Stand: 28.03.2017 11:42 Uhr

Reizdarm: Viele falsche Diagnosen

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Beim Reizdarmsyndrom reagieren die Nerven im Darm überempfindlich auf gewöhnliche Reize.

Beim Reizdarm reagieren die Nervenzellen im Darm überempfindlich auf gewöhnliche Stoffwechselvorgänge und Bewegungen. Mögliche Folgen sind Bauchschmerzen,  Krämpfe, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall. Auch nach vielen Untersuchungen finden sich oft keine organischen Ursachen für die Beschwerden. Doch bei etwa einem Drittel der Betroffenen ist die Diagnose falsch: Hinter dem vermeintlichen Reizdarm stecken dann zum Beispiel Erkrankungen wie Intoleranzen gegenüber Fruktose und Laktose, in seltenen Fällen auch Darmkrebs oder schwere entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn.

Animierte Darmflora.

Reizdarm: Viele falsche Diagnosen

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Die Diagnose Reizdarm ist häufig falsch. Hinter den Beschwerden können auch andere Erkrankungen stecken, etwa Intoleranzen und in seltenen Fällen Krebs oder Morbus Crohn.

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Ursachen für den Reizdarm

Bei einem Reizdarm ist das Nervensystem des Darms gestört. Betroffene spüren ständig, was in ihrem Bauch los ist, denn die empfindlichen Nerven senden pausenlos Signale ins Gehirn. Das hat vor allem zwei Ursachen:

  • In der Darmflora ist die natürliche Mischung von Darmbakterien durcheinandergeraten, zum Beispiel nach einem Magen-Darm-Infekt oder einer Therapie mit Antibiotika. Nach einer Salmonelleninfektion etwa ist das Risiko für ein RDS um das Achtfache erhöht. Nach der EHEC-Epidemie vor einigen Jahren sei bei 25 Prozent der Infizierten ein Reizdarmsyndrom zurückgeblieben, berichten Experten.
  • Die Darmwand ist zu durchlässig, Erreger schlüpfen durch und alarmieren das Immunsystem.

Möglicherweise erhöht ein Gendefekt bei einigen Menschen die Wahrscheinlichkeit, an einem Reizdarm zu erkranken.

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Wie lässt sich ein Reizdarm sicher diagnostizieren? Und was hilft gegen die Beschwerden? Gastroenterologe Professor Peter Layer gibt Tipps. Video (04:07 min)

Chat-Protokoll zum Thema Reizdarm

Bei einem Reizdarm ist das Nervensystem des Darms gestört. Betroffene spüren ständig, was in ihrem Bauch los ist. Prof. Dr. Peter Layer hat Fragen zum Thema im Chat beantwortet. mehr

Neue Leitlinie für die Diagnose

Eine bundesweite Expertengruppe überarbeitet derzeit die Leitlinien für die Diagnose des Reizdarms: Beim ersten Gespräch soll der Arzt sorgfältig nach den Symptomen, der Krankheitsgeschichte und dem Lebensstil fragen. Die Diagnose Reizdarm soll ohne eine Darmspiegelung nicht mehr gestellt werden dürfen. Ärzte sollen ständig wiederkehrende Magen-Darm-Beschwerden ernst nehmen, immer wieder nach den Beschwerden fragen und entsprechende Untersuchungen durchführen - damit ernsthafte Erkrankungen nicht übersehen werden.

Richtige Ernährung kann Symptome lindern

Downloads

Essen und Trinken beim Reizdarmsyndrom

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung informiert. Download (5 MB)

Erst wenn eine Blut- und Ultraschalluntersuchung, eine Darmspiegelung und bei Frauen eine gynäkologische Untersuchung keinen Befund ergeben, handelt es sich tatsächlich um einen Reizdarm. Die Betroffenen müssen lernen, mit den Symptomen zu leben und mögliche Auslöser für die Beschwerden zu vermeiden. In vielen Fällen kann eine Umstellung der Ernährung helfen. Manchmal kommen auch Probiotika, Antibiotika und andere Medikamente zum Einsatz.

Low-FODMAP-Diät: Zuckerstoffe meiden

Bei etwa zwei Drittel der Reizdarm-Geplagten kann eine sogenannte Low-FODMAP-Diät die Beschwerden lindern: Dabei verzichten die Betroffenen auf bestimmte Zuckerstoffe, die fermentierbaren Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole (Zuckeralkohole). Sie stecken in Süßigkeiten, Milchprodukten, aber auch in Kohl, Steinobst und verschiedenen Brotsorten. Im Dünndarm werden die Zuckerstoffe schlecht resorbiert. Daher gelangen sie unverändert in den Dickdarm. Dort werden sie von den Bakterien der Darmflora abgebaut. Bei Reizdarm-Patienten führt das häufig zu Blähungen, Schmerzen und Verdauungsstörungen. Ein Arzt oder Diätassistent sollte die Low-FODMAP-Diät begleiten.

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Reizdarm: Erhöhtes Risiko durch Gendefekt

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Peter Layer, Internist, Gastroenterologe
Ärztlicher Direktor
Israelitisches Krankenhaus Hamburg
Orchideenstieg 14, 22297 Hamburg
Tel. (040) 51 12 50
Internet: www.ik-h.de

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Andreas de Weerth, Chefarzt
Klinik für Innere Medizin
Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg gGmbH
Hohe Weide 17, 20259 Hamburg
Internet: www.d-k-h.de

Weitere Informationen:
Gastro-Liga e.V.
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Internet: www.gastro-liga.de

Dieses Thema im Programm:

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