Stand: 07.02.2017 13:25 Uhr

PSA-Wert: Prostatakrebs frühzeitig erkennen

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Der PSA-Wert ist sinnvoll zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Männern und dritthäufigste Krebstodesursache in westlichen Industrieländern. Neben der klassischen Abtastung der Prostata über den Enddarm gehört die Bestimmung des sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut zur jährlichen Früherkennungsuntersuchung, die Männern ab dem 45. Lebensjahr empfohlen wird.

Blutproben.

PSA-Wert: Prostatakrebs frühzeitig erkennen

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Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten. Männer sollten sich ab dem 45. Lebensjahr testen lassen, um bösartige Tumore der Prostata frühzeitig zu erkennen.

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Erhöhter PSA-Wert kann auf Tumor hindeuten

Übersteigt der PSA-Wert längere Zeit eine altersabhängige Grenze oder steigt er auf mehr als 0,75 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), kann das auf einen Tumor hinweisen, aber auch andere Ursachen haben. Aus dem erhöhten Wert lässt sich nicht direkt eine bestimmte Krankheit diagnostizieren. Die Ärzte können daraus nur schließen, dass an der Prostata wahrscheinlich etwas nicht in Ordnung ist.

Anstrengung kann PSA-Wert erhöhen

Außer einem Tumor kann zum Beispiel eine Entzündung oder eine gutartige Prostatavergrößerung zu erhöhten PSA-Werten führen. Selbst Geschlechtsverkehr, hartnäckige Verstopfung oder eine längere Fahrradtour in den Tagen vor der Messung reizen die Prostata so stark, dass der PSA-Spiegel vorübergehend ansteigt. Deshalb sollte bei einem auffälligen PSA-Wert nach einigen Tagen kontrolliert werden. Ist der Wert dann immer noch zu hoch, klärt eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Prostata die Ursache.

Widersprüchliche Studien

In Verruf geriet der PSA-Test aufgrund einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2012, an der 70.000 Männer teilgenommen hatten. Die Hälfte der Teilnehmer ließ regelmäßig den PSA-Wert bestimmen, die andere Hälfte ließ angeblich keine Tests durchführen. Als sich dabei kein Überlebensvorteil durch den PSA-Test zeigte, schlossen die Forscher daraus, dass sein Einsatz sinnlos sei. Gleichzeitig ergab aber eine doppelt so große europäische Studie über 13 Jahre, dass die regelmäßige Überprüfung des PSA-Wertes zu weniger Metastasen führt und die Sterblichkeit durch Prostatakrebs um die Hälfte reduziert.

US-Studie zum PSA-Wert fehlerhaft

Eine genauere Analyse der US-Daten durch zwei Wissenschaftler erklärt die widersprüchlichen Ergebnisse: 90 Prozent der Männer aus der Kontrollgruppe hatten vor Beginn der Studie oder währenddessen einen PSA-Test durchführen lassen und damit die ganze Studie verfälscht. Die Folgen der grob fehlerhaften Studie waren dramatisch: Viele Männer verzichteten auf den Bluttest und damit auf die Früherkennung von Prostatakrebs. Dadurch stieg die Zahl zu spät erkannter Tumore in den USA.

Risiko des PSA-Tests

Wer seinen PSA-Spiegel regelmäßig messen lässt, kann die Gefahr, an Prostatakrebs zu sterben, deutlich verringern. Andererseits fallen dabei auch viele eher harmlose Tumoren auf, die nicht behandelt werden müssten. Das führt nach Ansicht von Experten dazu, dass gerade in Deutschland viel zu häufig operiert wird und die Patienten dadurch unnötig dem Risiko für Inkontinenz oder Impotenz ausgesetzt werden. Zu häufig würden Männer wegen eines einzelnen erhöhten Wertes biopsiert.

PSA-Wert richtig interpretieren

Jeder Mann ab 45 Jahren, spätestens mit 50 Jahren, sollte den PSA-Wert einmal bestimmen lassen, um einen Ausgangswert für die weitere Zeit zu haben.

  • Liegt der PSA-Wert über 1,5 ng/ml, sollte der Test in sechs Monaten wiederholt werden.
  • Bei einem PSA-Wert unter 0,5 ng/ml ist das Prostatakrebsrisiko gering. In diesem Fall genügt es, den Test nach fünf bis zehn Jahren zu wiederholen.
  • Ist Prostatakrebs in der Familie aufgetreten, sollte der PSA-Wert engmaschig überwacht werden.
  • Eine Biopsie der Prostata ist dringend angeraten, wenn sich der PSA-Wert in kurzer Zeit verdoppelt oder verdreifacht, bei einem auffälligen Tastbefund oder typischen Symptomen wie Blut im Urin.

Bei der Beurteilung der Prostata ist das Gesamtbild entscheidend. Dabei sollten Ärzte nicht nur auf den PSA-Wert schauen, sondern auch auf das Alter, die Familiengeschichte, den PSA-Ausgangswert und die Größe der Prostata.

Damit der Wert nicht in die Irre führt, sollte man an den Tagen vor dem Test Reizungen der Prostata vermeiden, zum Beispiel durch Fahrradfahren, Sex und starkes Pressen beim Stuhlgang. Auch fiebrige Infektionen verfälschen den PSA-Wert.

Unnötige Operation der Prostata vermeiden

Zwar haben 70 Prozent der 70-Jährigen Prostatakrebs, aber nur zwei Prozent davon versterben daran. Experten raten deshalb vielen Patienten unter bestimmten Voraussetzungen inzwischen nicht mehr zur sofortigen Operation, sondern zur aktiven Überwachung des Tumors. So vermeiden sie unnötige Operationen und dadurch verursachte Nebenwirkungen, können aber rechtzeitig eingreifen, wenn der Krebs wider Erwarten aggressiv wird.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Thorsten Schlomm, Urologe                                                   
Leitender Arzt Martini-Klinik am UKE
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 74 10-513 00, Fax (040) 74 10-513 15
Internet: www.martini-klinik.de

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Hans-Ulrich Fink, Urologe                                                    
Urologische Gemeinschaftspraxis
Bastion 2, 24768 Rendsburg
Tel. (04331) 240 45, Fax (04331) 551 28
Internet:www.uro-fink.de

Dr. Karl-Christian Münter, Facharzt für Allgemeinmedizin, Phlebologie
Bramfelder Chaussee 200, 22177 Hamburg
Internet: www.gemeinschaftspraxis-bramfeld.de

Weitere Informationen:
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.
Thomas-Mann-Straße 40, 53111 Bonn
Tel. (0228) 338 89-500, Fax (0228) 338 89-510
Beratungshotline 0800-70 80 123
Internet: www.prostatakrebs-bps.de

Deutsche Krebshilfe e. V.
Buschstraße 32, 53113 Bonn
Tel. (0228) 729 90-0, Fax (0228) 729 90-11
Internet: www.krebshilfe.de/prostatakrebs.html
Kostenlose Ratgeberbroschüre "Prostatakrebs" auch zum Herunterladen im Internet:
www.krebshilfe.de

Krebsinformationsdienst (KID)
Deutsches Krebsforschungszentrum
Tel. (0800) 420 30 40 (8-20 Uhr, kostenlos aus dem deutschen Festnetz)
Internet: www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/psa-test-frueherkennung.php

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