Stand: 02.02.2016 14:22 Uhr

Vorhofflimmern - Herz aus dem Takt

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Wer seinen Lebensstil ändert und mit gesunder Ernährung und viel Bewegung sein Körpergewicht deutlich reduziert, kann seine Rhythmusstörung besiegen.

Vorhofflimmern gehört zu der häufigsten Form von Herzrhythmusstörungen. In Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen davon betroffen. Bei manchen Betroffenen tritt es anfallartig auf (Paroxysmales Vorhofflimmern), bei anderen ist es dauerhaft vorhanden, wird aber oft nicht wahrgenommen. Schwächegefühl, Herzrasen, starkes Herzklopfen, Herzschmerzen, Angstgefühl und vor allem Atemnot bei körperlicher Belastung und schnellem Herzschlag gehören zu den typischen Symptomen. Doch das Hauptproblem ist das große Risiko, das mit dem Vorhofflimmern verbunden ist: Es gehört zu den wichtigsten Ursachen eines Schlaganfalls.

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern: Gesunder Lebensstil hilft

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Vorhofflimmern ist die am häufigsten vorkommende Herzrhythmusstörung. Betroffene haben ein stark erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Wie wird behandelt?

Tabletten gegen Rhythmusstörungen und blutverdünnende Medikamente

Flimmert der Vorhof, pumpt er das Blut nicht vollständig in die Kammer. In manchen Bereichen kommt der Blutstrom zum Stillstand, zum Beispiel in einer kleinen Ausbuchtung des linken Vorhofs, dem sogenannten Herzohr. Bildet sich hier ein Gerinnsel, kann es mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült werden und dort einen schweren Schlaganfall auslösen. Deshalb sollten Patienten mit einem Vorhofflimmern nicht nur Tabletten gegen die Rhythmusstörung einnehmen, sondern auch blutverdünnende Medikamente, die die Gerinnselbildung verhindern.

Mit Strom Herz wieder in Takt bringen

Um Vorhofflimmern früh zu erkennen und die Schlaganfallgefahr zu senken, fordern Experten ein regelmäßiges Screening mit Pulsmessen und EKG für alle Menschen ab 70 Jahren. Besonders häufig sind Patienten mit Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Herzklappenfehlern, Herzmuskelschwäche, Schilddrüsenüberfunktion und übermäßigem Alkoholkonsum betroffen - Frauen noch etwas häufiger als Männer. Reichen Medikamente nicht aus, um den Herzrhythmus zu normalisieren, können die Ärzte versuchen, das Herz mit Stromimpulsen wieder in den richtigen Takt zu bringen (Kardioversion).

Mit gesunder Ernährung und Bewegung gegen Vorhofflimmern

Daneben gibt es noch eine weitere, ganz wichtige Therapiestrategie: Wer seinen Lebensstil ändert und mit gesunder Ernährung und viel Bewegung sein Körpergewicht deutlich reduziert, kann in vielen Fällen seine Rhythmusstörung und damit auch das Schlaganfallrisiko besiegen. Aktuelle Studien zeigen, dass jeder zweite Patient sein Vorhofflimmern durch Änderung seines Lebensstils und Verringerung des Körpergewichts lindern oder sogar loswerden könnte. Doch nur jeder zehnte Betroffene nimmt diese Chance auch tatsächlich wahr, schätzen Experten.

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Wenn medikamentöse Therapie und Veränderung des Lebensstils nicht helfen und sich die Anfälle des Vorhofflimmerns häufen oder längere Zeit anhalten, kann eine Katheterablation helfen. Bei der Ablation wird ein spezieller Katheter durch die Leistenvene bis in das Herz geführt. Mithilfe von Hochfrequenzstrom oder durch Kälte (Kryoballon-Ablation) versucht der Kardiologe, Herzmuskelzellen im Übergangsbereich von Lungenvenen und linkem Vorhof zu veröden. Dabei sollen die störenden elektrischen Impulse unterbrochen und das Vorhofflimmern beendet werden. Ob eine Ablation sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden.

Weitere Informationen
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Interviewpartner:

Im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Christian Veltmann
Kardiologe
Klinische Rhythmologie und Elektrophysiologie
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 53 20
Fax (0511) 532 84 75
Internet: www.mh-hannover.de/18994.html

Im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. med. univ. Roland Richard Tilz
Oberarzt, Leiter Rhythmologie
Medizinische Klinik II, Universitäres Herzzentrum
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23562 Lübeck
Tel. (0451) 500 44 77
Fax (040) 500 62 92
Internet: www.innere2-luebeck.uk-sh.de

Prof. Dr. Joachim Schrader
Ärztlicher Direktor und Chefarzt
Zentrum für Bluthochdruck
St. Josefs-Hospital Cloppenburg
Krankenhausstraße 13
49661 Cloppenburg
Internet: www.kk-om.de/st-josefs-hospital-cloppenburg/kompetenzzentren/zentrum-fuer-bluthochdruck.html

Dr. Rainer Grove
Kardiologe
Chefarzt Kardiologie
St. Josefs-Hospital Cloppenburg
Krankenhausstraße 13
49661 Cloppenburg
Internet: www.kk-om.de/st-josefs-hospital-cloppenburg

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