Stand: 22.05.2017 10:28 Uhr

Parodontitis erkennen und behandeln

Fast jeder Zweite in Deutschland leidet im Laufe ihres Lebens unter einer mehr oder weniger ausgeprägten Zahnbettentzündung. Der Fachbegriff ist Parodontitis, umgangssprachlich wird die Erkrankung auch Parodontose genannt. Typische Symptome einer Parodontitis sind ein rötlich bis bläulich verfärbtes Zahnfleisch und Zahnfleischbluten.

So gefährlich ist Parodontitis

So entsteht Parodontitis

Siedeln sich Bakterien aus der Mundhöhle auf rauen Zahnbelägen aus Nahrungsresten und Speichelbestandteilen an, scheiden sie Säuren und Giftstoffe aus. Diese können eine fortschreitende Zahnfleischentzündung auslösen bis hin zur Entzündung des gesamten Zahnbettes mit einem im Röntgenbild sichtbaren Knochenabbau um den Zahn. Bei einer Parodontitis bilden sich tiefe Taschen am Zahnfleischrand, in denen Nahrungsreste hängen bleiben. Bakterien können sich in den Taschen optimal vermehren.

Bakterien verteilen sich im Körper

Eine Parodontitis gefährdet nicht nur Zahnfleisch und Zähne. Sie gilt auch als Risikofaktor für Herzerkrankungen, Rheuma und Diabetes:

  • Durch die chronische Entzündung schwindet der Knochen und das Zahnfleisch zieht sich zurück, sodass die empfindlichen Zahnhälse frei liegen und Zähne wackeln.
  • Bakterien können in die Blutbahn gelangen, Entzündungsstoffe im Körper verteilen und dadurch Schäden an anderen Organen und Geweben verursachen. Sie können auch den Übertritt von Zuckermolekülen aus der Blutbahn in die Zellen behindern und so den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen.

Eine Parodontitis beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und führt zu erhöhten Entzündungswerten im Blut.

Risikofaktoren für Parodontitis

Zu den Risikofaktoren für Parodontitis zählen:

  • schlechte Zahnpflege
  • Zahnstein
  • falsche Ernährung
  • Rauchen
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes

Zahnreinigung und chirurgische Eingriffe

Die effektivste Methode, eine Parodontitis zu bekämpfen, ist die mechanische Entfernung der Zahnbeläge (Plaques). Erst wenn die hartnäckigen Beläge beseitigt sind, hat das Zahnfleisch eine Chance abzuheilen. Zahnfleischtaschen mit einer Tiefe von mehr als sieben Millimetern müssen zudem chirurgisch gereinigt werden, weil die Zahnpflegeinstrumente nicht alle betroffenen Stellen erreichen. Dabei wird das Zahnfleisch unter örtlicher Betäubung heruntergeklappt, um die Plaques und Ablagerungen darunter zu entfernen. Anschließend erhält der Patient für einige Tage hochdosierte Antibiotika, um die Entzündung zu bekämpfen. Nach der Behandlung zieht sich das Zahnfleisch zusammen und legt sich an die Zähne an.

Kaltes Plasma gegen Parodontitis

In einigen Fällen kann eine Therapie mit kaltem Plasma eine Operation überflüssig machen. Kaltes Plasma ist Umgebungsluft, die mit Sauerstoff angereichert wird. Bei einer Plasmabehandlung wird zunächst der Zahnstein unter dem Zahnfleisch per Ultraschall entfernt. Im Anschluss setzt der Zahnarzt eine weiche Bissschiene ein, die über einen Schlauch mit dem Plasmagerät verbunden ist. Während der zehnminütigen Sitzung umflutet kaltes Plasma alle Zahnfleischflächen: Dabei zerstört es die Zellmembranen der Bakterien, deaktiviert Viren und reinigt die Wundflächen. Der große Vorteil des Plasmas ist, dass es auch die tiefen Zahnfleischtaschen erreicht und sehr effektiv reinigt. Pro Sitzung kostet die Plasmatherapie 45 Euro.

Parodontitis vorbeugen

Zur Vorbeugung einer Parodontitis sollte man täglich gründlich die Zähne putzen und auch die Zahnzwischenräume reinigen:

  • Ideal für die Reinigung der Zahnzwischenräume sind Interdentalbürsten, die es in verschiedenen Größen und Formen gibt. Vor allem bei größeren Zahnzwischenräumen, aber auch bei Brücken oder Zahnspangen sind Interdentalbürsten besser geeignet als Zahnseide. Bei der Auswahl der passenden Bürsten und bei Fragen zur richtigen Anwendung helfen Prophylaxe-Assistenten der Zahnärzte.
  • Zahnseide kommt zum Einsatz, wenn die Zähne so eng stehen, dass die Bürsten nicht tief genug in die Zwischenräume gelangen.
  • Zahnärzte empfehlen, zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. Diese wird zwar nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, befreit die Zähne aber gründlich von Belägen.
  • Sinnvoll ist auch eine Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt alle sechs Monate.

Parodontitis: Tipps zur Vorbeugung

  • Zahnzwischenräume reinigen

    Machen Sie sich die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume zur Gewohnheit - am besten entweder morgens oder abends. Verwenden Sie in jedem Zahnzwischenraum die passende Interdentalbürste. Zwischen engstehenden Zähnen ist Zahnseide optimal.

  • Interdentalbürsten richtig anwenden

    Interdentalbürsten immer vollständig durch den Zwischenraum schieben, aber nicht mit Gewalt. In jedem Zahnzwischenraum die Bürste fünfmal hin- und herbewegen und immer wieder unter fließendem Wasser reinigen. Zum Schluss noch einmal gründlich abwaschen und zum Trocknen aufstellen. Interdentalbürsten müssen regelmäßig gewechselt werden.

  • Ölziehen schwemmt Bakterien aus

    Das sogenannte Ölziehen ist ein ayurvedisches Naturheilverfahren, bei dem man täglich einen Teelöffel Speiseöl zwanzig Minuten lang im Mund hin und her bewegt, dabei immer wieder durch die Zahnzwischenräume zieht und anschließend ausspuckt. So sollen Bakterien ausgeschwemmt werden.

  • Grünen Tee trinken

    Wer regelmäßig grünen Tee trinkt, stärkt damit sein Zahnfleisch und kann laut einer japanischen Studie auch einer Parodontitis vorbeugen.

  • Rauchen aufgeben

    Rauchen aufgeben, denn Raucher haben neben vielen anderen Risiken auch ein sechs Mal höheres Risiko, an Parodontitis zu erkranken.

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Während einer Zahnbehandlung.

Parodontitis erkennen und behandeln

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Parodontitis gefährdet nicht nur die Zähne. Die chronische Entzündung ist auch ein Risikofaktor für Herzerkrankungen und Diabetes. So lässt sich Parodontitis behandeln.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Univ.-Prof. Dr. Henrik Dommisch, Direktor
Parodontologie und synoptische Zahnmedizin
Centrum 3 Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Aßmannshauser Straße 4-6, 14197 Berlin
Tel. (030) 450-56 23 22, Fax (030) 450-7 56 23 22
Internet: paro.charite.de

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Bernd Heinz, Zahnarzt und Parodontologe
Maria-Louisen-Straße 31 a, 22301 Hamburg
Tel. (040) 46 44 49, Fax (040) 40 13 67 12
Internet: www.praxis-dr-heinz.de

Weitere Informationen:
Deutsche Parodontose Hilfe e.V. Herne
Kirchhofstraße 2, 44623 Herne
Internet: www.parodontosehilfe.de

Online-Portal mit vielen Tipps zur richtigen Zahn- und Zahnfleischpflege
Internet: www.denta-expert.de

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