Stand: 04.08.2015 10:16 Uhr

Rhododendron: Quelle für neue Antibiotika?

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Jede einzelne Wildart der Rhododendren produziert ihr eigenes Antibiotikum.

Es gibt rund 600 Wildarten und mehr als 3.000 Züchtungen des Rhododendrons. Während die dekorativen Büsche des Rosenbaums in deutschen Gärten eher als Zierpflanzen bekannt sind, werden Extrakte aus ihren Blättern und Blüten in Indien, der Türkei und Indonesien schon seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin eingesetzt - zur Behandlung von Infektionen und Zahnschmerzen, zur Fiebersenkung und zur Linderung von Unwohlsein.

Rhododendronzweig und drei Untersuchungsschälchen

Rhododendron als Antibiotika-Quelle?

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Er steht in vielen deutschen Gärten und erfreut als Zierpflanze mit üppigen Blüten. Nun rückt der Rhododendron in den Fokus der Wissenschaft - für pflanzliche Antibiotika.

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Eine gründliche wissenschaftliche Analyse der Inhaltsstoffe und ihrer Wirkung gab es aber bisher nicht. Forscher der Jacobs University in Bremen sind nun den Substanzen auf der Spur, mit denen sich der Rhododendron selbst vor Keimen schützt - in der Hoffnung, daraus neue Antibiotika entwickeln zu können, die auch gegen multiresistente Bakterien wirken.

120 Substanzen unter der Lupe

Die Forscher haben bereits rund 600 verschiedene Substanzen aus Blüten und Blättern extrahiert und 120 genauer analysiert. Einige davon töteten im Labor zuverlässig auch Bakterienkulturen ab, denen herkömmliche Antibiotika nichts anhaben konnten.

Die Wissenschaftler prüften diese Substanzen nun an lebenden menschlichen Haut- und Darmzellen auf gefährliche Nebenwirkungen. Denn nur wenn die Wirkstoffe unschädlich für menschliche Zellen sind, sind sie als Grundlage für die Entwicklung neuer Antibiotika geeignet. Dabei erwiesen sich einige der neuen Substanzen als völlig ungefährlich für menschliche Zellen.

Einsatz im Kampf gegen Krebs?

Und bei der Auswertung der Zellkulturen entdeckten die Bremer Forscher noch eine völlig unerwartete Wirkung: Einige Substanzen aus dem Rhododendron griffen auch Krebszellen an und hemmten deren Vermehrung. Drei gegen Bakterien besonders wirksame Substanzen aus dem Rhododendron versuchen die Forscher nun im Labor nachzubauen - als Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente.

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass jede einzelne Wildart der Rhododendren ihr eigenes Antibiotikum produziert. Das Potenzial der Pflanze scheint also noch lange nicht erschöpft.

Weitere Informationen
mit Video

Die Antibiotika-Falle

12.10.2015 22:00 Uhr
45 Min

Mindestens 15.000 Menschen sterben jährlich an Keimen, die resistent gegen Antibiotika sind. Bisher harmlose Keime können gefährlich werden. Wie können wir uns schützen? mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Matthias Ullrich, Mikrobiologe

Prof. Dr. Nikolai Kuhnert, Chemiker

Dr. Klaudia Brix, Zellbiologin
School of Engineering & Science (SES)
Jacobs University Bremen
Campus Ring 6
28759 Bremen
Internet: www.jacobs-university.de

Prof. Dr. Dirk Albach
Leiter der AG Biodiversität und Evolution der Pflanzen
Direktor des Botanischen Gartens
Institut für Biologie und Umweltwissenschaften (IBU)
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Carl von Ossietzky-Straße 9-11
26111 Oldenburg
Internet: www.plant-evol.uni-oldenburg.de

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Visite | 04.08.2014 | 20:15 Uhr