Stand: 01.11.2016 13:03 Uhr

Prostatakrebs: Operation mit weniger Risiko

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Bei Männern ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung.

Muss wegen einer Krebserkrankung die Vorsteherdrüse (Prostata) entfernt werden, können viele Erkrankte nach der Operation den Urin nicht mehr halten und die Potenz kann stark eingeschränkt sein. Zwei Alternativen zur radikalen Prostata-Entfernung sind der hochfokussierte Ultraschall (HIFU) und die irreversible Elektroporation (IRE). Bei diesen sogenannten fokalen Therapien wird nur der Tumor behandelt, nicht das ganze Organ.

Prostatakrebs

Prostatakrebs: Operation mit weniger Risiko

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Bei Prostatakrebs sollen schonende OP-Methoden das Risiko für Komplikationen wie Inkontinenz und Impotenz senken. Wie funktionieren die Verfahren? Und wer kann sie nutzen?

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Hochfokussierter Ultraschall (HIFU)

Zunächst werden bei der HIFU-Methode per Magnetresonanztomografie (MRT) Bilder von der Prostata gemacht. Dabei lassen sich auch kleine Tumore gut erkennen. Anschließend platziert ein Roboter einen Ultraschallkopf über den Darm millimetergenau neben der Prostata. Der Ultraschallkopf sendet energiereiche Schallwellen aus verschiedenen Richtungen an den Tumor. Dabei entstehen Temperaturen von bis zu 90 Grad - der Tumor schmilzt.

HIFU: Voraussetzungen für die Operation

Die Behandlung erfolgt stationär. Nach wenigen Tagen können Betroffene das Krankenhaus verlassen. Anschließend bestimmt der Arzt einmal im Quartal den PSA-Wert. Nach sechs bis zwölf Monaten folgen eine Kontrollbiopsie und ein MRT. Voraussetzungen für die Behandlung mit dem hochfokussierten Ultraschall laut Martini-Klinik am UKE:

  • Begrenzung des Prostatakrebs auf wenige Herde auf nur einer Seite der Prostata
  • Ausmaß und Grad der Gewebeveränderung (Gleason-Score) nicht höher als 3+3 oder 3+4 
  • PSA-Wert unter 15 Nanogramm pro Milliliter

Langzeitergebnisse zum Therapieerfolg liegen noch nicht vor. Studien laufen erst seit drei Jahren.

Irreversible Elektroporation (IRE)

Bei der IRE-Therapie werden Stromstöße statt Hitze eingesetzt. Die Ärzte bestimmen zunächst per MRT die Lage des Krebses. Dann führen sie unter Ultraschallkontrolle mehrere Elektroden über den Darm in die Prostata ein, sodass sie um den Krebsherd herumliegen. Elektrische Energie zwischen den Spitzen bewirkt, dass die Wände der Krebszellen porös werden und absterben. Die Zellreste entsorgt das Immunsystem.

IRE: Voraussetzungen für die Operation

Weitgehend unberührt von den Stromstößen bleibt das umliegende gesunde Gewebe. Auch Gefäße und Nerven werden geschont. Voraussetzungen für die irreversible Elektroporation laut Klinik für Radiologie an der Charité Berlin:

  • Histologisch gesichertes, nicht metastasiertes, unilaterales Prostatakarzinom (T1-2aN0M0)
  • Ausmaß und Grad der Gewebeveränderung (Gleason-Score) kleiner als 3+4
  • PSA-Wert kleiner als 15 Nanogramm pro Milliliter
  • In der MRT gut sichtbare Tumore
  • Keine klinisch signifikanten Tumoranteile außerhalb des geplanten Behandlungsgebiets
  • Lebenserwartung mehr als zehn Jahre

Die irreversible Elektroporation wird in Deutschland nur an wenigen Zentren angewandt. Sie ist keine Kassenleistung. Im Rahmen von Studien ist die Behandlung an der Berliner Charité kostenfrei. Einen gesicherten Wirksamkeitsnachweis gibt es nicht.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
PD Dr. Georg Salomon, Leitender Arzt
Martini-Klinik am UKE
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 13 00
E-Mail: kontakt@martini-klinik.de
Internet: www.martini-klinik.de

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. med. Federico Collettini
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Radiologie
Abt. Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)
Tel. (030) 450 55 73 09, Fax (030) 450 55 79 47
E-Mail: mia@charite.de
Internet: radiologie.charite.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 01.11.2016 | 20:15 Uhr

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