Sendedatum: 16.07.2014 09:20 Uhr  | Archiv

Keine Angst vor einer Darmspiegelung

von Michael Engel
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Hochauflösende Bilder sorgen bei der Darmspiegelung dafür, dass Mediziner krankhafte Veränderungen gut erkennen können.

Die Darmspiegelung gilt in Deutschland bei vielen Menschen immer noch als besonders unangenehme Untersuchung zur Krebsvorsorge. Zu Unrecht, denn sie wird fast immer unter Narkose durchgeführt - der Patient spürt in der Regel nichts. So auch die Erfahrung von Marianne Wilten aus Gehrden bei Hannover: "Ich habe überhaupt nichts davon mitbekommen. Nach der Schlafspritze bin ich vollkommen weggetreten und erst wieder aufgewacht, als alles vorbei war."

"Eine der effektivsten medizinischen Vorsorgemaßnahmen"

Trotzdem entscheiden sich in Deutschland gerade einmal 18 Prozent der über 50-Jährigen für eine Koloskopie, wie die Darmspiegelung auch genannt wird. Dabei ist der Nutzen der Untersuchung unter Medizinern unbestritten: "Die Koloskopie ist nachgewiesenermaßen eine der effektivsten Vorsorgemaßnahmen, die die Medizin kennt", so Prof. Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover. "Vorstadien von bösartigen Tumoren können erkannt und dadurch Leben gerettet werden."

Moderne Geräte erleichtern die Untersuchung

Technisch habe sich in den vergangenen Jahren vieles verbessert, erklärt Dr. Jens Müller-Ziehm, der in seiner gastroenterologischen Schwerpunktpraxis in Hannover mehrere Tausend Untersuchungen im Jahr durchführt: "Wir arbeiten jetzt mit Videoendoskopen, die sind hochauflösend. Wir arbeiten mit Farbe und können damit die Darmschleimhaut viel gezielter und besser untersuchen." Auch Darmpolypen - das sind Vorwölbungen in der Darmschleimhaut - , die früher häufig übersehen wurden, könne man mittlerweile besser erkennen. Die Polypen lassen sich bei der Koloskopie auch gleich entfernen. Die Gefahr für Darmkrebs ist damit gebannt.                                       

Eine weitere Verbesserung: Früher wurde der Dickdarm mit Luft gedehnt, um eine bessere Übersicht mit dem Endoskop zu bekommen. Heute geschieht das vielfach mit Kohlendioxid, einem Gas, das von der Darmwand aufgenommen wird. Blähungen nach der Untersuchung gehören damit der Vergangenheit an.

Komplikationen sind sehr selten

Allerdings kann es vereinzelt zu Komplikationen kommen. Sogar Todesfälle durch Herzversagen bei einer Darmspiegelung wurden bekannt. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung zählte bei einer Auswertung von 3,8 Millionen Vorsorge-Untersuchungen 521 Komplikationen. Das sind 13 Fälle auf 10.000 Untersuchungen. Schwerwiegendere Probleme mit Herz und Kreislauf gab es bei vier von 10.000 Untersuchungen.

Kassen übernehmen Kosten bei Patienten über 55

Je älter der Patient, desto höher das Risiko für Zwischenfälle: "Bei Patienten über 75 Jahren würde man eine reine Vorsorge nicht unbedingt befürworten", so Müller-Ziehm. Generell sollten sich Männer möglichst ab 50 Jahre, auf jeden Fall aber alle Patienten über 55 einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen.  

Die Krankenkassen bezahlen die Darmspiegelung ab dem 55. Lebensjahr. Sie kann im Abstand von zehn Jahren wiederholt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 16.07.2014 | 09:20 Uhr

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