Sendedatum: 29.04.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Nierenversagen durch Schmerzmittel

Bild vergrößern
Schmerzmittel hemmen das Enzym Cyclooxygenase.

Sie wirken schnell - und Millionen Menschen sind auf sie angewiesen: entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol. Doch der großen Gefahr, die von der häufigen Einnahme dieser Medikamente (Nichtsteroidalen Antirheumatika) ausgeht, sind sich viele Menschen nicht bewusst. Insbesondere die Nieren werden häufig in Mitleidenschaft gezogen, tückischerweise oft lange Zeit unbemerkt. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Nierenversagen kommen.

Schmerzmittel wirken alle nach dem gleichen Prinzip: Sie hemmen das Enzym Cyclooxygenase (COX). Es existieren zwei verschiedene Unterformen des Enzyms - die Cyclooxygenase-1 und -2. Sie haben eine zentrale Funktion in der Regulation von Entzündungsprozessen. Dabei sind sie auch für die Entstehung von Schmerzen verantwortlich. Sie beeinflussen außerdem die Blutgerinnung und sind für den Schutz der Magenschleimhaut und der Nieren zuständig. Wird das Enzym gehemmt, werden also gleich mehrere Prozesse beeinflusst.

Gefahr der Überdosierung

Besonders gefährdet sind ältere Menschen: Bei ihnen nehmen alters- und krankheitsbedingte Beschwerden zu. Sie sind auf Medikamente angewiesen. Und: Der Wasseranteil im Körper älterer Menschen ist häufig deutlich reduziert. Das heißt, die Wirkstoffmenge entfaltet sich in weniger Flüssigkeit. Die Folge: Es kommt zu einer Überdosierung, die die Niere angreift. Die Betroffenen vergiften sich oft unbemerkt auf Raten. Dazu kommt, dass die Niere altersbedingt schon oft geschädigt ist.

Serumcreatinwert gibt Aufschluss

Nierenschäden kündigen sich mit einem erhöhten Serumcreatinwert an. Experten empfehlen deshalb, die Anwendungsdauer und Dosierung von NSAR möglichst gering zu halten. Wenn möglich, sollten die Beschwerden vor allem mit nichtmedikamentösen Methoden wie Physiotherapie, Wärme, Kälte, Massagen oder Bewegungstraining bekämpft werden. Keinesfalls sollten Patienten wochenlang NSAR einnehmen, ohne der Ursache ihrer Schmerzen auf den Grund zu gehen und einen Arzt zu Rate zu ziehen.

Personen, die unter chronischen Schmerzen leiden und ständig Schmerzmittel einnehmen müssen, sollten regelmäßig ihren Serumcreatinwert überprüfen lassen. Bei älteren Menschen muss der Arzt darauf achten, dass die Medikamente auch für ältere Menschen geeignet sind. Werden verschiedene Medikamente eingenommen, müssen diese aufeinander abgestimmt sein.

Weitere Informationen

Mythos Aspirin

Es gilt weltweit schon fast als Allheilmittel. Dabei kann Aspirin lebensgefährliche Nebenwirkungen haben. Wird das Schmerzmittel zu leichtfertig genommen? 45 Min forscht nach. mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. med. Thorsten Feldkamp
Facharzt für Innere Medizin
Oberarzt - Transplantation
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Klinik für Innere Medizin IV
Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten
Schittenhelmstraße 12
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 13 38
Fax: (431) 597 13 37

Dr. med. Corinna Harnisch
Fachärztin für Innere Medizin
Gemeinschaftspraxis Dr. med. Corinna Harnisch, Dr. med. Christ. Kuhlmann-Eilers und Sigrid Abshagen
Brandenburger Straße 17
26133 Oldenburg
Tel. (0441) 444 02

Dr. med. Jan Stork, Facharzt für Anästhologie und Intensivmedizin
Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie
Ärztliche Leitung Bereich Schmerztherapie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 61 88
Fax: (040) 741 05 69 73
E-Mail: schmerz@uke.de
Internet: www.uke.de/ambulanzzentrum

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.04.2014 | 20:15 Uhr