Stand: 20.05.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Rückenschmerzen: Training statt Operation

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Etwa jeder dritte Deutsche leidet an Rückenschmerzen.

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit: Etwa jeder dritte Deutsche leidet daran. Die Beschwerden sind auch der häufigste Grund für Krankschreibungen in Deutschland. In den meisten Fällen sind einseitige Belastungen oder fehlende Bewegung Ursachen der Beschwerden. Ernsthafte Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten oder Verschleißerscheinungen sind nur in etwa 15 Prozent der Fälle für die Beschwerden verantwortlich. Erfreulicherweise klingen bis zu 90 Prozent aller Rückenschmerzen innerhalb von etwa sechs Wochen von alleine wieder ab. Nur in wenigen Fällen entwickelt sich aus akuten Beschwerden ein chronisches Rückenleiden.

Bewegung statt Schonung

Die Behandlung von Rückenschmerzen hat sich in den letzten Jahren sehr stark gewandelt: Während frühere Therapiestrategien eher auf Ruhe und Schonung basierten, setzen moderne Behandlungskonzepte auf multimodal ausgerichtete Konzepte. Dabei werden klassische Schmerzmedikamente, krankengymnastische Behandlungen, Wärmeanwendungen (zum Beispiel Fango), Massagetechniken und Entspannungsverfahren sowie Muskeltraining und psychologische Unterstützung miteinander kombiniert.

Kurzfristige Linderung durch Schmerzmittel

Akute Schmerzen im Rahmen von Bandscheibenvorfällen werden oft nicht mehr operiert sondern mit der periradikulären Therapie (PRT) behandelt. Dabei werden ein Schmerzmittel und das entzündungshemmende Kortison unter Röntgenkontrolle direkt an die schmerzenden Nervenwurzeln gespritzt. So soll der Teufelskreislauf aus Entzündungen, Schmerzen und Schonhaltungen durchbrochen werden. Doch bislang gibt es keinen Beweis dafür, dass die Spritzen tatsächlich helfen. Die Wirkung der Spritze hält nur kurz an, denn behandelt wird nur das Symptom, nicht aber die Ursache.

Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht

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Das Zusammenspiel von Bewegungssensoren, Muskeln, Gelenken und Gehirn werden mit dem Wackelbrett trainiert.

Als eine der effektivsten Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Rückenschmerzen gilt mittlerweile das funktionelle Rückentraining. Statt einzelne Muskeln isoliert zu trainieren, werden dabei ganze Muskelgruppen und komplexe Bewegungsabläufe mithilfe des eigenen Körpergewichtes trainiert. Unter Ausnutzung der Schwerkraft werden vor allem die tiefliegenden, die Wirbelsäule stabilisierenden Muskelgruppen trainiert und ihr Zusammenspiel optimiert. Ziel ist die Wiederherstellung eines ausgewogenen Gleichgewichts zwischen Beweglichkeit und Stabilität.

Dabei wird zum Beispiel auf sogenannten Wackelbrettern das Zusammenspiel von Bewegungssensoren, Muskeln, Gelenken und dem Gehirn trainiert. Durch die instabile Grundlage müssen viele verschiedene Muskeln im Bereich des Rumpfes permanente Korrekturbewegungen durchführen um das Gleichgewicht zu halten. Ziel der Trainings ist es, diese Muskulatur zu kräftigen und ihre Reaktionsgeschwindigkeit zu verbessern.

Betroffene lernen, die Angst vor Bewegung zu verlieren

Die dadurch gewonnen Stabilität sorgt für eine Schmerzlinderung und im besten Fall sogar zu einer Schmerzfreiheit. Wichtig ist daher, dass die Betroffenen die Angst vor der Bewegung verlieren. Denn die beste Therapie bei Rückenschmerzen ist Bewegung: Verspannte Muskulatur wird gelockert und geschwächte Muskulatur wird gekräftigt. Schonung hingegen führt zu einem Kraftverlust, der Fehlhaltungen nach sich zieht und dadurch zu noch größeren Schmerzen führt.

Chat-Protokoll

"Denken Sie auch an die Bauchmuskulatur"

Wie oft sollte man in der Woche trainieren und ist das auch mit künstlichen Hüftgelenken möglich? Orthopäde Dr. Bernd Möhring hat viele Zuschauerfragen im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Dr. Bernd Möhring
Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie
Chefarzt  der Orthopädie/Traumatologie
Rehabilitationszentrums Oldenburg GmbH
Brandenburger Straße 31
26133 Oldenburg
Tel. (0441) 405 28 00
E-Mail: orthopaedie@reha-ol.de
Internet: www.reha-ol.de,

Jörg Heimsoth
Sportlehrer
Ambulantes Rehabilitationszentrums Oldenburg GmbH
Brandenburger Straße 31
26133 Oldenburg
Tel. (0441) 405 28 00
E-Mail: orthopaedie@reha-ol.de
Internet: www.reha-ol.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.05.2014 | 20:15 Uhr

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