Stand: 24.07.2017 18:23 Uhr

Warum Blutspenden so wichtig ist

Bild vergrößern
Immer wieder kommt es an Kliniken zu Engpässen bei Spenderblut.

Blutkonserven sind bei vielen Operationen und Erkrankungen unverzichtbar. Doch dieser lebenswichtige Stoff wird immer knapper, sodass es selbst an großen Kliniken immer wieder zu Engpässen kommt. Vor allem in den Sommermonaten, wenn viele Blutspender in den Urlaub fahren, fehlt es an Nachschub. Dann werden zwar alle Notfälle und dringlich zu behandelnden Patienten mit Blut versorgt, geplante Operationen aber immer wieder verschoben.

Eine Blutkonserve wird verabreicht

Warum Blutspenden so wichtig ist

Visite -

Obwohl Kliniken sparsam mit Blutspenden umgehen, gibt es immer häufiger Engpässe. Dabei sind Blutkonserven bei vielen Operationen und Erkrankungen unverzichtbar.

5 bei 1 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Zu wenige Spender

Derzeit spenden nur drei Prozent der Deutschen regelmäßig Blut. Auf der anderen Seite werden 4,5 Millionen Konserven Jahr für Jahr benötigt. Je älter die Menschen werden, desto höher ist ihr Blutbedarf, denn die Mediziner führen heute immer aufwendigere Behandlungen auch bei älteren Patienten durch. Gleichzeitig ist die Spendenbereitschaft bei jüngeren Menschen gering. Deshalb wird es in Zukunft immer häufiger Engpässe geben, obwohl die Kliniken sehr sparsam mit dem kostbaren Saft umgehen.

Wichtige Fragen zum Thema Blutspenden

Wer kann spenden?
Blut spenden kann jeder, der volljährig und gesund ist. Eine allgemeine Altersbeschränkung gibt es nicht. Das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf etwa hat das maximale Spenderalter auf 75 Jahre festgesetzt.

Wo kann man spenden?
Das Deutsche Rote Kreuz bietet regelmäßig Termine, auch in vielen großen Krankenhäusern und in allen Unikliniken sind Blutspenden möglich.

Welche Vor- und Nachteile hat der Blutspender?
Blutspenden ist nicht schädlich. Ob der Spender davon gesundheitlich profitiert, ist nicht eindeutig erwiesen. Das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf etwa führt neben den vorgeschriebenen Blutuntersuchungen noch weitere durch.

Weitere Fakten zum Thema auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

So werden Blutkonserven genutzt

Vor allem die Blutgruppe "Null Rhesus negativ" ist ebenso knapp wie begehrt, denn nur diese ist im Notfall zur Transfusion geeignet, wenn die Zeit nicht ausreicht, die Blutgruppe des Empfängers zu testen: "Null negativ" vertragen alle Menschen, aber nur sieben Prozent der Bevölkerung haben selbst diese Blutgruppe. So kommt es ganz automatisch zu einer starken Verknappung von diesen Blutkonserven.

Weil es viel zu wenig Spenderblut gibt, werden jeder Tropfen und jeder einzelne Blutbestandteil verwendet. Eine Zentrifuge trennt das Blut in feste und flüssige Bestandteile: rote Blutkörperchen und Blutplasma. Die roten Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrate) bekommen Patienten, die viel Blut verloren haben. Das Blutplasma enthält die Gerinnungsfaktoren und die Eiweißstoffe, die für Patienten mit Gerinnungsstörungen gedacht sind. Daneben wird aus dem Rest von vier Vollblutspenden ein Thrombozytenkonzentrat. Es enthält die für die Gerinnung unverzichtbaren Blutplättchen, die vor allem von Patienten in der Chemotherapie und Tumorpatienten benötigt werden.

Die Suche nach künstlichem Blut

Eine Alternative wäre künstliches Blut, daran wird auch schon seit Jahrzehnten intensiv geforscht. Perfluorcarbon, das erste Kunstblut, sah aus wie Wasser und transportierte Sauerstoff ebenso gut wie Blut. Doch die Substanz hatte zu viele Nebenwirkungen. Auch Versuche, aus Rinder- oder Schweineblut Blutkonserven herzustellen, waren bislang nicht erfolgreich. Französische Forscher suchen das Kunstblut inzwischen im Meer, genauer gesagt im Watt: Der gemeine Wattwurm hat ein Riesen-Hämoglobinmolekül, das im Blut den Sauerstofftransport übernimmt - genauso wie das Hämoglobin des Menschen, nur viel effektiver. Bis Kunstblut tatsächlich im OP verwendet werden kann, wird es aber noch viele Jahre dauern. Deswegen operieren die Ärzte blutarm, gehen sparsam mit Konserven um und werben händeringend um neue Blutspender.

Weitere Informationen

Blutspende - die wichtigsten Fakten

Viele Patienten sind auf eine Bluttransfusion angewiesen. Doch immer weniger Menschen spenden Blut. Dabei ist es so einfach, mit einer Blutspende Leben zu retten. mehr

mit Video

Blutspende gegen Bluthochdruck

Wer Blut spendet, hilft anderen Menschen und nach neuesten Erkenntnissen auch sich selbst. Denn der Aderlass senkt laut einer Studie den Bluthochdruck. mehr

Blutspende: Leben retten leicht gemacht

Viele Patienten sind auf eine Bluttransfusion angewiesen. Doch immer weniger Menschen spenden Blut. Dabei ist es so einfach, mit einer Blutspende Leben zu retten. mehr

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Andreas Greinacher, Leitender Arzt
Abteilung Transfusionsmedizin
Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin
Universitätsmedizin Greifswald
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17489 Greifswald
Internet: www.medizin.uni-greifswald.de/transfus

Dr. Andreas Gibb, Oberarzt, Leitender Notarzt
Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin
Universitätsmedizin Greifswald
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17489 Greifswald
Internet: www.medizin.uni-greifswald.de/intensiv

Weitere Informationen:
Paul-Ehrlich-Institut
Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel
Internet: www.pei.de
Umfangreiche Informationen rund um Blutspende unter dem Stichwort "Blutsicherheit"

Dieses Thema im Programm:

Visite | 25.07.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

04:01

Musical-Tipps aus Hamburg

16.12.2017 18:00 Uhr
Nordtour
28:44

Tipps zum Einkochen, Einwecken, Fermentieren

17.12.2017 16:30 Uhr
Iss besser!
02:42

Vögel richtig füttern

14.12.2017 16:20 Uhr
NDR Fernsehen