Sendedatum: 09.04.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Neues Prüfsiegel für Kunstgelenk-OPs

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Maßgeblich für den Erfolg einer OP ist die Erfahrung und Routine des Operateurs.

Wenn die Hüfte bei jedem Schritt schmerzt oder das Knie nicht mehr belastbar ist, bleibt oft nur der Einbau eines künstlichen Gelenks, um wieder schmerzfrei beweglich zu sein. Doch die Auswahl der richtigen Klinik ist nicht leicht: Etwa jedes zweite deutsche Krankenhaus bietet Endoprothesenoperationen an, doch Studien zeigen, dass der Erfolg höchst unterschiedlich ausfallen kann.

Ob ein Kunstgelenk problemlos funktioniert oder Komplikationen wie Schmerzen, Entzündungen, Knochenschwund oder Prothesenlockerungen auftreten, hängt von vielen Faktoren ab. Ganz maßgeblich ist die Erfahrung und Routine des Operateurs. Deshalb hatte der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen schon im Jahr 2005 eine sogenannte Mindestmengenregelung für Knieprothesen beschlossen, nach der eine Klinik mindestens 50 derartige Eingriffe pro Jahr durchführen musste, um gesetzlich Versicherten die Operation anbieten zu dürfen.

Doch nach einem Gerichtsurteil vor zwei Jahren musste diese Regelung wieder ausgesetzt werden. So blieb Patienten auf der Suche nach der richtigen Klinik nur der mühsame Vergleich der Klinik-Qualitätsberichte, um Hinweise auf die Erfahrung der Operateure zu finden.

Erfahrene Operateure wichtigste Voraussetzung

Nun soll ein neues Qualitätssiegel Patienten helfen, erfahrene Operateure und erfolgreiche Kliniken zu finden. Um dieses EndoCert-Zertifikat zu bekommen, muss eine Klinik eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllen: Die Wichtigste ist die Routine. Eine zertifizierte Klinik hat ein eingespieltes Team am OP-Tisch. Alle kennen die Abläufe und es gibt einen erfahrenen Hauptoperateur, der mindestens 50 Prothesen pro Jahr einsetzt.

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EndoCert

Überblick über Endoprothesenzentrum mit Zertifikat und Informationen für Patienten. extern

Auch der Vorrat an Implantaten in verschiedenen Größen und Ausführungen sowie der reibungslose Nachschub spielen eine Rolle, denn wenn während der Operation die passende Prothese fehlt und deshalb ein zu großes oder zu kleines Implantat verwendet wird, können die Folgen für den Patienten dramatisch sein. Nicht selten muss in solchen Fällen nach kürzester Zeit eine schlecht passende Prothese wieder ausgetauscht werden.

Informationsaustausch zwischen Patient und Klinik wichtig

Um das Zertifikat zu erhalten, muss eine Klinik zudem den Informationsfluss zwischen Ärzten, Pflege, Krankengymnasten und dem Patienten garantieren: Wie ist die OP verlaufen? Gab es Komplikationen? Wann darf der Patient aufstehen und wie sein neues Gelenk belasten? Wie geht es in der Reha-Klinik weiter?

Die Klinik muss offen mit ihren Ergebnissen umgehen und möglichst noch nach einem Jahr beim Patienten nach dem Langzeiterfolg fragen. Auch moralische Vorgaben sind zu erfüllen, die Klinik darf niedergelassenen Ärzten kein Honorar dafür bezahlen, dass sie Patienten schicken.

Bisher 50 Kliniken zertifiziert

Für das erweiterte Zertifikat mit dem Zusatz "Max" muss die Klinik noch weitere Voraussetzungen erfüllen: Sie muss auf komplizierte Wechsel-Operationen vorbereitet sein, Risikopatienten mit Vorerkrankungen behandeln können, über eine Intensivstation verfügen und der Hauptoperateur muss 100 Operationen pro Jahr vorweisen können, davon 50 Wechseloperationen.

Bisher haben 50 von insgesamt 1.000 Kliniken, die Prothesen einsetzen, das EndoCert-Zertifikat erworben. Eine Übersicht über alle in Deutschland aktuell zertifizierten Kliniken gibt es auf endocert.de.

Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Karl-Dieter Heller
Facharzt für Orthopädie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Rheumatologie, Chirotherapie, Physikalische Therapie, Balneologie, Sportmedizin, Kinderorthopädie, spezielle orthopädische Chirurgie, Chefarzt
Orthopädische Klinik im Herzogin Elisabeth Hospital
Leipziger Straße 24
38124 Braunschweig
Tel. (0531) 699 20 01
Fax (0531) 699 20 90

Im Beitrag:

Dr. Holger Haas
Chefarzt und Leiter der Zertifizierungskommission EndoCert
Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
Gemeinschaftskrankenhaus Bonn, Haus St. Petrus
Bonner Talweg 4-6
53113 Bonn
Tel. (0228) 506 22 21
Fax (0228) 506 22 26

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Visite | 09.04.2013 | 20:15 Uhr