Stand: 12.10.2015 11:06 Uhr  | Archiv

Welche Medikamente helfen gegen Bluthochdruck?

von Calla Katharina Wilhelm, NDR Info

120 zu 80: Das sind Werte, über die sich Ärzte freuen. Dann nämlich ist der Blutdruck in Ordnung. Aber auch höhere Werte sind zunächst kein Grund zur Sorge, denn man sollte immer bedenken, dass eine Blutdruckmessung nur eine Momentaufnahme ist. Treppensteigen kurz vorm Messen kann das Ergebnis zum Beispiel verfälschen.

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Ist der Blutdruck konstant zu hoch, ist die Einnahme eines blutdrucksenkenden Präparats sinnvoll.

Wenn allerdings über mehrere Tage stets überhöhte Blutdruckwerte ab 140 aufwärts registriert werden, sind blutdrucksenkende Medikamente empfohlen. "Im Bereich Bluthochdrucktherapie hat der Arzt wirklich eine ganze Palette von Medikamenten zur Verfügung - mehr als bei vielen anderen Erkrankungen", sagt Prof. Hermann Haller, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover. "Das macht es auf der einen Seite einfacher, den Bluthochdruck zu behandeln und zu kontrollieren. Auf der anderen Seite hat man natürlich die Qual der Wahl. Was setzt man ein? Vor allen Dingen, weil Patienten auf die einzelnen Hochdruckmedikamente sehr unterschiedlich reagieren können."

Welches Medikament für wen?

Soll nur der Blutdruck gesenkt werden, etwa bei jüngeren und ansonsten noch gesunden Patienten, sind Diurethika die richtige Wahl. Sie entwässern den Körper. Mit dem Urin geht Salz verloren, und das mindert den Blutdruck. Je nach Grunderkrankung stehen weitere Präparate zur Verfügung. Menschen mit Herzproblemen und Diabetikern verordnen Ärzte sogenannte ACE-Hemmer. "Wenn bereits Nieren- und Herzschäden vorliegen, was ja bei vielen Patienten der Fall ist, dann helfen ACE-Hemmer nicht nur den Blutdruck zu senken, sondern haben auch spezifische Wirkungen auf die jeweiligen Organe", erklärt Prof. Hermann Haller.

Beta-Blocker haben mehr Nebenwirkungen als andere Präparate

Beta-Blocker wiederum senken die Pumpleistung des Herzens. Vor wenigen Jahren noch waren sie die bevorzugten Präparate gegen Hypertonie, also Bluthochdruck. Das ist heute laut Hermann Haller nicht mehr der Fall: "Wir wissen, dass Beta-Blocker mehr Nebenwirkungen haben als andere Medikamente. Das Spektrum reicht von schlechten Träumen bis hin zu einer Abnahme des Leistungsvermögens. Ein Beta-Blocker ist also für einen jüngeren Hypertoniker, der leistungsfähig im Sport mithalten möchte, nicht das Mittel der ersten Wahl."

Nebenwirkungen können belastend sein

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Medikamente senken zwar den Bluthochdruck, haben aber meist auch Nebenwirkungen.

Nebenwirkungen sind generell ein großes Problem: Entwässernde Präparate belasten viele Patienten, weil sie nun häufiger zur Toilette müssen. Dazu können Nasenbluten, Herzklopfen, Atemnot auftreten. Bei Männern wirkt sich die Weitstellung der Blutgefäße negativ auf die Sexualität aus, so Ina Bartels von der Johannes Apotheke in Hannover. "Es kann zu erektilen Dysfunktionen kommen, Depressionen können auftreten. Beta-Blocker werden übrigens bei Depressionen nicht eingesetzt, bei einer Schuppenflechte auch nicht. Da muss der Arzt die Therapie eventuell verändern."

Zeitpunkt der Einnahme spielt eine Rolle

Verschiedene Präparate in Kombination miteinander können den Blutdruck besser senken - bei gleichzeitig weniger Nebenwirkungen. Auch der Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme spielt eine Rolle: Wassertreibende Diurethika sollten lieber nur morgens eingenommen werden, um zu verhindern, dass der Patient in der Nacht aufstehen muss. "Das", so Ina Bartels, "ist ganz wichtig bei Senioren. Wenn sie einfach so aus dem Schlaf aufstehen, wird ihnen vielleicht schwindelig. Ansonsten gilt: Zu den Mahlzeiten können die allermeisten Präparate eingenommen werden. Ganz oft wird die Medikation auch abends durchgeführt."

Wichtig zu wissen: Medikamente können den Blutdruck zwar senken, heilen können sie ihn in aller Regel aber nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 13.10.2015 | 14:20 Uhr

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