Stand: 25.04.2017 08:09 Uhr

Placebos können Schmerzen lindern

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Pillen müssen nicht bitter sein, um zu wirken.

Als Placebo-Effekt wird die Wirkung eines Scheinmedikaments bezeichnet, das hilft, obwohl es keinerlei Wirkstoff enthält. So lindert oft schon die Erwartung einer Wirkung Schmerzen oder sie unterstützt zumindest die Wirkung eines Medikaments.

Dr. Wimmer

Dr. Wimmer: Was sind Placebos?

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Medikamente und Therapien ohne nachgewiesene Wirkung können kranken Menschen helfen. Wie der sogenannte Placebo-Effekt funktioniert, erklärt Dr. Wimmer.

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Das faszinierende Phänomen ist schon lange bekannt und wird auch in der Therapie gern genutzt. Besonders gut erforscht ist der Placebo-Effekt in der Schmerztherapie. Die Scheinpräparate aktivieren im Gehirn genau die gleichen Botenstoffe, die auch durch echte Schmerzmedikamente ausgeschüttet werden. Die Placebo-Wirkung ist also keine Einbildung. Experten schätzen, dass der Placebo-Effekt bei Schmerzmedikamenten rund ein Drittel der Wirksamkeit ausmacht.

Schmerzen und die individuelle Wahrnehmung

Doch die heilsame Wirkung der Erwartung lässt sich auch auf anderen Wegen nutzen: So zeigen Experimente, dass auch rein mentale Behandlungen gegen chronische Schmerzen helfen können. Dabei wird der Patient darin bestärkt, dass er mit der Kraft seiner Gedanken sein Schmerzempfinden beeinflussen kann.

Tatsächlich haben Schmerzen viel mit der individuellen Wahrnehmung zu tun, und die lässt sich beeinflussen, indem die Aufmerksamkeit vom Schmerz weggelenkt oder dessen Bewertung verändert wird. Beim sogenannten Neurofeedback werden die Hirnströme des Patienten abgeleitet und per Computer so sichtbar gemacht, dass der Patient lernt, die Hirnströme zu verändern.

Bei der Scheintherapie wird der Patient gar nicht mit dem Computer verbunden, sondern bekommt ein Video vorgespielt. Er denkt also nur, er könne die dargestellte Schmerzschwelle durch seine Gehirnaktivität, Atem- oder Augenübungen beeinflussen - und doch genügt genau das, um diesen Effekt tatsächlich zu erreichen.

Schmerz selbst aktiv bekämpfen

Werden Patienten anschließend über die Scheinbehandlung aufgeklärt, erfahren sie, welche Macht sie selbst haben, ihren Schmerz effektiv zu bekämpfen. Diese Erkenntnis kann den Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung enorm helfen und den Schmerzpegel durch die Kraft der positiven Erwartung deutlich senken.

Chat-Protokoll

"Placebos ersetzen keine medizinische Behandlung"

Welche Rolle spielt der Placebo-Effekt in der Homöopathie? Dürfen Placebos auch ohne Wissen des Patienten verschrieben werden? Dr. Regine Klinger hat Fragen im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner:

Interviewpartner im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Regine Klinger
Psychologische Leiterin des Bereichs Schmerzmedizin und Schmerzpsychologie
Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 7410 20 130
E-Mail: r.klinger@uke.de

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