Stand: 29.03.2016 14:34 Uhr  | Archiv

Prehabilitation: Fitter vor und nach der OP

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Die Prehabilitation ist besonders vor Knie- und Hüftoperationen eine effektive Vorbereitung.

Der Begriff Prehabilitation steht - analog zur Rehabilitation, dem Wiederaufbau nach einer Operation - für den Aufbau von Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer bereits vor dem Eingriff. Dieses neue Konzept soll mit speziellen Trainingsprogrammen für Muskulatur und Kreislauf Patienten helfen, gestärkt in eine Operation hineinzugehen und sich hinterher auch schneller wieder zu erholen. Das funktioniert selbst bei schwer kranken Menschen, sodass viele Ärzte gerade ihnen die Prehabilitation empfehlen.

Vier bis fünf Wochen vor der Operation gehen die Patienten zwei Mal die Woche zum Fitnesstraining. Hier geht es nicht um großen Muskelzuwachs, sondern darum, dass die Muskeln überhaupt wieder angesteuert werden. Arthrose-Patienten zum Beispiel bewegen sich wegen ihrer starken Schmerzen in den Gelenken oft nicht mehr genug, es fehlt ihnen an Muskelkraft und -koordination. Genau diese werden in der Prehabilitation aufgebaut.

Kleine Reize mit großer Wirkung

Nicht nur bei Gelenkersatz an Knie und Hüfte wird das neue Konzept derzeit erforscht: Auch vor einer Blasenhebung, einer mehrstündigen Operation mit großem Bauchschnitt, sollen Patienten trainieren, um den Eingriff besser zu überstehen. Das Training setzt kleine Reize, die dazu führen, dass sich der Körper auf einen großen Reiz einstellen kann. Kleine Reize - das bedeutet zwei Mal die Woche ein Zirkeltraining auf Crosstrainer und Fahrrad: Vier Minuten Training, eine Minute Pause, mehrere Wiederholungen, insgesamt eine halbe Stunde. Dabei wird alles trainiert: Beine, Hüfte, Taille, Arme.

Dass die Übungen Effekte zeigen, lässt sich sogar im Blut der Teilnehmer nachweisen: Der Stoffwechsel wird angeschoben, das Herz muss mehr pumpen, durch die Gefäße läuft mehr Blut. Das fordert die Gefäßwände und der Körper passt sich der Herausforderung an. Auch das Immunsystem wird durch das Training gestärkt.

Immunsystem des Körpers wird gestärkt

Selbst Krebspatienten, die nicht vier Wochen auf eine Operation warten können, profitieren von der Prehabilitation: Studien zeigen, dass schon eine einmalige Stimulation Immunzellen aktivieren und so die Abwehr stärken kann. Auch wenn es noch keine große Studie gibt, die die positiven Effekte körperlicher Bewegung vor einer Operation wissenschaftlich belegt, zeigen die Ergebnisse kleinerer Pilotstudien, wie erfolgreich das Konzept ist: In einer Studie mit 21 Patienten ließen sich mit Prehabilitation die Schmerzen halbieren und die Beweglichkeit nach der OP verdoppeln. So stabilisierte das regelmäßige Training zum Beispiel vor einem Hüftgelenkersatz Muskeln, Sehnen und Bänder rund um die Hüfte so weit, dass die Schmerzmittel bereits vor der OP stark reduziert werden konnten. Und auch das anschließende Laufenlernen mit dem Kunstgelenk ging sehr schnell.

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Uwe Tegtbur
Direktor
Institut für Sportmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 532 54 99
Fax (0511) 532 81 99
Internet: www.mh-hannover.de/sportmedizin.html

Im Beitrag:
Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Bloch, Leiter Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin
Leiter Abt. für molekulare und zelluläre Sportmedizin
Deutsche Sporthochschule Köln
Am Sportpark Müngersdorf 6
50933 Köln
Internet: www.dshs-koeln.de/visitenkarte/einrichtung/kreislaufforschung-und-sportmedizin/

Univ.-Prof. Dr. Bernd Böttiger
Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin
Uniklinik Köln
Kerpener Straße 62
50937 Köln
Internet: anaesthesie.uk-koeln.de/de

Dr. Roel van der Most
Fachbereitsleiter Endoprothetik und Hüfterkrankungen
Chirurgisch-Traumatisches Zentrum - Orthopädie
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Tel. (040) 18 18 85 35 88
Internet: www.asklepios.de/hamburg/sankt-georg/

Daniela Oestreich
Dipl. Sportwissenschaftlerin
Fachübergreifende Frühhabilitation und Physikalische Medizin
Asklepios Klink St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Tel. (040) 18 18 85 45 32
Internet: www.asklepios.de/hamburg/sankt-georg/

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