Stand: 01.11.2013 07:25 Uhr

Soja, Tofu, Hirse: Ein veganer Selbstversuch

Kein Fleisch, keine Milch, keine Eier, kein Leder - 800.000 Menschen in Deutschland verzichten auf tierische Produkte. Sie sind Veganer. Ihre Gründe für ein veganes Leben sind vielfältig: der Schutz von Tieren, gesunde Ernährung oder Klima- und Umweltschutz. Ich, überzeugte Fleischesserin, Käseliebhaberin und Wollpulli-Trägerin, mache anlässlich des Weltvegantags am 1. November den Selbstversuch: Wie fühlt es sich an, auf alles Tierische zu verzichten? Geht das überhaupt?

Ein Tag ohne tierische Produkte

Mein veganer Tag startet mit der Frage: Was ziehe ich an? Mein Lieblingspulli enthält doch tatsächlich fünf Prozent Alpaka-Wolle! Dann eben ein Baumwoll-Sweatshirt. Dazu passt die hellblaue Jeans. Doch ein kleines Lederetikett versaut mir auch diesen Plan. Geht ja gut los! Die Tagescreme und das Puder sind von einer Biomarke. Aber sind sie auch vegan und ohne Tierversuche hergestellt? Ein kurzer Blick ins Netz lässt mich aufatmen: alles vegan. Sogar die Wimperntusche.

Hirse und Tofu statt Mettwurst und Gouda

Ein veganes Frühstück gibt mein Kühlschrank nicht her - Müsli mit Wasser wäre die einzige Möglichkeit. Also lade ich meinen Freund, der normalerweise morgens gern Salami, Mett und Teewurst isst, zum veganen Frühstück in einem Teehaus in Hamburg-Eppendorf ein. Wir bestellen Dinkel-Pfannkuchen, Hirse mit Vanilleschaum und ein Sandwich mit Räuchertofu. Ein gesundes Frühstück zum Runterkommen. Total lecker, besonders das Sandwich, ist unser Fazit.

Gestärkt radle ich ins Büro. Ist mein Rad eigentlich vegan? Langsam wird das etwas anstrengend. Ich telefoniere mit Hanna Droß. Sie schreibt den Blog "Hamburg is(s)t vegan". Die 25-Jährige sagt: "Komplett vegan sein ist unmöglich." Man könne nicht jedes Mal rausfinden, ob vielleicht Kleber mit Fischmehl im Schreibtischstuhl verwendet wurde. Und mein PC sei bestimmt auch nicht vegan. Ich merke: Konsequent vegan zu leben, geht vielleicht in den eigenen vier Wänden gut. In der Welt da draußen gibt es überall tierische Produkte, gegen die ich nichts ausrichten kann.

Butterträume in der Kantine

Ich halte mich an Dinge, die ich beeinflussen kann: Die NDR Kantine bietet heute zwei vegetarische Gerichte an: Blumenkohl mit Semmelbröseln und Nudeln mit Wok-Gemüse. Aber ist das auch vegan? Nein. In den Bröseln ist Butter, in den Nudeln Ei. Also esse ich Salat mit Sojasauce und trockene Kartoffeln. Traurig sieht das aus. Und glücklich macht es auch nicht. Sehnsüchtig schaue ich auf den buttergetränkten Blumenkohl meiner Kollegin und habe wilde Gedanken an Sauce Hollandaise, schmelzende Butter oder überbackenen Käse.

Außerdem plagt mich die Frage: Wie gesund ist vegan leben eigentlich? Das frage ich Manfred James Müller, Leiter der Ernährungswissenschaften an der Universität in Kiel. "Veganer haben ein geringes Risiko für Herzinfarkt und Darmkrebs", sagt er. Allerdings müssten sie darauf achten, dass sie genügend Vitamin B12, Jod und Calcium zu sich nehmen. Nur während der Schwangerschaft, der Stillzeit und der Kindheit sei eine vegane Ernährung kritisch. Erkenntnis: Veganer müssen nicht nur drauf achten, was sie essen, sie müssen auch wissen, was in ihrem Essen drin ist oder eben fehlt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.11.2013 | 16:40 Uhr

Mehr Ratgeber

03:46
01:11

Rosenpflege im Sommer

26.07.2017 20:05 Uhr
NDR 90,3