Stand: 27.01.2017 17:26 Uhr

Warum verlieren Antibiotika ihre Wirkung?

Antibiotika sind eigentlich Substanzen, die überall in der Natur vorkommen. Gebildet werden sie von winzig kleinen Lebewesen, den sogenannten Mikroorganismen. Dazu zählen etwa Bakterien oder bestimmte Pilzarten. Diese Kleinstlebewesen befinden sich in einem ständigen Kampf um ihren Lebensraum. Als Waffen dienen ihnen dabei Antibiotika. Bakterien und Pilze bilden diese Stoffe, um andere Mikroorganismen zu töten oder sie daran zu hindern, sich zu vermehren.

Die Entdeckung von Penizillin

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Alexander Fleming hat die Wirkung von Antibiotika entdeckt und damit die Medizin revolutioniert.

Ende der 1920er-Jahre entdeckte der schottische Forscher Alexander Fleming diese Waffe zufällig. Er hatte für seine Arbeit Bakterien herangezüchtet. In einer der Kulturen, die er angelegt hatte, war jedoch ein Schimmelpilz geraten. Fleming entdeckte, dass dort, wo sich der Schimmelpilz ausgebreitet hatte, die Bakterien verschwunden waren. Der Forscher experimentierte weiter und fand heraus, dass die Pilze eine Substanz produzieren, die bestimmte Bakterien tötet. Und da die Pilze zur Gattung der Pinselschimmel - auf Latein: Penicillium - gehörten, nannte Flemming den Stoff Penizillin. Im Zweiten Weltkrieg wurden erstmals Menschen damit behandelt.

Bakterien entwickeln Abwehreigenschaften

Die Waffen können allerdings stumpf werden. Denn die betroffenen Bakterien können sich schützen, Abwehreigenschaften gegen Antibiotika entwickeln. Das sind dann die sogenannten Resistenzen. Wenn ein Bakterium solch eine Eigenschaft erworben hat, kann ihm das Medikament nichts mehr anhaben. Andere Erreger sterben. Die resistenten Bakterien können sich dann umso stärker ausbreiten: Sie haben dann weniger Konkurrenten, mit denen sie sich um Platz und Nahrung streiten müssen.

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Bakterien vermehren sich und breiten sich aus. Und sie können Abwehreigenschaften entwickeln: die Resistenzen.

Die resistenten Erreger breiten sich sehr schnell aus. Bakterien vermehren sich, indem sie sich teilen. Sie kopieren oder klonen sich quasi selbst. Viele Bakterienarten verdoppeln sich auf diese Weise etwa alle 20 bis 40 Minuten. Das heißt, aus einem Erreger können innerhalb eines halben Tages mehr als eine Milliarde werden. Hinzu kommt noch eine Besonderheit bei vielen Bakterienarten: Sie können ihre Resistenz-Eigenschaften nicht nur an nachfolgende Generationen weitergeben, sondern auch an andere Bakterien, die sich in der näheren Umgebung befinden.

Warum gibt es so wenig neue Mittel?

Deshalb ist es so wichtig, dass immer wieder neue Antibiotika für die Behandlung zur Verfügung stehen. Doch in den letzten Jahrzehnten kamen fast überhaupt keine mehr auf den Markt. Das hat verschiedene Ursachen. Zwar ist das Reservoir, das in der Natur vorkommt, riesig. Doch viele Antibiotika sind für die Behandlung von Menschen nicht geeignet, weil sie nicht nur Bakterien töten, sondern auch andere Zellen - haben also teils heftige, manchmal sogar tödliche Nebenwirkungen. Außerdem ist es bei vielen Mikroorganismen schwer, sie künstlich im Labor zu züchten und damit für die Herstellung von Medikamenten zu nutzen.

Geringe Verdienstmöglichkeiten

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Neue Antibiotika kommen kaum mehr auf den Markt. Sie sind nicht lukrativ genug.

Ein neues, wirksames und ungiftiges Antibiotikum zu finden und auf den Markt zu bringen, ist also aufwändig und teuer. Viele Unternehmen scheuen diese Investitionen, denn die Gewinnmöglichkeiten sind sehr gering - insbesondere im Vergleich zu anderen Medikamenten beispielsweise gegen Krebs oder Diabetes. Antibiotika werden - wenn es gut läuft - nur wenige Tage lang eingenommen, dann ist der Patient geheilt. Außerdem sollten neue Mittel möglichst zurückhaltend oder gar nicht eingesetzt werden, zunächst nur als Reserve dienen, solange die bisherigen Antibiotika noch wirken.

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