Stand: 08.12.2015 11:57 Uhr

Prostatakrebs: Was bringt der PSA-Wert?

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Mithilfe einer Blutprobe wird der sogenannte PSA-Wert bestimmt.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Männern und dritthäufigste Krebstodesursache in westlichen Industrieländern. Neben der klassischen Abtastung über den Enddarm, die Männern ab dem 45. Lebensjahr als Vorsorge empfohlen wird und die eine Kassenleistung ist, gibt es noch die Möglichkeit der Früherkennung über die Bestimmung des sogenannten Prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut. Die Kosten für diesen sogenannten PSA-Test übernehmen die Krankenkassen nicht. Übersteigt der PSA-Wert längere Zeit eine altersabhängige Grenze oder steigt er um mehr als 0,75 Nanogramm PSA pro Milliliter Blut pro Jahr (ng/ml), kann das auf einen Tumor hinweisen.

Die Abbildung einer Prostata

Wie hilfreich ist der PSA-Test?

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Ein erhöhter PSA-Test kann auf Prostatakrebs hindeuten. Wird ein Karzinom nachgewiesen, bedeutet dies aber nicht zwangsläufig, dass operiert werden muss.

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Doch aus einem erhöhten PSA-Wert lässt sich nicht einfach eine bestimmte Krankheit diagnostizieren. Die Ärzte können daraus nur schließen, dass an der Prostata wahrscheinlich irgendetwas nicht in Ordnung ist. Wenn sich der PSA-Wert aber in kurzer Zeit verdoppelt oder verdreifacht, bei einem Tastbefund oder typischen Symptomen wie Blut im Urin, ist eine Gewebeprobe (Biopsie) dringend angeraten.

Ausgangswert ab 45 bestimmen lassen

Experten betrachten es als sinnvoll, den PSA-Wert ab 45, spätestens 50 Jahren einmal bestimmen zu lassen, um einen Ausgangswert für die weitere Zeit zu haben. Ein erhöhter PSA-Wert kann auch irreführend sein, denn er wird von vielen Dingen beeinflusst: Eine Fahrradfahrt am Tag vor der Messung kann die Prostata so reizen, dass der PSA-Wert ansteigt. Auch wer in der Woche vor dem Test Sex hat, erhöht seinen PSA-Wert. Sogar das Pressen beim Stuhlgang kann den PSA-Wert der Vorsteherdrüse ansteigen lassen, ebenso wie eine fiebrige Infektion.

Liegt der PSA-Wert unter 1,0 ng/ml, besteht nach Expertenmeinung ein niedriges Risiko, an Prostatakrebs erkrankt zu sein oder in naher Zukunft zu erkranken. Es reicht dann aus, die PSA-Bestimmung in circa fünf bis zehn Jahren zu wiederholen. Für Männer zwischen 55 und 69 Jahren empfehlen die meisten Ärzte die Früherkennung mit PSA-Test, denn die größte europäische Screening-Studie hat gezeigt: Durch den Test werden viele Prostata-Karzinome früh erkannt und Leben gerettet. Früher waren 80 Prozent der Prostata-Karzinome nicht mehr heilbar, heute sind 80 Prozent heilbar. Und wer seinen Wert kennt, halbiert sein Sterbe-Risiko.

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Fakt ist aber auch: In Deutschland wird als Folge der PSA-Früherkennung  oft zu schnell operiert – mit dem Risiko von Impotenz und Inkontinenz.  70 Prozent der 70-Jährigen haben Prostatakrebs, aber nur jeder Fünfzigste verstirbt auch daran. Experten raten Patienten deshalb inzwischen viel öfter zur aktiven Überwachung (Active Surveillance) ihres Prostatakarzinoms. Wer familiär vorbelastet ist, sollte seinen PSA-Wert engmaschig überwachen lassen.

Dabei ist es wichtig, dass nicht nur die Messwerte beurteilt werden. Das Gesamtbild ist für den Mediziner entscheidend: Alter, Familiengeschichte, PSA- Ausgangswert und die Größe der Prostata. Insgesamt gilt: Auch wenn der PSA-Test unzulänglich ist, vorerst bleibt er die einzige Möglichkeit, die meisten Prostata-Karzinome früh zu erkennen.

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Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Thorsten Schlomm
Urologe                                                         
Leitender Arzt Martini-Klinik am UKE
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 13 00
Fax (040) 741 05 13 15
E-Mail: tschlomm@uke.uni-hamburg.de
Internet: www.martini-klinik.de

Im Beitrag:
Dr. med. Reinhard Hübotter
Urologe         
Horner Heerstraße 33
28359 Bremen
Tel. (0421) 23 20 66

Prof. Dr. Lothar Weißbach
Wissenschaftlicher Vorstand
Stiftung Männergesundheit
Claire-Waldoff-Straße 3
10117 Berlin
Internet: www.stiftung-maennergesundheit.de

Dr. Christian Weymayr
Projektleiter IGeL-Monitor
Internet: www.igel-monitor.de

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