Sendedatum: 08.05.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Rückenschmerzen durch Gartenarbeit

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Schon eine ruckartige Bewegung kann ausreichen, untrainierte Muskeln zu überfordern.

Frühlingszeit ist Gartenzeit: Gartenfans drängt es nun raus an die frische Luft, um Beete anzulegen oder Unkraut zu jäten. Doch auch wenn diese Arbeiten viel Spaß machen, können sie ein jähes Ende haben, wenn auf einmal ein stechender Schmerz in den Rücken fährt. Im Frühling sind die orthopädischen Praxen voll von Patienten, die sich bei der Gartenarbeit Rückenleiden zugezogen haben.

Mögliche Ursachen der Beschwerden sind Bandscheibenvorfälle, Verrenkungen der Wirbelgelenke und eine Überlastung der Muskulatur. Schon eine ruckartige Bewegung kann ausreichen, untrainierte Muskeln zu überfordern und zu verhärten. 80 Prozent der Rückenschmerzen sind muskuläre Schmerzen. Sie entstehen, wenn die Rückenmuskulatur aufgrund mangelnder Bewegung im Alltag zu schwach ausgebildet ist.

Kinesio-Tape kann helfen

Wer dann auf einmal richtig im Garten anpackt, überlastet die Muskeln. Helfen können spezielle Handgriffe aus der Chiropraktik. Dabei werden die kleinen Wirbelgelenke wieder eingerenkt und die verhärtete Muskulatur reaktiviert. Ein sogenanntes Kinesio-Tape, das über der schmerzenden Stelle auf die Haut geklebt wird, massiert und stimuliert die Muskulatur bei jeder Bewegung.

Injektionstherapie häufiges Verfahren

Ein verbreitetes Verfahren zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen ist die Periradikuläre Therapie (PRT). Dabei wird eine dünne Injektionsnadel unter computertomografischer Kontrolle nahe an eine Nervenwurzel im Bereich der Wirbelsäule geführt, sodass der Arzt dort gezielt Medikamente einspritzen und so den Schmerz lindern kann. Die PRT-Spritzen werden aber erst eingesetzt, wenn der Schmerz über längere Zeit bestehen bleibt und andere Verfahren wie Schmerztabletten oder -spritzen erfolglos blieben.

Langsam anfangen und Hilfsmittel nutzen

Damit es gar nicht erst soweit kommt, empfehlen Rückenexperten sich vor anstrengenden Tätigkeiten zunächst mit leichter Gartenarbeit aufzuwärmen. Wichtig ist auch angemessene Kleidung, damit man nicht ins Schwitzen kommt und die Muskeln dann vom Wind ausgekühlt werden. Beim Heben schwerer Lasten, zum Beispiel einem Sack Blumenerde, sollte der Oberkörper nicht verdreht, sondern der ganze Körper heruntergebeugt werden.

Hilfsmittel wie ein Rollwagen zum Transportieren, ein Sitzhocker für die Arbeit am Beet oder Spaten mit extra langem Stiel vermeiden schädliche Körperhaltungen und Bewegungen. Schubkarre und Gießkanne sollten nicht zu voll gefüllt werden. Gesünder ist es, einmal mehr zu gehen, als die Belastung zu groß werden zu lassen. Genauso wichtig wie die Arbeit sind übrigens die Pausen - sie verschaffen auch der geplagten Rückenmuskulatur die notwendige Erholung.

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Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Dorothea Vearncombe
Fachärztin für Orthopädie und Chirotherapie
Orthopädie Bahnhof Blankenese
Erik-Blumfeld-Platz 1
22587 Hamburg
Tel. (040) 86 28 77
Fax (040) 86 64 76 67

Priv.-Doz. Dr. Frank Gossé
Leitender Arzt
Department Wirbelsäulenorthopädie, Konservative Orthopädie, Schmerztherapie und Osteoporose
Diakoniekrankenhaus Annastift
Anna-von-Borries-Straße 1-7
30625 Hannover
Tel. (0511) 535 46 01
Fax (0511) 535 43 01

Ulrich Kuhnt
Rückenschule Hannover
Forbacher Straße 14
30559 Hannover
Tel. (0511) 51 35 82
Fax (0511) 51 48 01

Autorin des Fernsehbeitrags:
Marika Gantz

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Visite | 08.05.2012 | 20:15 Uhr