Stand: 13.05.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Was bringen Anti-Faltencremes?

Bild vergrößern
Die Kosmetikindustrie bietet eine schier unüberschaubare Menge an Anti-Faltencremes an.

Jung, straff, glatt - so eine Haut wünscht sich jeder. Doch mit dem Alter machen sich Falten breit. Die Kosmetikindustrie verspricht Abhilfe. Das Produktangebot ist riesig und bietet reichlich Auswahl für fast jedes Alter und jeden Geldbeutel. Auch die beworbene Wirkstoffpalette ist groß. Die wohl bekanntesten Anti-Falten-Wirkstoffe sind Co-Enzym Q10, Vitamin A (Retinol), Vitamin E, C und B sowie Hyaluronsäure und Kollagen.

Rezepturen wohlgehütetes Geheimnis der Hersteller

Dabei sollen Co-Enzym Q10 und die Vitamine vor allem die hautschädigende  Wirkung der freien Radikale hemmen, während Hyaluronsäure und Kollagen vorhandene Falten auffüllen sollen. Doch die genauen Rezepturen und Wirkstoffmengen gehören zu den wohlgehüteten Geheimnissen der Hersteller. Nicht selten werden auf der Packung mess- und sichtbare Ergebnisse versprochen: "Gemilderte Falten in einer Woche" heißt es bei einem Anbieter, "deutlich jüngere Haut nach 28 Tagen" beim nächsten. Andere machen Versprechen für die Zukunft wie "beugt Falten vor".

Versuch mit drei verschiedenen Produkten

Doch wie wirksam sind die Produkte tatsächlich? In einem kleinen Versuch sollen drei Anti-Faltencremes verschiedener Preisklassen mit dem Anti-Aging-Wirkstoff Retinol zeigen, was sie können: eine aus der Drogerie für vier Euro, eine aus der Apotheke (29 Euro) und eine aus der Parfümerie (94 Euro). Alle Cremes sind nach eigener Definition Anti-Faltencremes und versprechen eine straffere Haut. Experten der ästhetischen Abteilung der Universität München überprüften die Wirksamkeit, indem sie die Faltentiefe, die Faltenbreite und vor allem die Hautelastizität vor der Behandlung und nach vierwöchigem Einsatz der Präparate maßen.

Mit digitaler Streifenprojektion wurden dabei in einem genau definierten Winkel hochauflösende Bilder aufgenommen, anhand derer die Experten eine 3-D-Landkarte der Hautoberfläche erstellten und die Daten zu Faltentiefe, Faltenlänge und Faltenvolumen vergleichbar machten. Mit einem anderen Gerät wurde die Elastizität oder Rückstellungsgeschwindigkeit der Haut gemessen. Sie zeigt, ob die Haut straffer geworden ist. Von einem unabhängigen Institut wurden die Daten ausgewertet.

Test über vier Wochen

Welche Marke und Preisklasse hinter der jeweiligen Creme steckte, wussten weder der Arzt noch die Probandinnen. Die cremten sich täglich morgens und abends im Gesicht ein, vier Wochen lang und genau nach Anleitung des Herstellers. Laut Anbieter müsste sich in dieser Zeit ein Erfolg zeigen. Andere Produkte fürs Gesicht verwendeten die Frauen während der Testphase nicht. Da eine Gewichtsveränderung auch Auswirkungen auf die Haut gehabt hätte, wurde das Gewicht vor und nach der Testphase genau kontrolliert. Die Probandinnen gingen nicht ins Solarium und führten ihre Lebensgewohnheiten fort wie bisher.

Verringerung der Faltentiefe festgestellt

Bild vergrößern
Vitamin-A-Säure-Derivate können bei feinen Fältchen leichte Effekte erreichen.

Nach einem Monat wurde Bilanz gezogen: Alle Probandinnen hatten die Cremes gut vertragen. Die Haut wurde erneut vermessen, sogar zur gleichen Uhrzeit, um Schwankungen auszuschließen. Bei der Hautelastizität zeigte sich nach vier Wochen kein Effekt, hier konnte keine der Cremes eine Wirkung erzielen. Anders bei der Faltenminderung: Hier erreichte die günstige Creme aus der Drogerie eine Verringerung der Faltentiefe von 14,3 Prozent. Weniger erfolgreich waren die mittelteure Creme aus der Apotheke (2,4 Prozent) und die Luxus-Creme aus der Parfümerie, die keinerlei Effekt hatte. Der Ergebnisse des kleinen Feldversuchs decken sich mit denen größerer Studien, die gezeigt hatten, dass Vitamin-A-Säure-Derivate bei feinen Fältchen durchaus leichte Effekte erreichen können, für tiefere Falten aber nicht ausreichen.

Tiefe Falten lassen sich nicht einfach wegcremen

Dass Anti-Faltencremes gar nichts bringen, stimmt also nicht. Ein aufpolsternder, glättender Effekt lässt sich mit der einen oder anderen Creme erreichen. Wunder darf man aber nicht erwarten. Tiefe Falten lassen sich nicht einfach wegcremen, entsprechende Versprechen in der Werbung sollten Verbraucher also kritisch hinterfragen. In der Leitlinie "Dermokosmetika gegen Hautalterung" der Gesellschaft für Dermopharmazie heißt es unter anderem: "Zahlreiche Kosmetika mit Anti-Aging-Anspruch versprechen viel, doch unterstützen oft nur wenige wissenschaftliche Daten die ausgelobte Wirkung."

Übrigens: Es muss nicht immer die teure Anti-Faltencreme sein: Es gibt genügend Feuchtigkeitscremes, die die Haut mit der nötigen Feuchtigkeit im täglichen Alltag versorgen. Eincremen ist also durchaus sinnvoll. Wichtig ist, die passende Pflege auszuwählen, denn eine 20-jährige Haut hat andere Bedürfnisse als eine 60-jährige. Mit zunehmendem Alter sollte die Creme in der Regel etwas reichhaltiger werden. Jede Haut ist außerdem anders beschaffen. Auch darauf sollte man achten, denn eine Mischhaut sollte anders gepflegt werden als eine sehr trockene Haut. Ein hoher Sonnenschutz, viel Flüssigkeit und ausreichend Schlaf können Falten nachweislich vorbeugen. Ungünstig sind dagegen Alkohol, Nikotin, Stress und eine schlechte Ernährung. Und: Ein wenig Gelassenheit hilft natürlich auch. Schließlich haben Lachfältchen ja durchaus ihren Charme.

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Melanie Hartmann
Fachärztin für Dermatologie
Poststraße 2
20354 Hamburg
Tel. (040) 328 07 88 30
Fax (040) 530 56 69 10
Internet: www.dermocosmetic-center-hamburg.de

Im Beitrag:

Dr. Gerd Gauglitz
Facharzt für Dermatologie
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Frauenlobstraße 9-11
80337 München
Internet: www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-und-Poliklinik-fuer-Dermatologie-und-Allergologie

Dieses Thema im Programm:

Visite | 13.05.2014 | 20:15 Uhr