Stand: 13.06.2017 10:03 Uhr

Steißbein-Schmerzen vorbeugen und behandeln

Schmerzen am Steißbein, auch Kokzygodynie genannt, sind oft die Folge von Stürzen auf das Gesäß, zum Beispiel durch Sportunfälle. Prellungen oder Brüche verursachen starke Schmerzen insbesondere beim Sitzen, Treppensteigen oder auch beim Stuhlgang und Geschlechtsverkehr. Selbst auf weichem Untergrund können Betroffene häufig nicht schmerzfrei sitzen. Frauen sind fünfmal häufiger von Steißbein-Schmerzen betroffen als Männer.

Illustration Steißbein

Steißbein-Schmerzen vorbeugen und behandeln

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Schmerzen am Steißbein machen den Alltag oft unerträglich. Häufig treten die Beschwerden beim Sitzen oder Treppensteigen auf. Wie kann man sie verhindern und behandeln?

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Proktologe Prof. Christoph Isbert im Interview

Interview: Was hilft bei Steißbein-Schmerzen?

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Schmerzen am Steißbein sind oft heftig und langwierig. Proktologe Prof. Christoph Isbert erklärt die Ursachen und Behandlungsformen.

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Empfindliche Wirbelkörper

Das Steißbein besteht aus drei bis fünf Wirbelkörpern, die häufig zu einem Knochen verschmolzen und von einer sehr dünnen Knochenhaut umhüllt sind. Als unterste Spitze der Wirbelsäule dient das Steißbein als Ansatz für die Muskeln, Sehnen und Bänder des Beckens, des Beckenbodens und der Hüfte.

Therapeuten finden

Viele Patienten mit Schmerzen im Sitzbereich suchen lange vergeblich nach Hilfe. Es ist nicht einfach, den richtigen Facharzt und damit eine hilfreiche Therapie zu finden. Nicht immer ist das Steißbein selbst die Ursache und viele Ärzte tun sich sehr schwer, eine genaue Diagnose zu stellen. Die meisten Betroffenen wenden sich zunächst an einen Orthopäden. Doch häufig liegt die Ursache der Schmerzen gar nicht im Steißbein selbst, sondern zum Beispiel in einem Analabszess oder einer Endometriose. Dann wäre der Proktologe beziehungsweise der Gynäkologe der richtige Ansprechpartner.

Wichtige Untersuchungen

Mit Aufnahmen per Röntgen, CT oder MRT lässt sich das Problem nicht ausreichend eingrenzen. Grundvoraussetzung für eine solide Diagnostik ist immer eine ausführliche körperliche Untersuchung. Dazu ist auch eine Untersuchung von innen erforderlich. Über den Enddarm kann der Arzt ertasten, wie beweglich das Steißbein ist, Spannungen im Beckenboden oder Veränderungen der inneren Organe aufspüren.

Ursachen für Schmerzen am Steißbein

  • frühere Stürze oder Geburten
  • Knochenhautentzündung
  • Verspannungen im Beckenboden
  • Nervenreizungen
  • gynäkologische Ursachen, zum Beispiel Endometriose
  • Tumore oder Entzündungen im Anal- oder Mastdarmbereich

Sehr oft gibt es auch mehrere Ursachen, zum Beispiel eine Kombination aus vielen verspannten Muskeln an Steißbein, Hüfte und Becken. Dazu kommt es häufig durch übermäßiges Sitzen, vor allem auf harten, unbeweglichen Stühlen.

Schmerzen am Steißbein behandeln

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei zurückliegenden Verletzungen am Steißbein ist die Therapie oft kompliziert und langwierig, da Belastungen des Alltags die Heilung behindern. Im Vordergrund stehen

  • körperliche Schonung
  • Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente
  • Spritzen zur örtlichen Betäubung
  • Physiotherapie, Osteopathie, Chirotherapie, Akupunktur, Akupressur
  • Wärmeanwendungen und Entspannung, zum Beispiel Fangopackungen und Sitzbäder
  • operative Entfernung des Steißbeins (Kokzygektomie)
  • ergonomisches Sitzkissen

Therapieerfolge sind auch mit der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) möglich. Nach ihrer Lehre lässt sich die Steißbeinregion über den sogenannten Blasenmeridian behandeln. Auf seiner Linie zwischen Knie und Fuß befinden sich Reflexpunkte. Durch das Setzen von Akupunktur-Nadeln an diesen Punkten sollen die Durchblutung in der Steißbeinregion anregt und die Schmerzen gelindert werden. Im Rahmen der sogenannten Tuina-Therapie können zudem mithilfe spezieller Massagetechniken schmerzhafte Blockaden gelockert werden.

Steißbein-Schmerzen vorbeugen

  • Dynamisches Sitzen: ergonomischer Bürostuhl oder Hocker, Stehhilfe, Steißbeinkissen
  • Höhenverstellbare Schreibtische
  • 40-15-5-Regel nutzen: 40 Minuten Arbeit im dynamischen Sitzen, 15 Minuten Arbeit im Stehen, fünf Minuten herumlaufen
  • Integration von mehr Bewegung in den Arbeitsalltag: mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, möglichst viele kleine Wege im Büro gehen (etwa zum Drucker), Spaziergang in der Mittagspause
  • Rumpfmuskulatur stärken durch gymnastische Übungen

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Christoph Isbert, Chefarzt
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und koloproktologische Chirurgie
Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus
Haselkamp 33, 22359 Hamburg
Tel. (040) 644 11-321, Fax (040) 644 11-362
Internet: www.albertinen.de

Interviewpartner im Beitrag:
Heiko Bornemann, Heilpraktiker, Schmerztherapie, Osteopathie, Chiropraktik
Zentrum für Integrative Medizin
Moltkeplatz 2, 23566 Lübeck
Tel. (0451) 79 80 99, Fax (0451) 61 01 635
Internet: www.zfim-bornemann.de

Weitere Informationen:
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund
Internet: www.baua.de
Broschüre "Sitzlust statt Sitzfrust - Sitzen bei der Arbeit und anderswo"

Dieses Thema im Programm:

Visite | 13.06.2017 | 20:15 Uhr

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