Sendedatum: 04.02.2014 20:15 Uhr

Parkinson: Gefahr Fehldiagnose

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Bei der Parkinsonkrankheit wird im Gehirn der wichtige Botenstoff Dopamin nicht mehr ausreichend gebildet.

Allgemeine Bewegungsarmut, steife Muskeln und ein langsames, vor allem in Ruhe auftretendes Zittern - das sind typische Symptome der Parkinsonkrankheit, auch Schüttellähmung genannt. Rund 350.000 Menschen in Deutschland leiden unter dieser langsam fortschreitenden Erkrankung, die meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr beginnt.

Doch die eindeutigen Symptome treten erst relativ spät im Verlauf der Krankheit auf. Frühsymptome wie Verstopfung, depressive Verstimmung, Schlaf- und Riechstörungen sowie Schulter-Arm-Schmerzen können auch andere Ursachen haben. Und auch für Zeichen wie Gangunsicherheiten und Schwindel ist nicht immer eine Parkinsonkrankheit verantwortlich, sie können Ärzte aber leicht auf eine falsche Fährte locken.

Zu wenig Botenstoff Dopamin

Bei der Parkinsonkrankheit wird im Gehirn der für die Steuerung von Bewegungsabläufen wichtige Botenstoff Dopamin nicht mehr ausreichend gebildet. Dopamin wird in einem als "Schwarze Substanz" bezeichneten Hirnareal produziert. Degenerieren die Zellen der Schwarzen Substanz mit zunehmendem Alter oder werden sie durch Gefäßleiden, Entzündungen oder Verletzungen geschädigt, wird nicht mehr genug Dopamin produziert, um die Bewegungsabläufe richtig zu steuern.

Heilung bisher nicht möglich

Heilen oder aufhalten lässt sich die Parkinsonkrankheit bislang nicht, die Symptome lassen sich aber in der Regel mit Medikamenten, die den Dopaminmangel ausgleichen, behandeln. Doch diese Medikamente haben Nebenwirkungen, vor allem, wenn gar keine Parkinsonkrankheit vorliegt. Denn statt die Beweglichkeit wiederherzustellen und die Schüttellähmung zu stoppen, verursachen sie dann eher Kreislaufprobleme mit Übelkeit und Schwindel, Tagesmüdigkeit, Halluzinationen und können sogar zu Spiel- und Kaufsucht führen.

Das Problem: Wird ein Patient einmal unter der Diagnose Parkinsonkrankheit geführt, wird das auch von weiterbehandelnden Ärzten kaum hinterfragt, denn das Fehlen der typischen Symptome führen die Ärzte dann auf die Wirkung der Medikamente zurück.

Deshalb ist es wichtig, die Diagnose Parkinson von Anfang an zu sichern, um Fehlbehandlungen zu vermeiden und frühzeitig mit einer an das Krankheitsstadium angepassten Therapie zu beginnen. Ähnliche Symptome wie die Parkinsonkrankheit können andere Nervenerkrankungen, ein Altershirndruck, Gefäßerkrankungen oder der sogenannte essentielle Tremor hervorrufen.

Wie wird Parkinson diagnostiziert?

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Das nuklearmedizinische Verfahren DaTSCAN gibt Aufschluss auf eine Parkinsonkrankheit.

Bei der Diagnostik helfen bildgebende Untersuchungen wie die Kernspintomografie zum Ausschluss einiger anderer Erkrankungen, eine Ultraschalluntersuchung des Hirnstamms sowie in ausgewählten Fällen nuklearmedizinische Verfahren wie der DaTSCAN, die ein Defizit der Dopamin freisetzenden Zellen bei der Parkinsonkrankheit direkt nachweisen. Dazu wird dem Patienten eine radioaktive Substanz verabreicht, die sich in diesen Zellen anreichert und sie auf dem Bild als hellrotes Areal markiert.

Da bei der Parkinsonkrankheit die Dopamin freisetzenden Nervenzellen zugrunde gehen, bei anderen Erkrankungen aber nicht, kann bei einem normalen Ergebnis im DaTSCAN eine Parkinsonkrankheit nahezu ausgeschlossen werden.

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Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Thilo van Eimeren
Oberarzt, Leitung der AG für funktionelle Bildgebung
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel

Im Beitrag:
Prof. Dr. Günther Deuschl
Direktor der Klinik für Neurologie
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel

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Visite | 04.02.2014 | 20:15 Uhr