Stand: 03.07.2017 14:12 Uhr

Osteoporose: Den Knochenschwund früh erkennen

In Deutschland leiden rund acht Millionen Menschen an Osteoporose. Genau lässt sich das jedoch nicht sagen, da die Krankheit häufig unerkannt bleibt. Vor allem Frauen ab 50 Jahren, aber auch Männer sind betroffen. Die Krankheit entwickelt sich schleichend, lange Jahre bemerken die Betroffenen nichts vom Abbau ihrer Knochenmasse, der die Knochen porös macht und nicht selten zu Knochenbrüchen und zur dauerhaften Einschränkung der Bewegungsfähigkeit führt. Daher ist es entscheidend, die Osteoporose möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Typische Symptome sind Knochenbrüche aus geringfügigem Anlass, akut auftretende, anhaltende Rückenschmerzen, Größenverlust um mehr als vier Zentimeter innerhalb eines Jahres, sehr niedriges Körpergewicht oder ungewollter Gewichtsverlust um mehr als zehn Prozent sowie eine Verringerung des Rippen-Becken-Abstandes auf unter zwei Fingern Breite.

Wie entsteht eine Osteoporose?

Diese Risikofaktoren gibt es

 In etwa 30 Prozent der Fälle ist der Knochenschwund erblich bedingt, daneben gibt es eine ganze Reihe von Risikofaktoren:

  • Bei Frauen:

    Die letzte Menstruation liegt mehr als zehn Jahre zurück.
    Der Abstand zwischen der ersten und der letzten Menstruation beträgt weniger als 30 Jahre (späte erste Regelblutung oder frühe Wechseljahre).
    Die Menstruation hat einmal für mehr als ein Jahr ausgesetzt.
    Eine Antihormonbehandlung wurde/wird durchgeführt (zum Beispiel bei Brust- oder Eierstockkrebs).
    Mindestens ein Elternteil hatte einen Oberschenkelhalsbruch.

  • Bei Männern:

    Sie sind älter als 70 Jahre.
    Eine Antihormonbehandlung wurde/wird durchgeführt (zum Beispiel bei Prostatakrebs).
    Es liegt ein Testosteronmangel vor.

  • Beide Geschlechter:

    Mehr als dreimonatige Einnahme von Kortison.
    Ein Knochen ist schon einmal ohne schweren Unfall oder Verletzung gebrochen.
    Sie haben jetzt oder hatten früher lange Zeit Übergewicht.
    Rauchen, Alkohol, zu wenig Bewegung.
    Krankheiten wie: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Diabetes, Rheuma, Überfunktion der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüsen, Blutarmut und Nierenfunktionsstörungen.
    Sie müssen viele Medikamente gleichzeitig einnehmen.

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Risiko und Diagnose

Frauen ab 60 und Männer ab 70 Jahren sollten ihr Osteoporose-Risiko abklären lassen, ebenso wer zu einer der genannten Risikogruppen gehört. Mit einer Knochendichtemessung (DXA) lässt sich die Osteoporose diagnostizieren. Dabei durchleuchten Röntgenstrahlen in geringer Dosis die Lendenwirbelsäule und den Oberschenkelhals. Die bei der DXA-Messung ermittelte Knochendichte wird als sogenannter T-Wert angegeben. Er beschreibt, um wie viele Einheiten die gemessene Knochendichte von der abweicht, die man für eine 30-jährige Person als Standard angenommen hat. Bei einem T-Wert zwischen 0 und -1 ist die Knochendichte normal. Bei einem T-Wert zwischen -1 und -2,5 spricht man von einer verringerten Knochendichte (Osteopenie). Bei einem T-Wert von -2,5 und weniger liegt eine Osteoporose vor. Wenn es bereits einen oder mehrere Brüche gegeben hat, spricht man von einer manifesten Osteoporose.

Auch Fragebögen helfen bei der Risikoeinschätzung

Beim "Chair-Rising-Test" muss man fünf Mal hintereinander mit verschränkten Armen aufstehen. Werden dafür weniger als zehn Sekunden benötigt, ist das Sturzrisiko gering. Auch Fragebögen helfen, das Osteoporose-Risiko zu ermitteln.

Die Krankenkasse zahlt eine Knochendichtemessung meist nur, wenn die Diagnose Osteoporose schon vorliegt. Das sei widersprüchlich, sagen Experten, denn die Untersuchung ist ja gerade ein wichtiges Werkzeug, um Osteoporose festzustellen und so Knochen zu retten.

Kalzium und Vitamin D für starke Knochen

 Behandelt wird eine Osteoporose mit Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten sowie gezielter Bewegungstherapie, die Muskulatur und Knochen stärkt. Daneben gibt es spezielle Medikamente, die in den Knochenstoffwechsel eingreifen: Der Knochen unterliegt einem ständigen Auf- und Abbau, der sich normalerweise im Gleichgewicht befindet. Bei der Osteoporose sind die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) aktiver als die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten). Es kommt zum Kalziumverlust, der Knochen wird porös und droht zu brechen, Schmerzen treten auf. Mit sogenannten Bisphosphonaten hemmen Ärzte die Osteoklastenaktivität und damit den Knochenabbau. Reicht diese Wirkung nicht aus, können Mediziner inzwischen auch gentechnisch hergestellte Antikörper einsetzen. Diese hemmen die Bildung, Funktion und das Überleben der Osteoklasten. So lässt sich der Knochenschwund stoppen und vielleicht sogar ein wenig rückgängig machen.

 

Chat-Protokoll
04:34

Interview: Was hilft bei Osteoporose?

04.07.2017 20:15 Uhr
Visite

Bei einer Osteoporose werden die Knochen porös und können brechen. Der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Ralf Oheim erklärt die Ursachen und Behandlungsformen. Video (04:34 min)

Chat-Protokoll

Chat-Protokoll zum Thema Osteoporose

Wie sieht die optimale Behandlung von Osteoporose aus? Dr. Ralf Oheim hat im Visite Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Auch Spritzenkur kann helfen

Ein weiterer Therapieansatz ist die Aktivierung der Osteoblasten mit einem ebenfalls gentechnisch hergestellten Wirkstoff aus der Gruppe der Nebenschilddrüsenhormone. Er wird stoßweise einmal täglich gespritzt, soll den Knochenaufbau stimulieren und zusätzlich dafür sorgen, dass knochenstärkendes Kalzium aus der Nahrung oder aus Medikamenten besser aufgenommen wird. Kontrollen sind wichtig: Alle zwei Jahre sollte die Knochendichtemessung wiederholt und die Medikamente immer wieder überprüft werden.

Bewegung verbessert die Knochendichte

Neben den hoch wirksamen Medikamenten und einer Kalzium- und Vitamin-D-reichen Ernährung spielt Bewegung eine ganz wichtige Rolle, um die Knochendichte wieder zu verbessern. Wichtig ist dabei vor allem die mechanische Stoßbelastung, die den Knochenaufbau stimuliert - auch als vorbeugende Maßnahme, um gar nicht erst eine Osteoporose zu entwickeln. Für Jüngere ist zum Beispiel Seilhüpfen geeignet, für Ältere forciertes Treppensteigen oder Walking - oder auch gezieltes Krafttraining unter Aufsicht im Fitnessstudio.

Animation eines porösen Wirbels.

Osteoporose: Den Knochenschwund früh erkennen

Visite -

Eine Osteoporose entwickelt sich schleichend: Betroffene merken oft viele Jahre nichts vom Abbau ihrer Knochenmasse, die Knochen werden porös. Doch wie erkennt man die Krankheit?

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
PD Dr. Ralf Oheim, Orthopäde und Unfallchirurg
Leitender Arzt der National Bone Board Spezialambulanz (NBB)
Spezialambulanz für seltene Erkrankungen des muskuloskelettalen Systems
Institut für Osteologie und Biomechanik
Universitätsklinikum Hamburg
Lottestraße 59, 22529 Hamburg
Tel. (040) 74 10- 562 42
E-Mail: r.oheim@uke.de
Internet: www.boneboard.de
und
Oberarzt Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Lübecker Osteoporose Netzwerk
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. (0451) 500-411 63
E-Mail: ralf.oheim@uksh.de                                                       
Internet: www.uksh.de

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Christian Hauschild, Orthopäde/Osteologe
Lübecker Osteoporose Netzwerk
Steinrader Weg 2, 23558 Lübeck
Tel. (0451) 433 73, Fax (0451) 400 48 90
E-Mail: orthopaede.luebeck@t-online.de
Internet: www.orthopaede1.homepage.t-online.de

Weitere Informationen:
Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. (BfO)
Kirchfeldstraße 149, 40215 Düsseldorf
Internet: www.osteoporose-deutschland.de

Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e.V.
Hohe Straße 38, 99867 Gotha
Internet: www.osd-ev.org


Ratgeber:
Wolfgang Brückle: Osteoporose: Stabil durchs Leben.
144 S.; Trias (2014); € 19,99
Astrid Büscher, Vera Herbst: Gut essen bei Osteoporose.
192 S.; Stiftung Warentest (2014); € 19,90

Dossier

Osteoporose erkennen und behandeln

Experten schätzen, dass nur jede fünfte Osteoporose-Erkrankung rechtzeitig erkannt und therapiert wird. Welche Tests zur Früherkennung gibt es und wie wird behandelt? mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.07.2017 | 20:15 Uhr

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