Stand: 13.01.2017 18:10 Uhr

Ursachen und Therapie von Schlafstörungen

Bild vergrößern
Die Folgen einer echten Schlafstörung zeigen sich vor allem tagsüber.

Fast jeder hat schon mal erlebt, nicht ein- oder durchschlafen zu können. Eine echte Schlafstörung zeigt sich neben den häufigen Beschwerden in der Nacht jedoch vor allem tagsüber. Zu den Auswirkungen zählen Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, eingeschränkte Leistungen am Arbeitsplatz, Stimmungsschwankungen sowie Kopfschmerzen, aber auch Magen-Darm-Probleme. Im Vergleich dazu sorgt ein gesunder Schlaf dafür, dass man sich am Tag ausgeruht, frisch und leistungsfähig fühlt.

Schlaflosigkeit meist Ausdruck psychischer Probleme

Schlaflosigkeit hat nur selten körperliche Ursachen. "Schlafstörungen gehören eher in den Psychobereich", erklärt Dr. Rüdiger Holzbach, der die Klinik für Psychiatrie in Arnsberg leitet. Bei manchen Betroffenen treten sie als Begleiterscheinungen von psychischen Störungen wie etwa Depressionen auf. Ein Drittel aller Schlafstörungen habe aber auch schlicht mit aktuellen Lebensproblemen, Stress oder falscher Lebensführung zu tun, so der Psychiater.

Mehr zum Thema
mit Video

Wieso Schlafmittel so gefährlich sind

Um Schlaf zu finden, greifen viele Menschen zu Medikamenten. Ärzte verschreiben sie relativ sorglos. Dabei kann auch eine relativ kurze Einnahmedauer gravierende Folgen haben. mehr

In der Folge sind die Betroffenen angespannt, können auch im Bett nicht abschalten und finden deshalb nicht ausreichend Ruhe, um einzuschlafen. Grundsätzlich sind Frauen häufiger von Ein- und Durchschlafstörungen betroffen als Männer. Und ihre Häufigkeit nimmt zu, je älter ein Mensch ist. Nicht immer handelt es sich dabei um eine echte Schlafstörung. Denn ältere Menschen brauchen meist einfach weniger Schlaf.

Gründliche Diagnose vor Behandlung mit Tabletten nötig

Prinzipiell ist der erste Ansprechpartner immer der Hausarzt. Manche Ärzte sehen jedoch nur das Schlafproblem und verschreiben ihren Patienten einfach Tabletten, ohne nach der Ursache für die Störung zu suchen. Zudem findet häufig keine ausreichende Aufklärung darüber statt, dass Schlafmittel leicht abhängig machen können. Psychiater Rüdiger Holzbach ist überzeugt: "Wir haben da auch im ärztlichen Bereich ein deutliches Wissensdefizit." Für die Diagnose kann es erforderlich sein, Patienten an einen Facharzt wie einen Psychotherapeuten oder zu einem Schlafspezialisten zu überweisen. Anhand einer gründlichen Untersuchung in einem Schlaflabor können Spezialisten herausfinden, ob möglicherweise organische Ursachen vorliegen und wie schwer die Schlafstörung ist.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Schlafstörungen können durchaus akut mit Medikamenten behandelt werden. So eine Therapie der Symptome verhilft den Patienten schnell zu einem besseren und erholsameren Schlaf. Allerdings ist die Behandlung mit Schlafmitteln auf längere Sicht nicht empfehlenswert, weil das Risiko abhängig zu werden, viel zu groß ist und die eigentliche Ursache der Schlaflosigkeit so nicht behandelt wird.

Links

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung (DGSM)

Informationen für Betroffene und Tipps gegen Schlafstörungen. extern

Langfristig erfolgreicher seien in vielen Fällen verhaltenstherapeutische Behandlungen - entweder in Einzelgesprächen oder Patientenseminaren, so der Diplom-Psychologe Dr. Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. "Hier lernen die Patienten viele Techniken kennen, wie sie ihren Schlaf nachhaltig und dauerhaft verbessern können. Schlafmittel werden danach häufig nicht mehr benötigt." Wissenschaftliche Studien zeigten, dass ein nicht unerheblicher Teil der Teilnehmer bis zu vier Jahre nach der Teilnahme am Seminar immer noch einen gesunden und erholsamen Schlaf aufweise.

Mehr zum Thema
mit Video

Sucht auf Rezept

16.01.2017 22:00 Uhr
45 Min

Um schlafen zu können oder leistungsfähiger zu sein, nehmen viele Menschen Medikamente. Bis zu 1,5 Millionen sind sogar abhängig von Schlafmitteln. Die Folgen sind dramatisch. mehr

Schlafstörungen: Gefahr für Herz und Kreislauf

Schlafstörungen erhöhen das Risiko für Übergewicht und schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Was führt zu schlechtem Schlaf? Und was hilft beim Einschlafen? mehr

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 16.01.2017 | 22:00 Uhr

Mehr Ratgeber

43:42

Tipps zum Schutz vor Arthrose

11.12.2017 21:00 Uhr
NDR Fernsehen
04:05

Wann sind Zahnimplantate sinnvoll?

12.12.2017 20:15 Uhr
Visite