Stand: 09.05.2017 12:54 Uhr

Schlaganfall: Höheres Risiko durch Infekt

Einen Schlaganfall erleiden in Deutschland jedes Jahr rund 200.000 Menschen. Dabei erhalten die Nervenzellen im Gehirn plötzlich zu wenig Sauerstoff und Glukose (Zucker) und gehen zugrunde. Typische Symptome sind neurologische Ausfälle wie einseitige Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen und einseitige Kopfschmerzen. Ein Schlaganfall kann jeden treffen, auch junge Menschen ohne bekannte Risikofaktoren. Auslöser ist dann häufig ein Einriss in der Gefäßwand einer Halsschlagader. Bei Betroffenen, die weder rauchen noch Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen haben, müssen die Ärzte gründlich nach einer anderen möglichen Ursache forschen.

Bei einer Frau wird ein Ultraschall am Hals durchgeführt

Schlaganfall: Höheres Risiko durch Infekt

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Einrisse in einer Halsschlagader können zu einem Schlaganfall führen. Vor allem nach einem grippalen Infekt ist das Risiko erhöht - auch für Menschen unter 50.

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Hämorrhagische oder ischämische Ursache

Unterschieden werden hämorrhagische Hirninfarkte, deren Symptome durch eine Hirnblutung verursacht werden und ischämische, also Schlaganfälle, die durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns verursacht werden. Ischämien sind dabei mit etwa 80 Prozent aller Schlaganfälle die häufigste Form. Fast jeder Vierte stirbt innerhalb des ersten Jahres an den Folgen. Die Überlebenden müssen oft mit belastenden Behinderungen wie Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen kämpfen.

Ursachen für verstopfte Gefäße im Gehirn

Eine Gefäßverstopfung im Gehirn kann verschiedene Ursachen haben:

  • Arteriosklerose, also Kalk- und Fettablagerungen an den Gefäßwänden, führen zunächst zu einer Verengung von Blutgefäßen. Im Verlauf kommt es dort zu lokalen Entzündungsreaktionen. In der Folge kann es dann zu Einrissen in die Gefäßwand und zur Bildung von Blutgerinnseln kommen. Diese können die Gefäße teilweise oder sogar komplett verschließen. Von den Halsgefäßen aus können solche Gerinnsel bis ins Gehirn geschwemmt werden (Embolie).
  • Vorhofflimmern verursacht jedes Jahr mindestens 30.000 Schlaganfälle. Insgesamt bleibt in jedem fünften Fall die Ursache des Schlaganfalls unbekannt. Doch Experten glauben inzwischen, dass auch in diesen Fällen häufig ein Vorhofflimmern zum Schlaganfall geführt hat. Das geht aus Studien hervor, in denen der Herzrhythmus von Patienten nach einem Schlaganfall unbekannter Ursache langfristig überwacht wurde.

Schlaganfall durch Einrisse in der Halsschlagader

Häufigste Ursache für einen Schlaganfall nach einem grippalen Infekt ist eine sogenannte spontane Vertebralisdissektion. Dabei finden Ärzte im Ultraschall einen Einriss (Dissektion) in der Gefäßwand einer der Halsschlagadern. Die sogenannte Vertebralis-Arterie verläuft zwischen den Wirbelkörpern und ist dort hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Sind die Gefäße durch einen Infekt angegriffen, kann schon eine ruckartige Bewegung des Kopfes ausreichen, zum Beispiel ein Schulterblick beim Autofahren, ein Aufschlag beim Tennis oder eine Erschütterung beim Fahrradfahren, damit es zu einer Einblutung in die Gefäßwand dieser Arterie kommt.

Der Bluterguss in der Gefäßwand verengt die Ader, der Blutfluss wird behindert und hinter der Engstelle kann sich ein Blutgerinnsel bilden. Löst sich das Gerinnsel, kann es ins Gehirn geschwemmt werden und dort ein Gefäß verschließen, also einen Schlaganfall auslösen.

Zu den typischen Warnzeichen einer Dissektion gehören einseitige Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen und Ohrgeräusche. Tückisch ist, dass Dissektionen bei Ultraschalluntersuchungen eher als Verdickung der Arterie auffallen und nicht als die Engstelle, die sie tatsächlich darstellen. Wird eine verengende Dissektion gefunden, muss der Betroffene schnell mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt werden, damit sich kein Blutgerinnsel bildet. Die Therapie dauert so lange, bis der Einriss in der Gefäßwand abgeheilt und der Bluterguss verschwunden ist.

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Vorhofflimmern: Erhöhtes Risiko für Schlaganfall

Vorhofflimmern gehört zu der häufigsten Form von Herzrhythmusstörungen. In Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen betroffen. Durch eine ungeordnete Aktivität des Herzmuskels besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel in den Herzvorhöfen bilden. Lösen sich diese, können sie in hirnversorgende Blutgefäße gelangen, diese verschließen und dadurch zu einem Schlaganfall führen.

Bei manchen Betroffenen tritt Vorhofflimmern anfallartig auf (paroxysmales Vorhofflimmern), bei anderen ist es dauerhaft vorhanden. Typische Beschwerden sind Herzrasen und -stolpern, die von Luftnot oder einer Belastungseinschränkung begleitet werden können. Bei einem Großteil der Betroffenen bleibt das Vorhofflimmern jedoch unbemerkt.

Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden ist am größten, wenn das Vorhofflimmern unbemerkt und damit auch unbehandelt bleibt. In diesem Fall erleiden 15 von 100 Betroffenen innerhalb eines Jahres einen Schlaganfall.

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Schlaganfall: Vorhofflimmern oft die Ursache

14.03.2017 20:15 Uhr
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Beim Schlaganfall erhalten Nervenzellen im Gehirn zu wenig Sauerstoff und Glukose. Die Ursache ist häufig eine Herzrhythmusstörung: das Vorhofflimmern. Video (06:02 min)

Überwachung per EKG und Eventrecorder

Nach den aktuellen Leitlinien wird nach jedem Schlaganfall, dessen Ursache sich nicht unmittelbar klären lässt ("kryptogen"), ein Langzeit-EKG durchgeführt, um auch gelegentliches Vorhofflimmern als Auslöser aufzuspüren. Für eine langfristige Überwachung kann Betroffenen ein sogenannter Eventrecorder implantiert werden, der den Herzrhythmus über Monate aufzeichnet. Mit dieser Untersuchung konnte bei sechsmal mehr Betroffenen ein Vorhofflimmern nachgewiesen werden als mit dem herkömmlichen EKG.

Gerinnungshemmer senken Schlaganfall-Risiko

Ist Vorhofflimmern als Auslöser des Schlaganfalls zuverlässig identifiziert, kann das Risiko für einen erneuten Schlaganfall mit Medikamenten gesenkt werden, die die Blutgerinnung hemmen. Da Gerinnungshemmer selbst Blutungen im Gehirn verursachen können, muss das Vorhofflimmern vor Therapiebeginn zweifelsfrei gesichert sein.

Schlaganfall möglichst schnell behandeln

Unabhängig von der Ursache ist jeder Schlaganfall ein Notfall. Nach dem Auftreten von Symptomen wie plötzlichen Sehstörungen, einseitigen Lähmungen oder Sprachstörungen sofort den Notarzt (112) rufen, sonst drohen irreparable Schäden oder der Tod. Nur innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach Auftreten der Symptome lässt sich eine verstopfte Arterie mit einem Medikament wieder öffnen. Nach einem Schlaganfall gehen pro Minute gehen bis zu zwei Millionen Nervenzellen zugrunde - deshalb zählt jede Minute.

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Risiko-Test Schlaganfall

Der Test der Schlaganfall-Hilfe ist für Personen, die 40 Jahre oder älter sind. extern

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Joachim Röther, Chefarzt
Abteilung für Neurologie
Zentrum im neurovaskulären Netzwerk, Neurozentrum
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
Tel. (040) 18 18-81 14 01, Fax (040) 18 18-81 49 06
Internet: www.asklepios.com

Prof. Dr. Eike Sebastian Debus
Direktor der Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin
Universitäres Herzzentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/gefaeßmedizin/

Prof. Dr. Christian Arning, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
Privatpraxis
Hallerstraße 76, 20146 Hamburg
Tel. (040) 413 55 447, Fax (040) 413 56 029
Internet: www.neuro-ultraschall.de

Weitere Informationen:
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Schulstraße 22, 33311 Gütersloh
Tel. (05241) 97 70-0, Fax (05241) 97 70-777
Internet: www.schlaganfall-hilfe.de

Die vier Teilnehmer der Redezeit an einem Tisch

Schlaganfall erkennen und behandeln

NDR Info - Redezeit -

Wie erkennt man einen Schlaganfall? Was ist wichtig in den Stunden danach? In der Redezeit haben Experten Fragen beantwortet. Die Sendung gibt's hier als Videomitschnitt. 

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Visite | 09.05.2017 | 20:15 Uhr

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