index, das bedeutet, er lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Yaconzucker wird aus der Yaconwurzel, die in Peru wächst, hergestellt. Er ist ideal für Diabetiker und Übergewichtige: Er ist zwar weniger süß, hat aber nur halb so viele Kalorien wie Zucker, Honig oder Dicksäfte.

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Interviewpartner

Im Studio:
Dennis Heider
examinierter Diätassistent
HealthCompany Ernährungsberatung
Falkenweg 24
21717 Fredenbeck (bei Stade)
Internet: www.healthcompanystade.de

Im Beitrag:
Prof. Dr. Andreas Pfeiffer
Leiter der Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel. (033200) 880
Fax (033200) 884 44
Internet: www.dife.de
und
Direktor Medizinische Klinik für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin
Charité Universitätsmedizin Berlin - Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30
12203 Berlin
Internet: www.charite.de

Prof. Dr. Matthias Laudes
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologe, Rheumatologe und Diabetologe
Bereichsleitung Ernährungs- und Stoffwechselmedizin
Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
Internet: www.uksh.de/innere1-kiel

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Visite | 26.04.2016 | 20:15 Uhr

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