Stand: 15.09.2015 11:57 Uhr

Wenn die Haut bei Kälte juckt

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Juckreiz kann viele Ursachen haben - auch ein Kältereiz kann dahinterstecken.

Die Haut brennt, spannt und juckt - Kratzen macht alles noch viel schlimmer. Die Betroffenen verzweifeln fast, wenn die Haut so verrücktspielt. Hält das länger als sechs Wochen an, sprechen Mediziner von einem "chronischen Juckreiz". Der kann ganz verschiedene Ursachen haben: Entzündungen, Allergien, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes oder Tumore können Juckreiz verursachen. Auch viele ältere Menschen leiden unter chronischem Juckreiz. Bei ihnen ist oft, neben trockener Haut, eine Kombination mehrerer Probleme die Ursache.

Kratzspuren geben wichtige Hinweise

Bei der Suche nach dem Auslöser können die Kratzspuren dem Arzt wertvolle Hinweise geben: Neurodermitiker kratzen sich oft wund, Patienten mit Nesselsucht (Urtikaria) kratzen meist nur mit den Fingerkuppen. Typische Kratzspuren finden sich bei Neurodermitis in den Kniekehlen und Ellenbeugen, bei psychisch bedingtem Juckreiz meist nur an Stellen, die der Betroffene leicht erreichen kann. Jeder Vierte bekommt im Laufe seines Lebens einmal eine Urtikaria. Eine akute Nesselsucht verschwindet meist wieder von allein und lässt sich gut mit Medikamenten behandeln. Doch etwa die Hälfte der Patienten leidet unter der chronischen Form, die ihre Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Der permanente Juckreiz lässt sie nicht schlafen.

Kälte kann aus Auslöser für Juckreiz sein

Hat der Arzt den Verdacht, dass eine Allergie hinter dem Juckreiz steckt, muss er Detektivarbeit leisten und den Patienten genau befragen. Betroffene sollten deshalb genau aufschreiben, wann und wo der Juckreiz auftaucht. Entstehen juckende Quaddeln zum Beispiel bei kühler Luft oder dem Griff in die Kühltruhe, leidet der Betroffene höchstwahrscheinlich an einer Kälte-Urtikaria. Diese schwere Allergie wird häufig unterschätzt. Ausgelöst wird sie, wenn Abwehr-Zellen im Körper verrücktspielen. Es handelt sich dabei um Mastzellen, deren Motor der Botenstoff IgE ist. Bei einem Kältereiz schütten die Mastzellen Histamin aus, die Gefäße weiten sich und werden durchlässig - Schwellungen und Quaddeln entstehen.

Die Ärzte müssen herausfinden, bei welcher Temperatur der Patient allergisch reagiert. Das ist wichtig, damit sich der Betroffene richtig verhält. Springt er zum Beispiel ins Wasser, ohne auf die Temperatur zu achten, kann das zu einem allergischen Schock führen: In den erweiterten Gefäßen versackt das Blut, lebenswichtige Organe werden nicht mehr versorgt, es kann zum Herz-Kreislaufstillstand kommen und der Patient ertrinkt. Bei einer Kälte-Urtikaria ist auch Vorsicht bei kalten Speisen und Getränken angesagt: Sie können zu Schwellungen der Mundschleimhaut und im Rachenbereich führen - Erstickungsgefahr.

Wirkstoff Omalizumab erfolgreich eingesetzt

Berliner Forscher hatten die Idee, den für die Asthmatherapie entwickelten Wirkstoff Omalizumab gegen die Urtikaria einzusetzen. Er stoppt die Kettenreaktion an den Mastzellen, die Quaddeln bilden sich zurück.

Links

Urtikaria-Sprechstunde

Informationen vom Allergie-Centrum-Charité in Berlin. extern

Urticaria Network e.V.

Informationen zu Formen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten extern

Bei der chronischen Urtikaria zeigt das alle vier Wochen gespritzte Medikament Erfolgsquoten von rund 80 Prozent. Da Omalizumab bisher nur für die Asthmatherapie zugelassen ist, kann es derzeit nur im sogenannten Off-Lable-Use in Hautkliniken eingesetzt werden.

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Marcus Maurer, Forschungsdirektor
Stellvertretende Leitung Allergie-Centrum-Charité - Standort Hautklinik
Leiter klinischer Studien
Allergie-Centrum-Charité
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie
Charité Universitätsmedizin Berlin - Campus Mitte
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
Tel. (030) 450 51 80 58
Fax (030) 450 51 89 58
Internet: www.allergie-centrum-charite.de

Im Beitrag;

Dr. Tatevik Ohanyan
Allergologin
Allergie-Centrum-Charité
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie
Charité Universitätsmedizin Berlin - Campus Mitte
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
Tel. (030) 450 51 80 58
Fax (030) 450 51 89 58
Internet: www.allergie-centrum-charite.de

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Visite | 15.09.2015 | 20:15 Uhr