Sendedatum: 17.09.2013 20:15 Uhr

Sehchip lässt Blinde Konturen erkennen

Nach und nach das Augenlicht verlieren, bis die Welt eines Tages im Dunkeln liegt: Für Tausende Menschen in Deutschland ist dieser Albtraum Wirklichkeit geworden - sie leiden an der Erkrankung Retinitis Pigmentosa. Medikamente und Operationen konnten bislang nicht helfen. Nun kann ein mikroelektronischer Chip im Auge ein Stück Lebensqualität zurückbringen.

Dabei übernimmt der eingesetzte Netzhaut-Chip die Funktion der abgestorbenen Sehzellen. Das Implantat selbst besteht aus einer Mikrokontaktfolie, die auf der Netzhaut befestigt wird. Die auf dieser Folie sitzenden Elektroden stimulieren die Netzhaut elektrisch, die Impulse werden aus der Netzhaut über die Sehnervenfasern an die Sehrinde des Gehirns weitergeleitet und erzeugen dort eine Seh-Wahrnehmung.

Spezielle Brille mit integrierter Kamera gibt Daten weiter

Neben dem eigentlichen Netzhautimplantat besteht das System aus einer speziellen Brille mit einer integrierten Kamera und einem Mini-Computer, der zum Beispiel am Gürtel getragen werden kann.

Bild vergrößern
Der Sehchip wird drahtlos mit Daten gefüttert.

Die Kamera nimmt Bilder der Umgebung auf und überträgt sie an den Mini-Computer, der die Daten verarbeitet und die Ergebnisse zurück zur Brille schickt. Über die Brille werden die Signale dann drahtlos an das Implantat übermittelt, das die Nervenzellen der Netzhaut elektrisch stimuliert und so zu Sehwahrnehmungen führt.

Sehschärfe beträgt etwa ein bis drei Prozent

Bisher ist das Sehen noch auf eher schemenhafte Bilder, Licht und Dunkel beschränkt. Die Sehschärfe beträgt etwa ein bis drei Prozent, sodass eine selbstständige Orientierung in unbekannter Umgebung oder gar Lesen nicht möglich sind. Doch für die Betroffenen ist der Schritt aus der absoluten Blindheit ein enormer Fortschritt und die technische Entwicklung steht hier noch ganz am Anfang, sodass künftig deutliche Verbesserungen in der Funktion und eine bessere Sehschärfe zu erwarten sind.

Wegen der hohen Kosten von rund 100.000 Euro pro Patient wird das Verfahren bisher nur in wenigen Kliniken eingesetzt.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Gisbert Richard
Direktor
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Univ.-Prof. Dr. Peter Walter
Direktor
Universitäts-Augenklinik Aachen
Pauwelsstraße 30
52074 Aachen

Prof. Dr. Rudolf Guthoff
Direktor
Universitätsaugenklinik Rostock
Doberaner Straße 140
18057 Rostock
E-Mail: rudolf.guthoff(at)med.uni-rostock.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.09.2013 | 20:15 Uhr