Stand: 02.01.2017 11:37 Uhr

Reizdarm: Erhöhtes Risiko durch Gendefekt

von Thomas Samboll, NDR Info
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Wer am Reizdarm-Syndrom erkrankt ist, hat oft heftige Schmerzen.

Reizdarm-Patienten sind oft verzweifelt. Die Betroffenen leiden unter Blähungen, Durchfall und Verstopfung im Wechsel oder einzeln sowie krampfartigen Schmerzen im Bauchbereich. Das Reizdarm-Syndrom ist weit verbreitet: Rund 10 Prozent der westlichen Bevölkerung sind davon betroffen, schätzen Mediziner.

Schwierige Diagnose

Tatsächlich könnten noch viel mehr Menschen darunter leiden, denn die Diagnose gestaltet sich schwierig: "Mit unseren herkömmlichen Untersuchungsverfahren wie Darm- oder Magen-Spiegelung, Blut abnehmen oder sonstigen Dingen können wir einfach keine Auffälligkeiten finden", erklärt Dr. Viola Andresen vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. Die Ärztin vergleicht das mit einem liegengebliebenem Auto: "Man macht die Motorhaube auf und man guckt sich das von außen an: Das sieht alles schön aus, aber trotzdem ist irgendetwas da drin, was im Ablauf nicht funktioniert. Und das ist beim Reizdarm-Syndrom letztlich auch so."

Gendefekt als Auslöser

Prof. Hassan Naim von der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist deshalb mit seinen Kollegen quasi bis ins Innerste des Motors vorgestoßen. Der Biochemiker hat das Erbmaterial von Reizdarm-Patienten unter die Lupe genommen. Dabei hat er eine Genveränderung entdeckt, die bei den Betroffenen doppelt so häufig vorkommt wie bei Menschen ohne Reizdarm-Syndrom. Das ist wichtig, weil über dieses Gen etwa die Verdauung von Kohlenhydraten und Zucker im Darm gesteuert wird: "Die Fehlfunktion führt dazu, dass die Kohlenhydrate im Darm verbleiben. Das führt entweder zu Verstopfung oder der Darm transportiert Wasser in den Dünndarm, um diese Kohlenhydrate zu verdünnen, was zu Durchfall führt. Unsere Studie hat gezeigt, dass es sich hier tatsächlich um einen Gendefekt oder um eine Genvariante eines Verdauungsenzyms handelt.“

Für die Diagnose ist das ein Fortschritt. Und für die Reizdarmforschung haben die Hannoveraner Forscher ein weiteres wichtiges Puzzleteil gefunden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, meint Ärztin Viola Andresen: "Es ist nicht so wie beispielsweise bei Mukoviszidose, wo man weiß: Das Gen verursacht immer die Erkrankung. Nur ein Bruchteil der Reizdarm-Patienten wird diese Fehlfunktion als Ursache der Beschwerden haben." Das sieht auch Hassan Naim so: "Natürlich ist das nicht das Ende der Fahnenstange. Wir sind zurzeit dabei, andere Verdauungsenzyme auf genetischer Ebene zu untersuchen."

Enzym-Ersatztherapie und Low-FODMAP-Diät

Reizdarm-Patienten mit Gen-Defekt könnten mit einer sogenannten Enzym-Ersatztherapie behandelt werden, sagt Prof. Naim. Sie nehmen eine spezielle Lösung ein, die den Kohlenhydratabbau im Darm wieder ankurbelt. Betroffene sollten aber auch ihre Ernährung umstellen. Eine Möglichkeit ist die Low-FODMAP-Diät, bei der es um die Reduzierung bestimmter Zuckerarten geht. Diese vier bis acht Wochen dauernde Diät kann vielen anderen Reizdarm-Patienten helfen, betont Viola Andresen.

Grafik: Blitze zucken um den Darm herum. © NDR

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Forscher haben einen Defekt im Erbgut entdeckt, der das Risiko für ein Reizdarm-Syndrom deutlich erhöht. Thomas Samboll informiert darüber.

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