Stand: 29.11.2016 09:35 Uhr

Schulterschmerzen richtig behandeln

Schmerzen in der Schulter sind ein häufiges Leiden, in Deutschland ist etwa jeder Zehnte betroffen. Chronische Schmerzen bis hin zu einer steifen Schulter können die Folge von Entzündungen, Verschleiß oder Verletzungen sein. Bei Beschwerden versuchen Ärzte, die Ursache für Schulterschmerzen mit Bewegungstests und gegebenenfalls bildgebenden Verfahren herauszufinden, um gezielt behandeln zu können. Eine häufige Ursache für Schulterschmerzen ist eine verengte Schulter.

Schmerzen durch enge Schulter

Enge Schulter: Medikamente und Krankengymnastik

Bei einer schmerzhaften Schulterenge (Impingement-Syndrom) ist der Spalt zwischen Oberarmkopf und Schulterdach zu eng. Dadurch drückt der Knochen bei bestimmten Seitwärtsbewegungen des Arms auf eine dort verlaufende Sehne, der Körper reagiert mit einer schmerzhaften Entzündung. Diese wird zunächst mit Medikamenten behandelt: Schmerzmittel und Kortison - entweder in Tablettenform oder zwei- bis drei Mal als Spritze.

Bei der unterstützenden Krankengymnastik geht es darum, den Oberarmkopf wieder zu zentrieren. Das Muskeltraining soll dafür sorgen, dass sich der Gelenkspalt zwischen Oberarmkopf und Schulterdach vergrößert. Erkrankte sollten täglich nach Anleitung ihres Physiotherapeuten trainieren.

Steife Schulter: Körper heilt sich selbst

Video
04:57 min

Interview: Schulterschmerzen behandeln

29.11.2016 20:15 Uhr
Visite

Was hilft gegen Schulterschmerzen? Orthopäde Dr. Ralf Oheim erklärt im Gespräch mit Vera Cordes verschiedene Ursachen und Therapien. Video (04:57 min)

Ein steifes Schultergelenk ("Frozen Shoulder") macht sich durch schleichenden, immer stärker werdenden Schmerz bemerkbar. Ursache ist eine Entzündung der Gelenkschleimhaut mit äußerst schmerzhaften Verklebungen im Gewebe. Vor allem Frauen sind davon betroffen. Die Erkrankung verläuft in drei typischen Phasen, die jeweils etwa sechs Monate dauern: Nach einer sehr schmerzhaften Entzündungsphase folgt die Einfrierphase mit der Einsteifung des Gelenks. Danach kommt es zur Auftauphase, die Selbstheilungskräfte des Körpers sorgen wieder für Beweglichkeit.

Die "Frozen Shoulder" wird mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Tabletten sowie mit Kortisontabletten behandelt. Dadurch lassen sich die Schmerzen lindern, bis die Selbstheilungskräfte des Körpers die Verklebungen im Gewebe lösen - das kann Jahre dauern. Erst in der Auftauphase dürfen Erkrankte mit einer Physiotherapie, in der Regel manuelle Therapie, beginnen.

Kalkschulter: Spritzen und Ruhe

Erkennt der Arzt im Röntgenbild typische Kalkablagerungen, spricht man von einer Kalkschulter. Die Ablagerungen im Bereich der Sehnen drücken auf den Knochen und lösen eine extrem schmerzhafte Entzündung aus. In dieser Entzündungsphase löst der Körper die Kalkablagerungen wieder auf. Mit Kortisonspritzen ins Gelenk und Schmerztabletten lassen sich die Beschwerden lindern. Neben Medikamenten braucht der Körper während der akuten Entzündung vor allem Ruhe.

Lockere Schulter: Gezielte Krankengymnastik hilft

Auch eine lockere Schulter kann die Ursache für Schulterschmerzen sein. Die Bezeichnung kommt daher, dass bei Betroffenen die Bänder und die Kapsel relativ locker in der Schulter sitzen. Dadurch hat das Gelenk viel Platz und die Schulter kann sich in alle Richtungen bewegen. Doch Ungleichgewichte der Muskulatur, zum Beispiel durch übertriebenes Krafttraining, wirken sich bei einer lockeren Schulter besonders stark aus: Die trainierten Muskeln können das Schulterdach nach vorn ziehen, sodass eine Engstelle und eine Entzündung entstehen. Hilfreich ist meist eine Physiotherapie, die gezielt schwache Muskeln aufbaut, ohne die bereits trainierten starken Muskeln noch mehr zu stärken.

Risse in der Rotatorenmanschette

Typisch für Probleme mit der Rotatorenmanschette sind Schmerzen bei Drehbewegungen und Belastung. Viele Betroffene können nicht auf der verletzten Schulter schlafen und den Arm nicht mehr über die Schulter heben. Die Ursache sind meist Risse der Rotatorenmanschette. Diese müssen schnell behandelt werden, damit der Körper die Muskulatur nicht in Fettgewebe umwandelt und Gelenksteife entsteht. Risse der Rotatorenmanschette werden oft erst im Ultraschall oder bei einer Kernspinuntersuchung sichtbar.

Gerissene Rotatorenmanschette behandeln

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Risse:

  • Nach einer Verletzung, vor allem bei jüngeren und sportlich aktiven Erkrankten, sollte geprüft werden, ob die gerissene Rotatorenmanschette operiert werden muss. Dabei wird die ab- oder eingerissene Sehne wieder am Oberarmkopf befestigt.
  • Ist Verschleiß die Ursache, zum Beispiel bei älteren und sportlich nicht aktiven Erkrankten, können Spritzen die Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen. Eine spezielle Krankengymnastik hilft Erkrankten, ihr Gelenk langsam zu trainieren, ohne es zu überlasten.
  • Lässt sich die Schulter nicht mehr reparieren, kann ein künstliches Gelenk die Lösung sein. Nach der Operation ist eine intensive Krankengymnastik erforderlich, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.

Übungen für das Schultergelenk

  • Arme hängen lassen. Schulterblätter gleichzeitig nach hinten und unten ziehen, in dieser Position zehn Sekunden halten. Zehn Mal wiederholen.
  • Ein elastisches Band, zum Beispiel ein Theraband, um eine Türklinke legen. Jedes Bandende mit einer Hand festhalten, die Arme hängen herunter. Die Bandenden langsam neben dem Körper nach hinten ziehen und dabei die Schultern mitbewegen, bis eine Spannung in den Armen spürbar ist. Mindestens drei Mal wiederholen.

Eine Frau greift sich an die Schulter.

Was hilft gegen Schulterschmerzen?

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Für Schmerzen in der Schulter gibt es viele Ursachen, zum Beispiel eine Schulterenge (Impingement-Syndrom). Oft können Medikamente und Übungen die Beschwerden lindern.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
PD Dr. Ralf Oheim, Orthopäde, Unfallchirurg
Oberarzt Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. (0451) 500-411 63, Fax (0451) 500-411 38
Internet: www.uksh.de/ortho-trauma-luebeck

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Rüdiger Ahrens, Chefarzt
Zentrum für Schulterchirurgie, Arthroskopische Chirurgie und Sporttraumatologie
Roland-Klinik gGmbH
Niedersachsendamm 72/74, 28201 Bremen
Tel. (0421) 87 78-372, Fax (0421) 87 78-373                   
Internet: www.roland-klinik.de

Antje-Kathrin Naujoks, Leitende Physiotherapeutin
Roland-Klinik gGmbH
Niedersachsendamm 72/74, 28201 Bremen
Tel. (0421) 87 78-177

Internet: www.roland-klinik.de

Dr. Alf Piepenbrink, Orthopäde                                                                              
Bremer Straße 2, 28816 Stuhr-Brinkum
Tel. (0421) 80 11 80, Fax (0421) 80 90 86 20
Internet: www.praxis-piepenbrink.de

Weitere Informationen:
Online Portal der Schultersprechstunde
Orthopädie, Klinikum Dortmund gGmbH
Internet: www.schulterinfo.de

Informationsportal rund um Schultererkrankungen und Schulterverletzungen
Deutsche Arthrose Hilfe e.V.
Postfach 11 05 51, 60040 Frankfurt
Internet: www.arthrose.de

Arthrose Forum
Informationen von Betroffenen für Betroffene und Angehörige
Internet: www.deutsches-arthrose-forum.de

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