Stand: 18.02.2017 17:14 Uhr

Sodbrennen: Säureblocker mit Nebenwirkungen

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Bei Sodbrennen nehmen viele Betroffene sogenannte Säureblocker.

Bei Sodbrennen nehmen viele Menschen Säureblocker für den Magen, sogenannte Protonenpumpenhemmer. Lange Zeit galten die Tabletten als relativ harmlos. Doch inzwischen ist mehr über mögliche Nebenwirkungen bekannt: Menschen, die regelmäßig Protonenpumpenhemmer einnehmen, sind zum Beispiel eher anfällig für Knochenbrüche und Darminfektionen. Außerdem können Säureblocker die Empfindlichkeit des Magens erhöhen, statt ihn zu beruhigen.

Ein Patient hält eine Säureblockerkapsel in der Hand

Sodbrennen: Säureblocker mit Nebenwirkungen

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Gegen Sodbrennen nehmen viele Magensäureblocker. Bisher galten die Protonenpumpenhemmer als harmlos. Doch sie können gefährliche Nebenwirkungen haben.

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Was ist Sodbrennen?

Sodbrennen ist ein unangenehmes und oft auch schmerzhafte Gefühl hinter dem Brustbein. Tritt es immer wieder auf, kann Sodbrennen vor allem bei älteren Patienten zu Blutungen, Verengung oder Vernarbung der Speiseröhre führen und in seltenen Fällen sogar Krebs verursachen.

Unzureichender Verschluss des Mageneingangs

Ursache ist ein unzureichender Verschluss des Mageneingangs. Ist der Schließmuskel erschlafft, fließt der Magensaft immer wieder in die Speiseröhre und verätzt sie. Betroffene sollten leicht erhöht schlafen, damit es nicht zu diesem Rückfluss kommt. Übergewichtige sollten abnehmen, um den Druck auf den Magen zu reduzieren.

Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern

Wegen ihrer guten Wirksamkeit bei Sodbrennen werden häufig Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol verschrieben und eingenommen. Sie wirken jeweils 36 Stunden lang auf die säurebildenden Zellen im Magen und senken den Säurewert. Lange galten Protonenpumpenhemmer als gut verträglich und harmlos. Doch das Senken des Säurewertes kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen:

  • Der Körper nimmt einige Nährstoffe schlechter auf. Durch Kalziummangel steigt das Risiko, Knochenbrüche zu erleiden. Auch ein Mangel an Magnesium und Vitamin B12 kann entstehen. Mögliche Folgen sind Konzentrationsstörungen, Lähmungen und Blutarmut.
  • Werden Bakterien durch Magensäure nicht abgetötet, können sie sich im Darm ansiedeln und Durchfall verursachen.
  • Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass Protonenpumpenhemmer das Herzinfarktrisiko und die Gefahr für Leber- und Nierenschäden erhöhen.
  • Möglicherweise fördern Säureblocker bei älteren Menschen sogar Demenz: Im Rahmen einer Studie erkrankten Senioren, die über längere Zeit Protonenpumpenhemmer einnahmen, mit einer um 44 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit an Demenz als Probanden in der Kontrollgruppe. Ein ursächlicher Zusammenhang lässt sich jedoch nicht belegen.

Wann sind Protonenpumpenhemmer sinnvoll?

Die Anzahl der Protonenpumpenhemmer-Einnahmen hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Experten gehen davon aus, dass jedoch längst nicht alle Menschen, die regelmäßig Säureblocker schlucken, diese auch wirklich benötigen beziehungsweise einen Nutzen davon haben. Magensäureblocker dürfen nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Die Dosierung sollte so gering wie möglich gehalten werden. Treten unklare Magen-Darm-Beschwerden auf, sollte man die Tabletten nach Rücksprache mit dem Arzt wieder absetzen. Sinnvoll sind Protonenpumpenhemmer bei einer Refluxkrankheit, wenn diese bereits zu Veränderungen an der Speiseröhre geführt hat, und für Menschen, die regelmäßig Gerinnungshemmer und Schmerzmittel in Kombination einnehmen, um das Blutungsrisiko in Magen und Darm zu reduzieren.

Tipps gegen gelegentliches Sodbrennen

Wer nur gelegentlich unter Sodbrennen leidet, kann die Beschwerden so reduzieren:

  • Viel trinken, um den Magensaft in der Speiseröhre herunterzuspülen, egal ob mit Milch, Tee oder Wasser. Nur Kohlensäure sollte das Getränk nicht enthalten.
  • Heilerde kann Magensäure binden. Alternativ Haferflocken und Mandeln fein zerkauen und herunterschlucken. Natron hat dagegen als Hausmittel ausgedient: Es kann nicht, wie früher vermutet, Magensäure neutralisieren.
  • Keine schweren Mahlzeiten am Abend, sie beeinträchtigen die Schlafqualität und begünstigen dadurch Sodbrennen. Wer spät gegessen hat, sollte auf der linken Seite schlafen, weil Magensaft dann nicht so leicht in die Speiseröhre fließt.
  • Auf Rauchen und Alkohol möglichst verzichten.

Hilfreich bei Sodbrennen sind regelmäßige Mahlzeiten, wenig Kaffee und Kohlensäure, keine stark gewürzten oder zu fetten Speisen, wenig Süßes, keine Zitrusgetränke, wenig Stress und ausreichend Schlaf.

Operation bei Sodbrennen

Lassen sich die Beschwerden nicht durch Magensäureblocker, Abnehmen und richtige Ernährung lindern, kann eine Operation notwendig sein:

  • Das herkömmliche Verfahren ist die sogenannte Manschetten-OP. Sie wird in aller Regel minimalinvasiv mittels der Schlüssellochtechnik durchgeführt. Das Verfahren ist seit Jahren etabliert. Dennoch ist der Eingriff technisch anspruchsvoll. Der obere Teil des Magens wird dabei wie eine Manschette um den unteren Schließmuskel der Speiseröhre gelegt und vernäht. Die Manschette verstärkt den Schließmuskel und verengt den Eingang in den Magen, sodass der Rückfluss von Magensäure verhindert wird. Die Erfolgsquote der Operation liegt bei etwa 90 Prozent. Etwa zehn Prozent der Betroffenen leiden nach dem Eingriff unter Schluckbeschwerden.

  • In einem neueren Verfahren wird ein Magnetband um den Mageneingang gelegt. Die magnetischen Perlen ziehen sich gegenseitig an und sorgen so für den Verschluss des Mageneinganges. Auch dieser Eingriff wird minimalinvasiv durchgeführt. Obwohl sich das Band beim Schlucken öffnet, kommt es auch hier zunächst oft zu Schluckstörungen. Zudem können die Bänder einwachsen und vernarben. Die Kosten für die Operation werden nur auf Antrag von den Krankenkassen übernommen. In Deutschland tragen bislang etwa 400 Patienten ein solches Magnetband. Ob die Methode eine vergleichbar hohe Erfolgsrate hat wie die klassische Operationstechnik, muss sich erst zeigen.

  • Mit einem Schrittmacher steht ein weiteres Verfahren zur Behandlung von chronischem Sodbrennen zur Verfügung. Dabei werden zwei Elektroden an den Schließmuskel des Mageneingangs angeschlossen. Sie werden mit einem Stimulator verbunden, der unter die Haut der Bauchdecke implantiert wird. Er lässt sich von außen durch die Haut programmieren und sendet dann in regelmäßigen Abständen Impulse an den Schließmuskel. Die schwachen elektrischen Impulse stärken den Schließmuskel und sollen langfristig seine Funktion wiederherstellen. Allerdings kann es bis zu sechs Monate dauern, bis der Muskel richtig auf den Schrittmacher reagiert. Das Schrittmacher-System wurde in den vergangenen Jahren weltweit bislang etwa 1.500 Mal implantiert. Zwar sind die ersten Ergebnisse vielversprechend, aber auch hier fehlen Langzeitergebnisse. Auch die Kosten für diesen Eingriff werden von den Krankenkassen nur auf Antrag übernommen.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Dr. Ulrich Rosien
Leitender Arzt in der Medizinischen Klinik
Leiter der Endoskopie
Israelitisches Krankenhaus in Hamburg
Orchideenstieg 14, 22297 Hamburg
Tel. (040) 511 25-0
Internet: www.ik-h.de

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Thomas Eschenhagen
Direktor Institut für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie
Zentrum für experimentelle Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20146 Hamburg
Internet: www.uke.de

Dr. Henning Harder, Allgemeinmediziner, Hausarzt
Kunaustraße 1, 22393 Hamburg
Tel. (040) 601 07 24

Weitere Informationen:
Gastro-Liga e. V.
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Internet: www.gastro-liga.de

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Visite | 21.02.2017 | 20:15 Uhr

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