Stand: 21.09.2015 14:13 Uhr

So wird das Arteriosklerose-Risiko ermittelt

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Bei einer Arteriosklerose verringert sich die Elastizität der Gefäße durch Ablagerungen.

Arteriosklerose ist die Verkalkung der Schlagadern (Arterien). Auslöser ist zum einen der natürliche Alterungsprozess, bei dem die Blutgefäße ihre Elastizität verlieren. Zum anderen begünstigen Risikofaktoren wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen und Bluthochdruck die Ablagerung von Blutfetten, Bindegewebe und Kalk in den Wänden der Blutgefäße, sodass ihre Steifigkeit zunimmt. Die Folge sind insbesondere Herzinfarkt und Schlaganfall.

Arterienverkalkung bleibt meist lange unerkannt

Besonders häufig tritt Arteriosklerose in Gefäßabschnitten auf, in denen der Blutstrom durch eine Besonderheit wie eine Abzweigung oder Aufspaltung des Gefäßes gestört ist. Dazu gehören unter anderem die Halsschlagadern und auch die Leistenarterien, die sich in die Beinschlagadern verzweigen.

Nach Jahren oder Jahrzehnten ohne Beschwerden macht die Arterienverkalkung oft erst durch schwere Folgeerkrankungen auf sich aufmerksam. Daher arbeiten Wissenschaftler und Ärzte daran, Untersuchungsverfahren zu entwickeln, um Risikopatienten möglichst zuverlässig und frühzeitig erkennen zu können.

Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader

Die Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader ist die Standarduntersuchung in der Diagnostik der Arteriosklerose. Beurteilt wird dabei die Dicke der Wand der Halsschlagader. Liegen hier bereits arteriosklerotische Veränderungen vor, ist davon auszugehen, dass die Gefäßwandveränderungen auch andere Gefäße betreffen. Damit ist das Risiko für sogenannte kardiovaskuläre Komplikationen erhöht, Herz und Gefäße sind also gefährdet. Die Kosten für die Untersuchung werden von der Krankenkasse übernommen.

Pulswellendiagnostik: Krankenkassen tragen Kosten nicht

Eine weitere Methode ist die Pulswellendiagnostik. Das Tasten des Pulses und die Beurteilung der Pulsqualität zählen zu den ältesten medizinischen Untersuchungen überhaupt. Die chinesische Medizin nutzt diese seit Jahrtausenden. Durch die Messung der Pulswellengeschwindigkeit lassen sich zuverlässige Rückschlüsse auf den Zustand der Blutgefäße schließen. Gemessen wird dabei die Geschwindigkeit mit der sich die Pulswelle vom Herzen über die Hauptschlagader bis in die peripheren Blutgefäße ausbreitet. Während die Pulswelle in gesunden Gefäßen langsam mit einer Geschwindigkeit von etwa vier bis fünf Meter pro Sekunde wandert, nimmt die Pulswellengeschwindigkeit mit zunehmender Verkalkung der Gefäßwände zu. Geschwindigkeiten von zehn Metern pro Sekunde gelten dabei als kritisch und gehen mit einem deutlich erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen einher.

Seit einigen Jahren empfehlen die Fachgesellschaften die Messung und Analyse der Pulswellengeschwindigkeit als einen Marker für das kardiovaskuläre Risiko. Dennoch ist die Pulswellenmessung kein flächendeckend etabliertes Untersuchungsverfahren. Die Kosten werden daher auch nicht von den Krankenkassen übernommen.

So wird behandelt

Die Behandlung der Arteriosklerose umfasst zum einen die Therapie der jeweiligen Folgeerkrankung (Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine) sowie die Behandlung der Risikofaktoren, die zur Gefäßverengung beigetragen haben. Ein Diabetes (Zuckerkrankheit), ein Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin) müssen vom betreuenden Arzt gut eingestellt werden. Besonders erfolgreich in der Behandlung von Arteriosklerose sind verschiedene Medikamente. Sie schützen viele Patienten vor einem erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall und tragen dazu bei, dass die Arteriosklerose nicht weiter fortschreitet.

Wie kann man vorbeugen?

Gleichzeitig können Betroffene selbst eine Menge für ihre Adern tun: Positive Auswirkungen haben Sport und Bewegung, eine gesunde Mittelmeerkost, Rauchstopp und die Verringerung des Bauchfettes.

Weitere Informationen

Mediterrane Kost gut gegen Arteriosklerose

Können Verkalkungen medikamentös aufgelöst werden? Was kostet eine Pulswellendiagnostik? Kardiologe Dr. Kai Mortensen hat Fragen im Chat beantwortet - das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Interviewpartner im Studio:

Priv.-Doz. Dr. Kai Mortensen
Chefarzt Innere Medizin II / Kardiologie
HELIOS Klinikum Uelzen
Hagenskamp 34, 29525 Uelzen
Tel. (0581) 83 16 01
Fax: (0581) 83 16 04
E-Mail: innere2.uelzen@helios-kliniken.de

Im Beitrag:
Dr. med. Siegfried Eckert
Facharzt für Kardiologie
Kardiovaskulärer Präventivmediziner DGPR
Leitung Angiologie
stellv. Leitung Herzkatheterlabor
Leitung Blutdrucksprechstunde
Tel. (05731) 97 13 28
Fax: (05731) 97 12 86
E-Mail: seckert@hdz-nrw.de

Prof. Rainer Hambrecht
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Senator Weßling Straße 1
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Tel. (0421) 879 14 30 

Dr. Frank Gerdsen
Facharzt für Angiologie
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Senator Weßling Straße 1
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Visite | 22.09.2015 | 20:15 Uhr