Stand: 21.06.2017 11:27 Uhr

Warum Kindern beim Reisen oft übel wird

von Thomas Samboll, NDR Info
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Beim Autofahren wird vielen Kindern schlecht, weil das Gehirn die Sinneseindrücke nicht richtig einordnen kann.

Viele Eltern kennen das: Kaum sitzt die Familie im Auto und freut sich auf den Urlaub, kommt Alarm von der Rückbank - dem Nachwuchs ist schlecht. Das ist nichts Ungewöhnliches, sagen Mediziner. Gerade jüngere Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren leiden häufig an der sogenannten Kinetose, also der Reisekrankheit. Viele müssen sich dann auch übergeben.

Dass gerade Kindern auf Reisen so schnell schlecht wird, liegt daran, dass ihr Gehirn die verschiedenen Sinneseindrücke noch nicht richtig verarbeiten kann. Die Augen melden etwas Stehendes, Unbewegliches, etwa den Innenraum eines Autos oder Flugzeugs. Ganz andere Infos sendet das Gleichgewichtsorgan im Innenohr: Es nimmt Schwankungen und Erschütterungen wahr, also Bewegung. Damit kommt der Körper nicht klar. Als Schutzreaktion aktiviert er das Brechzentrum im Gehirn. Die Folge: Dem Kind wird übel, so als ob es gerade etwas Schlechtes gegessen hätte. "Mit der Zeit verliert sich das. Aber manche behalten die Empfindlichkeit bis ins Erwachsenenalter", erklärt der Reisemediziner Burkhard Rieke.

Was hilft gegen die Übelkeit?

Um der Übelkeit vorzubeugen, empfehlen Mediziner verschiedene Maßnahmen. Besonders bewährt haben sich Ablenkungsmanöver, die das Kind animieren, möglichst viel nach draußen zu gucken. Dann melden nämlich auch die Augen dem Gehirn Bewegung und der Brechreiz nimmt ab. Auch Kauen vermindert die Symptome, weiß Kinderarzt Ulrich Kunde: "Kaugummi kauen wäre gut oder auch Obst und Gemüse. Außerdem sollten die Kinder in Fahrtrichtung sitzen, nicht lesen und keine elektronischen Geräte benutzen. Es sollte für frische Luft gesorgt sein. Und es sollten keine unangenehmen Gerüche in dem Fahrzeug sein".

Auf den richtigen Platz kommt es an

Wem schnell schlecht wird, der sollte im Auto oder Bus möglichst vorne sitzen. Das gilt auch für Kinder. Dort müssen sie fast zwangsläufig nach draußen gucken. Top-Platz im Flugzeug ist in Höhe der Tragflächen, weil es dort am wenigsten wackelt. Auch Akupressur kann laut Reisemediziner Burkhard Rieke helfen. Der Punkt, der in diesem Fall bearbeitet werden sollte, sitzt am Unterarm etwa drei Finger breit unter der Handgelenksfalte zwischen Elle und Speiche. Dort kann man mit dem Daumen drücken. Es gibt für diesen Zweck auch spezielle Armbänder mit einer Plastik-Halbkugel.

Naturheilmittel oder konventionelle Medikamente?

Naturheilkundler empfehlen homöopathische Mittel wie beispielsweise "Cocculus"-Kügelchen. Die Wirkung solcher Präparate ist aber umstritten. Wer lieber auf pflanzliche Wirkstoffe gegen die Übelkeit setzt, kann es auch mit Ingwer probieren. Außerdem gibt es spezielle Tabletten, Zäpfchen, Kaugummis und Pflaster, die sogenannte Antihistaminika enthalten. Sie lindern den Brechreiz. "Das sogenannte Brechzentrum wird dadurch sozusagen ruhiggestellt. Das hat aber auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit", erklärt Kinderarzt Kunde. Auch Schwindelgefühl, Mundtrockenheit, erhöhter Herzschlag oder vorübergehende Verwirrtheit können auftreten. Eltern sollten deshalb vor der Anwendung solcher Medikamente den Kinderarzt fragen.

Montage aus Erste-Hilfe-Koffer und Radio © fotolia.com Fotograf: frank peters, Artem Shcherbakov

Warum Kindern auf Reisen übel wird

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Eltern kennen das: Bei der Fahrt in den Urlaub - besonders im Auto - wird vielen Kindern schlecht. Kinetose ist der Fachbegriff für die Reiseübelkeit.

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NDR Info | Radio-Visite | 21.06.2017 | 09:20 Uhr

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