Stand: 01.09.2015 16:23 Uhr

Prostatakrebs: OP oder Abwarten?

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Nicht immer ist eine OP bei Prostatakrebs notwendig.

Das Prostatakarzinom zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Seit vielen Jahren ist die radikale Prostatektomie, die operative Entfernung der Prostata, das Standardverfahren in der Therapie. Wird die Diagnose Prostatakrebs gestellt, bedeutet das heute nicht zwangsläufig, dass sofort mit einer Behandlung begonnen werden muss. Denn viele Tumoren werden nie zum Problem. Andere allerdings schreiten rasch voran. Die Entscheidung für oder gegen eine Therapie ist von großer Tragweite, denn bei einer radikalen Therapie drohen schwere Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Erektionsstörungen.

Die Diagnose Prostatakrebs bedeutet nicht zwangsläufig, dass behandelt werden muss.

Prostatakrebs: OP nicht immer nötig

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Die Diagnose Prostatakrebs bedeutet nicht zwangsläufig, dass sofort mit einer Behandlung begonnen werden muss. Wichtig ist allerdings, die Gefährlichkeit richtig einzuschätzen.

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Wann kann auf eine OP verzichtet werden?

Einen Hinweis zur Einschätzung der Bösartigkeit eines Tumors und der damit gegebenenfalls verbundenen Notwendigkeit einer Therapie, geben eine Biopsie und die anschließende feingewebliche Untersuchung des gewonnenen Gewebes. Dabei werden die zylinderförmigen Proben in hauchdünne Scheiben geschnitten, angefärbt und unter dem Mikroskop begutachtet. Findet der Pathologe keine Hinweise auf aggressive Tumorzellen, macht es oft Sinn, bis auf Weiteres auf eine Therapie zu verzichten. Allerdings muss die Prostata unbedingt weiter beobachtet werden - regelmäßig durch Bestimmung des PSA-Wertes im Blut und in größeren Abständen durch Kernspinuntersuchungen und gegebenenfalls Gewebeproben aus der Prostata. Bei rund einem Drittel der Männer allerdings können die Pathologen keine klare Vorhersage treffen.

Ziel der Forschung: Molekulare Tests für eine Diagnose

Um die Möglichkeiten zu verbessern, fahnden Hamburger Wissenschaftler in Proben von 20.000 Prostatakrebstumoren nach Merkmalen für die Bösartigkeit von Prostatakrebs. Die Tumoren unterscheiden sich in ihren genetischen Mustern, die die entscheidende Information enthalten, wie gut- oder bösartig ein Krebs ist. Das Ziel der Forscher ist es, eines Tages über molekulare Tests zu verfügen, die klare Auskunft über die Bösartigkeit eines jeden Prostatakrebses geben können.

Zwar sind auf dem freien Markt bereits Tests erhältlich, die genau das versprechen, doch Experten warnen vor diesen Angeboten, da die Tests noch lange nicht ausgereift seien und Patienten zu gefährlichen Fehlentscheidungen verleiten könnten.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Thorsten Schlomm
Urologe
Martini-Klinik am UKE GmbH
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 13 00
Fax (040) 741 05 13 23
Internet: www.martini-klinik.de

Prof. Dr. Guido Sauter
Institutsdirektor
Institut für Pathologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 55 00
Internet: www.uke.de

Dr. Alexandra Pust
Urologin
Facharztzentrum an der Kampnagelfabrik
Jarrestraße 2-6
22303 Hamburg
Tel. (040) 181 21 54 50
Internet: hamburg.arztzentrum.de/urologe.html

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