Stand: 10.06.2014 20:15 Uhr

Was hilft beim Karpaltunnelsyndrom?

Beim Karpaltunnelsyndrom ist ein wichtiger Nerv des Handgelenks eingeklemmt. Häufige Symptome sind Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühle im Daumen sowie im Zeige- und Mittelfinger. Vor allem am Daumen können auch bewegungsabhängige Schmerzen auftreten, die sich wie schwache elektrische Schläge anfühlen und bis in den Arm ausstrahlen können. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann es zu einer Atrophie, einem Abbau der Muskulatur des Daumenballens, kommen.

Operation beim Karpaltunnelsyndrom

Ursachen erkennen

Die Ursache der Beschwerden liegt in einer Verengung des Karpaltunnels, einer knöchernen Rinne an der Innenseite des Handgelenks. Dort verläuft der Medianusnerv, der die Hand versorgt. Ausgelöst wird die Verengung zum Beispiel durch

  • manuelle Belastungen, etwa längeres Benutzung von Unterarmgehstützen, ausgedehnte Fahrradtouren
  • hormonelle Veränderungen durch Schwangerschaft und Wechseljahre oder durch Krankheiten wie Diabetes und Schilddrüsenunterfunktion

Diagnose mit Strom und Ultraschall

Zur Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms misst der Arzt die Leitfähigkeit der Nerven und untersucht den Bereich per Ultraschall:

  • Zur Messung der Nervenleitfähigkeit (Elektroneurografie) schickt ein Neurologe über Elektronen schwache Stromimpulse durch den Arm. Ist die Leitfähigkeit gestört, spricht das für ein Karpaltunnelsyndrom. Zeigt die Untersuchung einen normalen Befund, kann selbst eine Operation keine Besserung bringen.
  • Klarheit bringt dann eine zusätzliche hochauflösende Ultraschalluntersuchung des Nervs: Beim Karpaltunnelsyndrom ist der eingeengte Nerv angeschwollen und gut erkennbar.

Andere Auslöser für Beschwerden

Zeigt die Ultraschalluntersuchung keine Einengung und Schwellung des Nervs, müssen die Symptome eine andere Ursache haben. Das kann zum Beispiel eine Autoimmunkrankheit sein, die zu Nervenentzündungen führt. Dagegen hilft das Medikament Lyrica: Es lindert Nervenschmerzen und kann nach Abheilung der Entzündung abgesetzt werden. Auch Gelenkzysten oder verstopfte Arterien können Symptome verursachen, die den Arzt zunächst an ein Karpaltunnelsyndrom denken lassen.

Karpaltunnelsyndrom behandeln

Zu Beginn des Karpaltunnelsyndroms lassen sich die Beschwerden in der Regel konservativ behandeln - mit Vitamin B6, Kortison-Spritzen, manueller Therapie und einer speziell angepassten, nur nachts getragenen Armschiene. Schlägt die Behandlung nicht an, muss operiert werden:

  • Beim klassischen offenen Verfahren durchtrennt der Chirurg das Karpalband am Handgelenk und das einengende Bindegewebe, um den Nerv zu befreien. Der Eingriff dauert 10 bis 15 Minuten. Probleme durch das fehlende Karpalband sind nicht zu erwarten. Im Anschluss an die Operation muss die Hand kurzfristig ruhiggestellt werden.
  • Beim minimalinvasiven Verfahren wird ein Endoskop durch einen kleinen Schnitt am Ende des Unterarms eingeführt und in den Karpaltunnel vorgeschoben. Dort spaltet der Chirurg mit einem ausfahrbaren Messer von unten das Dach des Karpaltunnels.

Risiken der OP-Verfahren

Beide Methoden haben Vor- und Nachteile: Bei der offenen Operation wird die Haut an einer Stelle durchtrennt, an der bei einigen Menschen feine Hautnerven verlaufen. Die Narbe kann dadurch sehr empfindlich sein. Nach einer minimalinvasiven Operation können Erkrankte ihre Hand schneller wieder benutzen, allerdings hat auch dieses Verfahren Risiken: Werden Nerven und Blutgefäße verletzt, kann das zu dauerhaften Schäden und Schmerzen führen.

Wenn die OP erfolglos bleibt

In einigen Fällen bleibt die Operation beim Karpaltunnelsyndrom erfolglos, zum Beispiel wenn der Medianusnerv nicht am Handgelenk, sondern am Ellenbogen oder in der Halswirbelsäule eingeklemmt ist. Eine andere Krankheit, die ähnliche Symptome wie das Karpaltunnelsyndrom hervorruft, ist das Wartenberg-Syndrom. Dabei ist Radialnerv am Unterarm eingeklemmt.

Tipps: Karpaltunnelsyndrom vorbeugen

  • Neutrale Handposition

    Wiederholtes Beugen des Handgelenks fördert das Karpaltunnelsyndrom. Deshalb sollte man auf eine neutrale Handstellung - wie beim Händeschütteln – achten.

  • Gelenkschoner verwenden

    Handgelenkschoner aus der Apotheke helfen, bei der Arbeit oder auch im Schlaf eine neutrale Handposition zu behalten.  Das ist wichtig, weil viele Menschen mit gebeugtem Handgelenk schlafen.

  • Schreibtisch einstellen

    Den Schreibtischstuhl so einstellen, dass beim Sitzen die Unterarme auf einer Linie mit der Tastatur liegen. Hände und Handgelenke sollten dabei eine Linie mit den Unterarmen bilden. Während der Arbeit den Körper nicht dauerhaft zur Seite drehen oder beugen.

  • Pausen machen

    Bei Tätigkeiten wie Schreiben auf einer Tastatur oder Gemüseschneiden sollte man alle 10 bis 15 Minuten eine kurze Pause einlegen, die Handgelenke dehnen und ausschütteln.

  • Monotone Tätigkeiten vermeiden

    Bei der Arbeit nicht zu lange die gleiche Position einnehmen und wenn möglich alle 20 bis 40 Minuten die Tätigkeit wechseln.

  • Kraft sparen

    Wer mit möglichst wenig Kraftaufwand arbeitet, vermeidet eine Überlastung der Handgelenke. Bei der Arbeit auf Werkzeuge in der richtigen Größe achten: Eine zu große oder zu kleine Maus kann die Handgelenke überlasten. Zum Radfahren ergonomische Lenkergriffe mit Ballenauflage montieren!

  • Hände warmhalten

    Bei Arbeiten in einer kalten Umgebung werden die Hände eher steif und schmerzen. Handschuhe tragen.

  • Wassergüsse anwenden

    Für zusätzliche Entspannung sorgen kalte oder lauwarme Wassergüsse, die von den Händen bis zum Unterarm geführt werden.

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Häufige Symptome sind Kribbeln, Taubheit und Schmerzen in Fingern.

Was hilft beim Karpaltunnelsyndrom?

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Das Karpaltunnelsyndrom ist oft die Ursache für Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schmerzen in den Fingern. Doch auch andere Krankheiten können die Symptome hervorrufen.

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Interviewpartner im Studio:
Dr. Karsten Becker, Handchirurg
Peiner Straße 2, 30519 Hannover
Tel. (0511) 98 59 98 10, Fax (0511) 98 59 98 19
Internet: www.handchirurgie-peinerstr.de

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Volker Woiton, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
Neuropraxis Nordstadt
Kopernikusstraße 5, 30167 Hannover
Tel. (0511) 131 65 24, Fax (0511) 123 82 08
Internet: www.hannover-neurologie.de

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