Stand: 28.04.2015 14:58 Uhr  | Archiv

Wie genau sind Körperfettwaagen?

Bild vergrößern
Viele moderne Waagen zeigen nicht nur Gewicht, sondern auch Fett- und Wasseranteil an. Häufig sind diese Angaben aber sehr ungenau.

Moderne Personenwaagen messen nicht nur das Gewicht, sondern geben auch Wasser- und Fettgehalt im Körper an. Das Prinzip beruht dabei auf der sogenannten bioelektrischen Impedanzanalyse. Dafür durchfließt ein schwacher, nicht spürbarer Strom den Körper. Da unterschiedliche Gewebe den Strom unterschiedlich gut leiten  - Fett leitet den Strom schlechter als Muskelmasse - ergeben sich unterschiedliche Widerstände, die das Gerät erfasst. Aus den Angaben zu Körpergewicht, Größe, Geschlecht und Alter errechnet die Waage anhand eines hinterlegten Algorithmus die Anteile an Muskelmasse, Fett und Wasser im Körper.

Wenn der Körper von der "Sollfigur" abweicht

Stimmen die Körperproportionen allerdings nicht mit der im Algorithmus hinterlegten "Sollfigur" überein, weichen die errechneten Anteile von den tatsächlichen Werten ab. Bei schlanken Menschen wird die Fettmasse im Körper dann unterschätzt, bei Übergewichtigen zeigt die Waage einen eher zu hohen Fettanteil an.

Idealerweise sollte diese Messung in Rückenlage durchgeführt werden, damit tatsächlich der ganze Körper erfasst wird. Kommerzielle Geräte können das nicht. Bei ihnen haben in der Regel nur die Füße Kontakt zu den Messelektroden. Der Strom fließt also nur durch die Beine bis hinauf zur Leistenregion. Das Fett, das sich am Bauch befindet wird daher gar nicht miterfasst. Dabei ist gerade das Wissen über diese Fettmenge am wichtigsten.

Exaktere Angaben liefern Körperfettwaagen, bei denen sich mehrere Elektroden an Füßen und Händen befinden. Dann wird nicht nur das Fett an den Beinen, sondern auch am Oberkörper erfasst. Doch auch hierbei wird der Anteil des Bauchfettes nur unzureichend erfasst. Dabei ist genau dieses sogenannte viszerale Fett, das die inneren Organe umgibt maßgeblich für die Entwicklung von Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck verantwortlich.

Einfache Messung des Bauchumfangs besser

Experten weisen daraufhin, dass eine einfache Messung des Bauchumfanges einen viel größeren Aussagewert über den Anteil diesen Körperfettes liefert als jede Körperanalysewaage. Dabei gelten Werte von unter 80 Zentimetern bei Frauen und unter 94 Zentimeter bei Männern als  empfehlenswert. Bei einem Umfang von über 88 Zentimetern bei Frauen und 102 Zentimetern Männern besteht ein deutlich erhöhtes Schlaganfall und Herzinfarktrisiko.

Experten: Angabe des Wasseranteils für Verbraucher nutzlos

Neben dem Fettanteil können die Körperanalysewaagen auch den Wasseranteil im Körper bestimmen. Allerdings erkennen sie nicht, wo sich das Wasser im Körper befindet. Normalerweise soll es sich in den Zellen befinden. Wasser, das in Form von Ödemen außerhalb der Zellen liegt, wird auch von der Waage erfasst, weist aber auf Erkrankungen von Herz oder Niere hin. Experten warnen daher insbesondere herz- und nierenkranke Menschen davor, auf die Messung solcher Waagen zu vertrauen oder gar die vom Arzt verordnete Medikation eigenständig danach zu steuern. Prinzipiell sind sich die Experten einig, dass die Information der Körperanalysewaagen über den Wasseranteil des Körpers für den Verbraucher nutzlos ist.

Bei der Messung des Muskelanteils am Körpergewicht sind die Waagen recht genau. Im Rahmen von Diäten kann diese Messung helfen, den Umbau des Körpers nachzuvollziehen. So lässt sich erkennen, ob tatsächlich Fett oder nur Muskelmasse abgebaut wird.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 28.04.2015 | 20:15 Uhr