Stand: 27.05.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Wie Gelähmte wieder laufen lernen

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Eine Restfunktion der Nerven muss für das Training mit dem Roboter vorhanden sein.

Bis zu 1.000 Schritte in 45 Minuten: Für einen Querschnittsgelähmten ist das eine Sensation. Möglich ist dies mithilfe eines Laufroboters, dem Lokomat. Er hilft dabei, das Gehen wieder zu erlernen.

Bewegungsmuster werden im Rückenmark gespeichert

Und so funktioniert der Roboter: Um die Beine des Patienten werden Führungshilfen geschnallt, in denen Elektromotoren stecken. Diese bewegen die Beine. Dabei blickt der Patient in einen Spiegel - um zu sehen, wie er läuft. Die ständige Wiederholung soll die Bewegung verinnerlichen. Im Rückenmark gibt es motorische Zentren, in denen Bewegungsmuster gespeichert sind. Diese Bewegungsmuster können bei Patienten mit Rückenmarksschädigung durch äußere Reize abgerufen und aktiviert werden. Auch Patienten, die einen Schlaganfall hatten, kann diese Therapie helfen. Ist auch der Arm unbeweglich, kann der Patient mit einem Armtrainer selbst sehr kleine Bewegungen üben.

Mit beiden Geräten machen Patienten erstaunliche Fortschritte auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit. Trotzdem steht die Geräte-Therapie nicht im Heilmittelkatalog der Krankenkassen - ob die Kosten übernommen werden, ist eine Einzelfallentscheidung. Müssen Patienten den Geräteanteil bezahlen, sind das etwa 50 Euro pro Sitzung für den Lokomat.

Restfunktion der Nerven muss vorhanden sein

Eine weitere Hoffnung für Querschnittgelähmte ist ein Geh-Roboteranzug. Im Bochumer Zentrum für Neurorobotales Bewegungstraining soll der "Hybrid AssistiveLimb" Querschnittsgelähmten neue Bewegungsperspektiven eröffnen. Über die Haut werden Restimpulse, die das Gehirn an die Muskeln sendet, abgeleitet und an einen Computer übermittelt. Der verstärkt die Impulse und setzt so die Motoren des Roboteranzugs in Gang. Der Anzug ist gezieltes Bewegungstraining - kein Heilmittel und längst nicht für alle Querschnittgelähmte geeignet. Voraussetzung ist eine Restfunktion der Nerven.

Noch im Test ist der Elektroanzug "ReWalk", mit dem sich Querschnittsgelähmte mit Unterstützung eines Gleichgewichtssensors fortbewegen können sollen. Das künstliche Skelett wird jetzt in Deutschland getestet. Erfunden hat den etwa 100.000 Euro teuren Elektroanzug der israelische Ingenieur Amit Goffer, der seit einem Unfall selbst gelähmt ist.

Interviewpartner im Beitrag:

Stephan Bank
Physiotherapeut
L.E.N.A. Physiopraxis und Neuroreha
Magnitorwall 12
38100 Braunschweig
Tel. (0531) 70 21 49 22
Internet: www.lena-physio.de

PD Dr. Roland Thietje
Chefarzt Querschnittgelähmten-Zentrum
Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus Hamburg
Bergedorfer Straße 10
21033 Hamburg
Internet: www.buk-hamburg.de/21-0-Querschnittgelaehmten-Zentrum.html

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Visite | 27.05.2014 | 20:15 Uhr